Interview mit Marco Nägele
Unsere Sektion braucht Nachwuchs – Marco spricht über seine Motivation
» Landau alpin: Hey Marco, schön, dass du dir Zeit genommen hast! Stell dich doch kurz vor – wer bist du und was macht ein Wanderleiter und Trainer C eigentlich so?
» Marco: Ich bin Marco, 41 Jahre alt, leidenschaftlicher Gipfel- & Tourensammler und Hobby-Riesling-Trinker ab über 2.000 Metern (in der Schweiz auch gern ein Petit Arvine oder Fendant).
Als Wanderleiter (und später Trainer C) begleite ich Gruppen in die Berge, plane Touren, buche Hütten im Ehrenamt und versuche, am Ende alle wieder heil herunterzubringen.
Bisher hat das auch gut geklappt. Ein weiterer Teil besteht darin alpine Werte wie Sicherheit, Respekt vor der Natur und Kameradschaft den Touren Teilnehmern zu vermitteln.
Und nein ich will kein Hobby-Lehrer sein.
» Landau alpin: Im Ehrenamt? Klingt nach viel Herzblut. Was motiviert dich?
» Marco: Na ja…, man muss ein bisschen verrückt sein, das ist schon mal Grundvoraussetzung und bereit sein sich in den Dienst anderer zu Stellen.
Aber im Ernst: Die Freude am Draußensein, die Begeisterung der Leute und die Momente, wenn jemand am Gipfel steht und sagt: „Das hätte ich nie geschafft ohne dich“ – dafür mache ich es.
So ist es auch mir ergangen als ich mit ein paar erfahrenen Bergsteigern der Sektion meinen ersten 4.000er, das Bishorn, bestiegen habe. Dieses Netzwerk und die daraus entstandenen Freundschaften sind Antrieb etwas dem Verein zurück zu geben.
» Landau alpin: Wie läuft die Ausbildung ab? Vermutlich unterschreibt man nicht einfach in der Geschäftsstelle des DAV und bekommt dann eine Trillerpfeife?
» Marco: Die Ausbildung ist umfangreich. Karten- und Orientierungskunde, Wetterkunde, Erste Hilfe, Tour- und Routenplanung, Gruppenführung und ’n bissle Psychologie – denn irgendwann gibt’s immer jemanden, der fragt: „Sind wir bald da?“. Das dauert mehrere intensive Kurse und man lernt viel. Wie man Blasen an den Füßen verhindert, das und andere Softskills lernt man dann im Alltag oder von den alten Hasen. Ach ja die Trillerpfeife bekommt man vielleicht irgendwann, aber erst nach vielen Stunden Training, Praxis und bestandener Prüfungen!
» Landau alpin: Was war das lustigste Erlebnis, das du während einer Tour hattest?
» Marco: Da gibt’s einige. Ein Teilnehmer wollte unbedingt einen Stein als Andenken mitnehmen. Am Ende der Tour konnte er kaum noch laufen, weil der Stein so groß war wie eine Melone. Wir haben dann beschlossen: Erinnerungen lieber im Herzen mitnehmen, nicht im Rucksack. Einmal haben meine gebrauchten Socken im Schuhraum einen neuen Besitzer gefunden. Gleichzeitig haben zwei Tourenteilnehmer ihre Schuhe vertauscht, dem einen zu klein dem andern zu Groß. Beide haben es erst vor der Hütte bemerkt. Und ich hatte zum Glück Ersatzsocken dabei.
» Landau alpin: Und was gibt dir am meisten Freude?
» Marco: Wenn Leute die Natur wirklich erleben – nicht nur fotografieren. Wenn sie verstehen, wie klein man ist und wie großartig alles um uns herum. Und wenn am Ende der Tour alle so müde sind, dass sie nur noch glücklich lächeln. Dann weiß ich: Ich habe meinen Job gut gemacht.
» Landau alpin: Klingt fantastisch. Also würdest du sagen: Ein Ehrenamt, das man empfehlen kann?
» Marco: Nicht uneingeschränkt – man muss schon entsprechend gestrickt sein. Man braucht Kondition, Leidenschaft, Humor und manchmal ein dickes Fell, aber wenn die Teilnehmer Dir zeigen, dass Du nicht der Reiseführer, sondern Partner bist, dann ist das schon ein tolles Kompliment. Und wenn sie sich bei der nächsten Tour wieder bei dir anmelden dann hast du nicht ganz so viel falsch gemacht.
» Landau alpin: Letzte Frage: Was ist der beste Satz, den du auf einer Tour je gehört hast?
» Marco: „Ist es noch weit? Sind wir bald da?“.
» Landau alpin: Marco, danke für das Gespräch – und weiterhin viele sichere und wunderschöne Touren!
» Marco: Danke, und wenn du mal mitwillst – Wanderschuhe nicht vergessen!


