Es ist der 20. Juni 2019, zwei Uhr nachts. Eine Handvoll boulderlustiger JDAVler und unsere Betreuer Christian und David treffen sich an der DAV-Geschäftsstelle, um zur alljährlichen Fontainebleau-Freizeit aufzubrechen. Mehr oder weniger wach (manche haben im nahegelegenen McDonald’s übernachtet) werden die Busse bepackt. Die Fahrt verläuft weitestgehend reibungslos (ein Scheibenwischer hatte durch seinen Unwillen, mit dem Wischen wieder aufzuhören, eine kleine Pause erzwungen).

Gegen 8:30 Uhr kommen wir am Campingplatz „Les Prés“ in Grez-sur-Loing an, wo wir allerdings noch eine Weile warten müssen (der Platz öffnet nämlich erst um neun Uhr). Wir gehen deshalb zum Bäcker und holen Baguettes fürs Frühstück. Am Campingplatz beginnen wir dann im Nieselregen Zeltstangen zu vertauschen, Heringe zu verbiegen, über Leinen zu stolpern, und doch stehen irgendwann alle Zelte. Wir frühstücken unter dem Tarp und überlegen, in welches Gebiet man heute fahren könnte, und währenddessen hört zum Glück auch der Regen auf.

Unsere Wahl fällt auf das Gebiet „Éléphant“, recht bekannt für einen entfernt an einen Elefanten erinnernden Block am Eingang (um hier einen Elefanten zu erkennen, braucht es aber recht viel Mühe und/oder Fantasie, wie wir später feststellen). Nachdem wir unsere Schuhe angezogen und dabei den Sand verflucht haben, der uns auch die ganzen restlichen Tage verfolgen wird, suchen wir die Anfänge der Parcours. Das stellt sich als ziemlich kompliziert heraus, aber kurz vor der Verzweiflung entdeckt jemand ein kleines „D“ an einem Block (das steht „Départ“ und markiert den Start eines Parcours). Es kann losgehen.

Noch ist der Fels ungewohnt, wir sind noch müde, doch mit der Zeit finden wir uns immer besser zurecht. Im Laufe des Tages wird es immer wärmer, und unser Anspruch, möglichst schwer zu bouldern, sinkt. Gegen Mittag gehen wir weiter nach hinten, zum einen wegen des Schattens, zum anderen, weil wir dort einige berühmte Routen wie z.B. „La Dalle à Poly“ klettern wollen. Wir stellen allerdings fest, dass besagte Route über acht Meter hoch ist, und bouldern nur bis ungefähr zur Hälfte.

Abends gehen wir in der Loing schwimmen, einige springen sogar von der Brücke (dabei unterschätzen wir zwar die Wassertiefe, ernsthafte Verletzungen gibt es jedoch glücklicherweise nicht). Einige beschließen, trotz der latent nervigen Mücken unter freiem Himmel auf den Crashpads zu schlafen.

 

Am zweiten Tag stehen die Gebiete „Roche de Potala“ bzw. „Diplodocus“ auf dem Plan. Mittlerweile sind wir schon etwas routinierter und schaffen die Boulder und die Wege dazwischen immer schneller, unterbrochen nur von kurzen Abstechern an unsere Rucksäcke, um uns mal eben kurz ein Stück Baguette zu holen, und von verwirrten Crossrunnern, die ihre Wegmarkierungen suchen.

Im Laufe des Vormittags bekommt außerdem jeder die Gelegenheit, Christians Lieblingsboulder „La Squeeze“ auszuprobieren. Hier muss man sich durch ein schräges Loch im Felsblock hindurchzwängen (daher der Name), erschwert durch eine Wasserpfütze an der Unterseite des Loches, die es logischerweise zu vermeiden gilt. Später machen wir uns auf zum „Diplodocus“, ein ebenfalls und zu Recht sehr bekanntes Gebiet. Die steigenden Temperaturen und unser wachsendes Bedürfnis nach Schatten sorgen dafür, dass wir hier weniger bouldern, sondern stattdessen einen Großteil der Zeit unter einem kleinen Felsdach liegen.

Gegen Abend kommt Maries Freundin aus Paris an, sie wird die nächsten zwei Tage mit uns verbringen (dass auch sie Marie heißt, führt gelegentlich zu kleinen Missverständnissen). Neben den beiden Maries haben wir auch zwei Taras, doch zu unserem Glück ist in den meisten Fällen klar, wer gemeint ist. Genau wie am Vortag erfrischen wie uns vor dem Abendessen noch kurz im Fluss, kochen und spülen mehr oder weniger freiwillig und spielen Werwolf.

 

Samstags (unser letzter Klettertag) fahren wir ins Gebiet „Les trois Pignions“, Sektor „Roche aux Sabots“, mit wunderschönen Parcours, die aber durch die vielen Besucher oft unkletterbar glatt sind. Leider bleiben auch Verletzungen nicht aus, so gibt es unter anderem gestoßene Zehen und aufgeschlagene Schienbeine zu beklagen. Im gleichen Gebiet liegt auch der Block „Snoopy“ (auch hier ist einige Fantasie gefragt, um einen Hund im Felsblock auszumachen), und einige machen sich zusammen mit Christian auf den Weg dorthin, während David mit den anderen weiter die Parcours klettert.

Nach der höchst dramatischen Rettung einer Insektenmade finden wir uns zusammen, um eine Einkaufsliste für den geplanten Grillabend zu machen. Als wir schließlich auch die richtige Übersetzung für ‚Putensteak‘ finden (steak à dinde), steht dem Einkauf nichts mehr im Weg. Auch andere Schwierigkeiten, wie das Feuer, das nicht richtig brennen will, sind mit Deo und Feuerzeug schnell gelöst. Während Feta und Merguez auf dem Grill liegen, spielen wir eine Runde Wikingerschach und zeigen, warum wir Kletterer sind und keine Handballer.

An diesem Abend entstehen zudem einige erstaunliche kulinarische Kreationen (Marshmallows mit Guacamole? Na ja). Nach dem Abspülen und den obligatorischen Runden Werwolf schlafen wir spätestens um ein Uhr nachts ein.

 

Der folgende Tag bedeutet leider schon das Ende der Bleau-Freizeit. Packen, falten, beladen, auf die wenigen Nachzügler warten, Feedback-Runde (habt ihr wirklich toll gemacht, David und Christian), und wir sind abfahrbereit – fast: Ein verlorengegangenes Handy verzögert unseren Start ein wenig, doch als es schließlich in einer Ritze zwischen den Sitzpolstern auftaucht, kann es endlich losgehen. Auf einer Raststätte legen wir noch eine Pause ein, bei der wir uns hauptsächlich über die Preise aufregen (Gesprächsthema Nr. 1).

Um 18:30 kommen wir dann an der DAV-Geschäftsstelle an, ziemlich müde zwar (insbesondere die Betreuer, die ja fahren und uns während der Fahrt aushalten mussten), aber glücklich.

Vielen Dank noch einmal an David und Christian, es war wirklich wunderschön!