TeilnehmerInnen: Harald (Tourenführer), Steffen (Co-Tourenführer), Susanne, Lothar, Marvin, Anna-Lena

In diesem Jahr fängt das Abenteuer Berge schon vor der Anreise an – noch wenige Wochen vor der geplanten Tour waren wir nicht sicher, ob wir wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr überhaupt fahren können. Aber wir drücken uns ganz fest die Daumen und tatsächlich sind im Juli die Grenzen wieder offen und es kann losgehen!

Tag 1: Anreise & Aufstieg

Anreise und Aufstieg finden dann am Sonntag pünktlich und bei bestem Wetter statt. Gegen 10 Uhr machen wir uns an den langen Aufstieg vom Parkplatz Hopffeldboden zur Kürsingerhütte (2.558 m). Die Motivation ist groß, schließlich hat die Bergausrüstung viel zu lange im Schrank gehangen und die neue Hardshell-Jacke war der Witterung gerade mal auf dem Weg zum Supermarkt ausgesetzt. Für uns alle ist es in diesem Jahr die erste Bergtour und mach einer hat es noch nicht mal im Winter zum Skifahren geschafft.
Da sind die 1.600 hm zur Hütte schon keine schlechte Tour! Vor allem sind wir gut beladen: für die geplanten Touren in Fels und Eis haben wir Seile und ganz schön viel Metall dabei und daneben noch Schlafsack und Bettzeug – denn wegen Corona gibt es keine Decken auf der Hütte. Da trifft es sich doch gut, dass wir im letzten Drittel der Strecke, an der Materialseilbahn, unsere Last loswerden können. Geht sich doch gleich leichter, so ohne Rucksack! Nur der Lothar lässt sich – frei nach dem Motto „bequem aber nicht zu bequem“ – nur das Seil abnehmen und trägt seinen Rucksack selbst.
Na, wenn wir uns nach dem Aufstieg unsern Kaiserschmarrn nicht alle redlichst verdient haben!


Tag 2: Großer Geiger – Nordgrat

Für Montag hatten wir uns eigentlich eine leichte Eingeh-Tour auf den Keeskogel vorgenommen. Leider ist für die ganze Woche recht schlechtes Wetter angekündigt und der erste Tourentag verspricht noch die stabilsten Verhältnisse. Um unsere Zeit bestmöglich zu nutzen, ziehen wir kurzer Hand die für den zweiten Tag geplante Tour vor.
Um 5 Uhr in der Früh stapfen wir los zum Großen Geiger. Allmählich geht die Sonne auf und wir bestaunen das morgendliche Licht auf den schneebedeckten Gipfeln. Einfach fantastisch!! Allein dafür lohnt sich die kurze Nacht! Unser Weg führt uns von der Hütte erstmal bergab in das vom schwindenden Gletscher zurückgelassene Tal, wo wir mehrere Gletscherbäche auf mehr oder weniger intakten Brücken überqueren. Auf der Gegenseite steigen wir über wegloses Blockgelände und eine drahtseilversicherte Passage zum Eisfeld auf. An dieser Stelle kann man ruhig mal über den Klimawandel schimpfen! Denn dieses gigantische Loch und natürlich jede Menge Schutt hat das verschwundene „ewige“ Eis zurückgelassen. Früher gings von der Kürsingerhütte ohne Umwege auf den Geiger.


Am firnbedeckten Gletscher angekommen, legen wir unsere Gletscherausrüstung an. Wir bilden zwei 3er Seilschaften und queren über das Eis bis zur Einstiegsstelle des Nordgrats. Nochmal ein Blick nach oben: das Wetter scheint zu halten, die für den Nachmittag angekündigten Wolken tauchen erst weit weg am Horizont auf. Wir klettern auf den Grat und auf der Gratscheide über mächtige Felsplatten und -blöcke nach oben. Macht das einen Spaß! Der Granit ist wunderbar griffig, die Kletterlinien super schön und auch kniffelige Kletterpassagen im 3. Grad lassen sich im Team gut meistern. Bald sind wir richtig eingespielt: Vorstieg, Standplatzbau, Nachstieg – alles klappt wie am Schnürchen. Und diese fantastische Aussicht ins Tal! Da merkt man kaum wie schnell die Zeit vergeht! Gegen Mittag werden wir dann von anderen Seilschaften überholt, die am gleitenden Seil doch um einiges flotter unterwegs sind als wir. Ein kritischer Blick auf die Uhr: um noch zum Gipfel zu kommen, müssen wir uns sputen! Langsam rücken auch die Wolken näher.



Gegen 14 Uhr erreichen wir nochmal ein Schneefeld, auch im letzten Kletterabschnitt liegt noch Schnee und der Gipfel verschwindet mittlerweile in den Wolken. Da müssen wir leider einsehen – zum Gipfel, das geht sich für uns nicht mehr aus. Wir müssen eher schauen, dass wir vom Grat runterkommen, bevor wir im Nebel stehen. Viele Möglichkeiten bleiben dabei nicht: Nach nur kurzer Überlegung entscheiden wir nach Osten vom Grat abzuseilen. Mit einer Reepschnur um einen stabilen Felsblock ist die Abseilstelle schnell eingerichtet. Harald seilt sich ab und erkundet wie es unten aussieht. Mit unseren 60 m Seilen reicht es gerade bis auf ein paar Felsen unter dem Grat. Perfekt! Wenn das kein gutes Zeichen ist! Wir anderen seilen hinterher. Von der Abseilstelle geht es noch steil übers Eis nach unten – aber der Schnee ist mittlerweile weich und wir sinken bis über die Knie ein.

Unten angekommen hüllen uns die Wolken endgültig ein. Zum Glück haben wir schon eine Spur im Schnee ausgemacht. Auf diesem Weg müssen andere Bergsteiger von der Kürsingerhütte aufgestiegen sein. So kommen wir also auch zurück. Der Spur folgend gehen wir zurück übers den Gletscher und dann wieder ins weglose Blockgelände. Es ist mittlerweile spät und der Rückweg zieht sich. Da darf der eine oder andere schon mal fluchen über den großen Haufen Schutt, wo mal ein Gletscher war.
Am Ende kommen wir wohlbehalten auf die Hütte zurück und bekommen sogar noch ein verspätetes Abendessen. 14 Stunden waren wir heute unterwegs! Keine schlechte Eingeh-Tour! Und was für ein Abenteuer! Da sind wir auch ohne Gipfel am Ende doch sehr zufrieden mit uns.

Tag 3: Großvenediger – Normalweg

Obwohl der gestrige Tag lang war, wollen wir auch am Dienstag nicht auf unsere geplante Tour verzichten. Für heute nehmen wir uns den Großvenediger vor. Eigentlich hatten wir eine Besteigung über den Westgrat geplant, aber nach der langen Tour am Vortrag beschließen wir doch lieber über den Normalweg zu gehen. Die Tour wird mit ca. 8 Stunden angegeben – da können wir sogar ein bisschen ausschlafen und starten erst um 6 Uhr morgens. Susanne entschließt sich, den Tag entspannt anzugehen und macht eine Wanderung auf den Keeskogel.

So gehen wir also zu fünft los auf dem gut angelegten Weg zum Gletscher. Aufgrund des Gletscherrückgangs müssen wir auch hier ein kleines Stück absteigen. An der Anseilstelle schnallen wir unsere Steigeisen an und binden uns zu einer 5er Seilschaft zusammen. Ohne große Pausen folgen wir den gut sichtbaren Trittspuren auf dem beschneiten Gletscher. Der Weg führt mit moderater Steilheit über das Eis, nur an einer Wand wird es steiler. Trotzdem, der lange Weg und die langanhaltende Anstrengung schlauchen. Kurz vor dem Gipfel ist bei Anna-Lena der Akku leer. Nix geht mehr. Eigentlich. Aber mit Lothars Gipfel-Schokolade, Mini-Schritten und Marvin als Rucksack-Träger, können die letzten Höhenmeter zum Gipfel dann doch noch bewältigt werden. Und die Aussicht belohnt schließlich für die Mühen!! Das Wetter ist auch heute besser als erwartet und so können wir bei strahlendem Sonnenschein den Blick ins Tal und auf den Großglockner bewundern!


Nach dieser Tour kommen wir schon am frühen Nachmittag auf die Hütte zurück. Das ist auch mal schön! Faul liegen wir in der warmen Sonne und gucken den beiden Hütten-Schweinen (von Lothar ganz frech auf Schnitzel und Kotelett getauft) dabei zu, wie sie das Hütten-Personal auf Trab halten

 

Tag 4: Abstieg & Heimreise

Nachdem uns die Wettergöttin nun zweimal unerwartet gutes Wetter beschert hat, wollen wir unser Glück nicht überstrapazieren. Für Mittwochnachmittag und Donnerstag ist wieder Regen angekündigt, daher beschließen wir einen Tag früher als geplant abzusteigen. Nach den intensiven Tagen gehen wir den Steig von der Hütte wieder entspannt ohne Gepäck und genießen die Morgensonne, unsere Rucksäcke folgen mit der Materialseilbahn.
Auf der Fahrt zurück fängt es dann tatsächlich an zu regnen – na wenn das mal nicht perfekt geplant war!
Wir danken Harald für die sehr abwechslungsreiche und spannende Tour! Vielen Dank an Steffen und Lothar für die Übernahme der zweiten Seilschaft! Und natürlich allen für die tolle Stimmung und ein gutes Gruppenklima! 😉

Bericht: Anna-Lena Klingler & Marvin Glogowsky
Fotos: alle