Leitung: Joachim Schneider; Telnehmer: Volker Rupertus

Mit dem Treffpunkt am Sonntag abend auf dem Falzaregopass gab es auch gleich eine Einstimmung auf die aktuelle Wettersituation: Schnee bis auf 2.800hm; nasse Felsen und 3°C Außentemperatur.

Die Prognose für die nächsten Tage war durchwachsen und wir sahen unsere Ziele Marmaloda Südwand / Via Classica und Pala di San Martino /Südwestkante „Gran Pilaster“ im wahrsten Sinne davon schwimmen.

Nach feuchter Nacht klarte es am Morgen auf, so dass wir als Eingehtour die Via Vonbank (IV+) auf den Lagazuoi als 9 Seillängentour auswählten. Gegen 10 Uhr waren die Felsen abgetrocknet und wir trotz kühlerer Temperatur motiviert, um die erste gemeinsame Alpintour anzugehen. Joachim ist ein erfahrener Routinier, der schon über tausend alpine Klettertouren auf dem Buckel hat. Dies merkt man sofort in seiner souveränen Gelassenheit in dem Wohlfühlgelände zügig zu steigen. Das Wetter hielt besser als vorhergesagt, so dass wir trocken und mit einigen Sonnenstrahlen verwöhnt, den Auf-und Abstieg gut meisterten. Der Blick auf die Marmolada zeigte uns allerdings auf, dass dieses Ziel für die diesjährige Saison nicht mehr möglich sein würde, da der Schnee die Hälfte der Tour unberechenbar gemacht hatte.

Der Dienstag startete ebenfalls mit wechselhafter Bewölkung und nachmittäglichen Regenschauer als Wettervorhersage. Daher blieben wir am Falzaregopass und kletterten die Südwand des kleinen Falzaregoturms (Via Diretta Scoiattoli / V) als 9 Seillängentour. Mit zahlreichen Genusskletterstellen stiegen wir zur anspruchsvollen Ausstiegsverschneidung, die leicht überhängend mit genügend Luft unterm Hintern besser klappte als es von unten aussah. Schnell abseilen und abklettern bewahrte uns schlussendlich auch vor jeglicher Wetterunbill.

Überraschenderweise änderte sich die Wettervorhersage am Mittwoch vormittag von „täglich unbeständig mit Schauerneigung“ zu einem sonnigen Donnerstag für die gesamte Pala-Gruppe, so dass wir entschieden, den Gran Pilaster in Angriff zu nehmen, obwohl der Gipfelbereich und der nordseitige Abstieg bereits mit Schneeauflage veredelt war. Der Tag war dadurch vom Wechsel und einigen Passfahrten geprägt, die durch Regenschauer gewürzt waren. In St. Martino di Castrozza regnete es auch kräftig und die Berge waren komplett in Wolken. Da die Seilbahn unter der Woche bereits abgestellt war, beschlossen wir die Tour vom Tal aus zu starten mit Aufbruch um 4.30 Uhr. Allerdings standen wir dann am frühen Morgen in voller Montur unter dem Dach der Seilbahnstation und sahen dem beginnenden Regen zu. Da war die Vorhersage doch zu optimistisch gewesen und wurde auch flugs korrigiert: das gute Wetter hatte sich anscheinend um einen Tag verschoben. Also stiegen wir nachmittags zum Refugio Pedrotti auf, das überraschenderweise noch geöffnet war. Die 1.000 Höhenmeter Hüttenaufstieg erlebten wir durchwachsen mit wenig Aussicht aber durchaus meditativ. Unser Kletterziel hatten wir bis zum Abend noch nicht zu Gesicht bekommen.

Der nächste Morgen brachte strahlenden Sonnenschein, so dass wir mit besten Vorhersagen zum Gran Pilaster aufbrachen. Die Kletterei startete dann gegen 9.30 Uhr und begann gleich ordentlich. Durchgehend im IVer Gelände erreichten wir zunächst den 160 Meter hohen Kamin, der mit ein paar feuchten Stellen aufwartete. Joachim stieg das ganze zielsicher vor und fand auch im oberen Teil bei aufkommender Bewölkung einen gangbaren Weg. Mit zunehmender Höhe bewegten wir uns im unübersichtlichen Steilfels, da sich die Sicht am späten Nachmittag auf 20-30 Meter reduzierte. Am Ende der 22 Seillängen kam dann noch ein 200m langer Grat hinzu, der mit Schneeeinlagen gespickt war, so dass die Reibungskletterschuhe den Bergstiefeln weichen mussten. Bei Dunkelheit erreichten wir schlussendlich die Biwakschachtel auf dem Gipfel. Diese, in diesem Sommer komplett erneuerte, Behausung war ein echter Segen. Draußen schneite es leicht, drinnen waren durch die gute Isolation und die neuen Matratzen und Decken behagliche 18 °C. Bei strahlendem Sonnenschein mit super Fernsicht und einem Wolkenmeer in den Tälern starteten wir gegen 8 Uhr zum Abstieg über den türmereichen nordseitigen Verbindungsgrat (II- III) zur Palahochfläche (Normalweg). Die verwickelte Wegfindung gelang problemlos, doch die Schneereste verlangten vorsichtiges Abklettern und Abseilen. Gegen Ende kam uns auf dieser einsamen Tour noch ein Bergführer entgegen, der mit einer Farbsprühdose gelbe Punkte über den Normalweg verteilte, damit die Wegfindung im nächsten Jahr einfacher werden wird.

Nach 4 Stunden erreichten wir wieder die Pedrotti-Hütte, packten die dort zurückgelassenen Utensilien ein und konnten den Abstieg diesmal problemlos mit der Seilbahn durchführen, die an dem Samstag nochmals ein letztes Mal in Betrieb war.

Unten angekommen traten wir nach einer kurzen Rast die Heimreise auf getrennten Pfaden an. Gegen 23 Uhr war ich wieder wohlbehalten mit einem Füllhorn großartiger Eindrücke zu Hause.

Die Tourenwoche mit Joachim Schneider war ein großartiges Erlebnis, die mir als berufsbedingtem Gelegenheitskletterer eine meiner noch offenen Wunschziele bescherte und einen intensiven Austausch über die Alpingeschichte und –touren mit einem profunden Kenner der klassischen Extremklettertouren ermöglichte.

Bericht: Volker Rupertus