Jubiläumsweg Allgäu, 28.06. – 01.07.2014

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Der Alpensalamander ist besonders an regnerischen Tagen häufig anzutreffen. Wir treffen diese possierliche Tierchen daher besonders häufig auf unserer Tour. Man sagt, dass das Wetter besser werden soll, wenn die „Bergmännle“ bergauf laufen. Doch keines der hunderten tut uns diesen Gefallen. Dass sie sich lieber sogar der Nachwuchs-Pflege widmen, lässt Schlimmes erahnen….

Dabei ist uns die Sonne zu Beginn der Tour noch hold. Wir kommen mit unseren beiden Fahrzeugen absolut zeitgleich am Wanderparkplatz in Hinterstein an und starten wir bei bestem Bergwetter unsere Wanderung mit dem ersten Ziel, der Willersalpe.

Dass Meinrad’s Wanderungen immer ein Highlight sind, hat sich inzwischen bis in die Staaten herumgesprochen. Der am weitesten angereiste Teilnehmer unserer Männerrunde (die einzige TeilnehmerIN musste leider erkrankt zu Hause bleiben) kommt aus Las Vegas.

Schon nach einer guten Stunde erreichen wir die Alpe auf einer Höhe von 1456 m und nehmen erstmal auf der schönen Terrasse platz. Drei Brüder bewirtschaften noch heute das Haus und bringen alle Utensilien mit Pferden vom Tal herauf. Sie zapfen ihren Kühen die Milch ab, die sie entweder direkt vom Euter über die Theke gehen lassen oder sie produzieren daraus Buttermilch und Käse. Nach einem ersten Test des weißen Power-Drinks entscheiden wir uns aber für ein Getränk, das den Weg auf dem Rücken der Pferde zu diesem Ort gefunden hat: dem Engelbräu – einem Bier, so himmlisch wie ein Name, so verspricht uns die Reklame. Da ist wirklich ein Funken Wahrheit dabei….

Nach einer kurzen Verschnaufpause rappeln wir uns nochmal auf und erklimmen die, um die 1000 hm noch voll zu machen, die letzten 400 hm zum Zirleseck, von dem wir einen schönen Blick auf den Vilsalpsee im Tannheimer Tal haben. Noch vor dem einsetzenden heftigen Regenguss erreichen wir wieder die Willersalpe.

Während draußen kurzzeitig Weltuntergangsstimmung herrscht, beziehen wir unsere Lager direkt über dem Kuhstall. Der wird von dem gehörnten Vieh aber nur zum Melken bezogen. Das Haus ist urig, die drei Brüder sind Älpler wie aus dem Bilderbuch. Wir werden von einem bärtigen Mann in Lederhosen und ohne Schuhe bedient. Später erfahren wir, dass der heute seinen 52. Geburtstag feiert, gemeinsam mit einem Freund, der auch mit von der Partie ist.

Zum Abendessen gibt es Spaghetti mit Schinken-Käsesoße bis zum Abwinken – das wohl einzige Gericht, das die Jungs kochen können, denn man sagt uns, dass bisher noch nix anderes vom Herd gekommen sei. Da wir keinen längeren Aufenthalt planen, stört uns das nicht.

Auf der Hütte herrscht ein eindeutiger Frauen-Überschuss mit stark Schwäbischer Tendenz. Da zu Ehren der Geburtstagskinder ein lustiger Liedermacher mit seiner Gitarre und seiner Quetschn anwesend ist, wird der Abend spaßig – und lang. Auch eine der jungen Damen schnappt sich die Gitarre und überrascht uns mit absolut tollen Liedern, die von ihren Freundinnen stimmgewaltig begleitet werden. An dieser Stelle muss man einfach wieder an das Engelbräu anknüpfen, das bereits wieder reichlich genossen wird: Ein holder Engel präsentiert nun nach jedem Lied zünftige Trinksprüche, die Meinrad das fast wehmütige Zitat entlocken: zu meiner Zeit haben sich die Mädchen sowas nicht getraut. Meinrad lag dann schon in süßen Träumen, als der Hüttenwirt gar eine silberne Stange im Gastraum installiert…. die dient natürlich nur zur Stabilisierung des doch schon sehr alten Gebäudes;-)

Der letzte von uns kriecht nach dem bunten Abend am frühen Morgen in das Lager, um wenigstens noch drei, vier Stunden die Äuglein zu schließen, vor der anstehenden Wanderung zum Prinz-Luitpold-Haus, die je nach Kondition mit einer Zeit von sieben bis zehn Stunden angegeben wird. Jürgen, der absolut härteste Hund unserer Truppe, unterbietet diese Zeit gleich mal um rund zwei Stunden. Das Hauptfeld kommt dann nach rund siebeneinhalb Stunden auch an.

Wir sind alle sehr froh die Tour doch gemacht zu haben, nachdem wir uns dies zunächst aufgrund des Regens, der in den Morgenstunden eingesetzt hatte, überlegten.

Der Weg ist traumhaft und trotz des Regens, der uns nahezu ohne Unterbrechung begleitet, bieten sich uns wirklich sehr schöne Ausblicke. Mein persönliches Highlight ist der Schrecksee. Durch dessen baumbewachsene kleinen Insel und die Lage, eingebettet in die Berge, umgebend von saftigem Grün, glaubt man fast, man befinde sich in Schottland und die Bäume seien ein Castle. Perfektioniert wird diese Vorstellung durch den Regen – typisch schottisch eben…

Und an dieser Stelle kommen wieder die Alpensalamander ins Spiel. Zusätzlich zu den stellenweise sehr glitschigen Wegen muss man nun aufpassen, diese nun häufig auftretenden Tierchen nicht zu zertreten, was uns aber auch immer gelingt.

Nach einer letzten, nach der langen Wanderung sehr anstrengenden Überschreitung eines Bergkammes, erreichen wir das Prinz-Luitpold-Haus. Der Trockenraum wurde schon von der Bergwacht in Anspruch genommen, die an diesem Wochenende ein Ausbildungscamp veranstaltet. So finden wir nur wenig Platz, unsere völlig durchnässten Klamotten irgendwo aufzuhängen. Die Marke für die heiße Dusche ist ein Muss an diesem Abend. Noch vor der auf DAV-Hütten obligatorischen Hüttenruhe begeben wir uns in unser Lager, das wir trotz der Leute von der Bergrettung mit keinen anderen Gästen teilen müssen.

Am Morgen bietet uns ein tristes Bild: die umliegenden Gipfel sind alle wolkenverhüllt, die Wetterprognose für den Tag ist schlechter als die für den Tag zuvor.

Wir annullieren daher die im Edmund-Probst-Haus vorgesehene Übernachtung und steigen ab zum Giebelhaus. Eine Regenpause ermöglichst uns eine fast trockene Ankunft. Der Weg ist sehr schön, von allen Berghängen fallen Sturzbäche und wir sehen auch zwei sehr imposante Wasserfälle. Vom Giebelhaus lassen wir uns mit dem Bus zu unseren Autos chauffieren, bis zum WM-Achtelfinale sind wir dann längst wieder zu Hause, hm, leider ohne ein Engelbräu…

Stefan Moster