Anreise und Aufstieg am Sonntag fanden bei allerbestem Wetter statt. Pünktlich gegen 10:30 Uhr machten sich Susanne, Matthias, Dominic, Lothar und ich gemeinsam vom Vermuntstausee aus an den Aufstieg über den Fahrweg. Warum haben wir den nochmal gewählt, der Weg von der Bieler Höhe ist doch viel schöner. Ach so klar, wir wollten ja am Sonntag noch ne kleine Tour machen.

Nach nur 2 1/4 Stunden erreichten wir bereits die Saarbrückner Hütte. Nach einer Pause auf der Terrasse starteten wir genau von derselben Richtung Kleinlitzner in zwei 2er-Seilschaften über den Ostgrat. Eine moderate Mehrseillängen Tour im III. Grad. Susanne machte sich entspannt auf den Weg über den Klettersteig. Nach der Besteigung der Zimba über den Westgrat am Vortag wollte sie es etwas gemütlich angehen.

Es war eine sehr abwechslungsreiche Tour. Die Schlüsselstelle über eine Platte und einen etwas ausgesetzten kurzen Grat meisterten wir genauso erfolgreich wie das Schrofengelände und einige IIer Stellen. So erreichten wir nach ca. 2 Stunden den Gipfel wo uns Susanne nach einem relaxten Bad in der Sonne empfing. Hinunter ging es über den Klettersteig und zurück zur Hütte.

Am Montag wollten wir uns mit der Glötterspitze einen sehr selten begangenen Gipfel vornehmen. Der Aufstieg bis zum Litzner Sattel verlief unspektakulär, und auch den Weg bis zum Einstieg an der tiefsten Stelle zwischen Glötterspitze und Sattelkopf fanden wir schnell. Blockgelände und ein paar Firnfelder stellten keine Hindernisse dar. Die Suche der Route brachte uns an die linksseitige Umgehung der Türme, aber was war das? Wir fanden ein schuttbedecktes, schrofiges, schräges und wenig vertrauenserweckendes Band. Das war nicht ansatzweise einladend und schlecht abzusichern. So drehten wir um und kletterten lieber in angeregter Kletterei auf den Sattelkopf. Das hakenlose Terrain war perfekt um das Legen mobiler Sicherungen und den Standplatzbau zu üben. Auf dem großen und breiten Sattelkopf bot sich dann eine Mittagspause in der Sonne geradezu an.

Was sollten wir nun mit dem angebrochenen Tag machen? Zurück, nein zu früh. In der Nähe lag die Verhupftspitze. Also suchten wir uns einen Weg dahin. Jetzt waren Pfadfinderkenntnisse gefragt. Der Schnee der Kaltfront vom letzten Wochenende hatte alle Spuren überdeckt. Querfeldein, mal hoch, mal runter, ging es über schneebdeckten Schutt und Blockgelände. Spaß ist anders, aber da kam uns eine nette Platte in den Weg. Wieder so ein IIIer Gelände, perfekt zum üben. Also haben wir diese Kuppe mitgenommen. Aber noch immer waren wir nicht an der Verhupftspitze. Jetzt ging es einen steilen Firnhang hoch, an der ein oder anderen Stelle war Eis zu sehen, die kläglichen Reste des Verhupftgletschers. Und plötzlich war der Weg versperrt durch eine extrem rutschige, teils eisige Felsplatte und keine Halte- oder Sicherungsmöglichkeit am Fels. So sollte uns auch dieser Gipfel verwehrt bleiben. Umdrehen, zurück durchs wilde Gelände und Abstieg zur Hütte, die wir gegen 16 Uhr erreichten. Es war nicht unbedingt ein erfüllter aber ein ausgefüllter Tag.

Der Dienstag war (nur wettertechnisch) der schlechteste Tag mit wenig Sonne. Viele Wolken, teils tiefziehend, waberten immer mal wieder um die Gipfel. Da kein Niederschlag zu erwarten war machten wir uns trotzdem auf den Weg das Große Seehorn über die Westwand zu besteigen. Diese bewegt sich an wenigen Stellen im 2. Grad und wird seltener begangen als der Nordwestgrat oder die Überschreitung mit dem Großlitzner. Wir stiegen bis zur Seelücke auf und umgingen dann den Berg westseitig über den aperen und spaltenlosen Gletscher. Na endlich kamen auch mal Steigeisen und Pickel zum Einsatz. Um den Einstieg im Fels zu erreichen stiegen wir noch einen Firnhang (40°) hoch. Die Steigeisen wieder aus und den Weg suchen, viele Bänder, etwas Schutt, sauber ist anders. Das meiste bewegte sich im 1. Grad, so kamen wir sehr schnell voran und erreichten oben den letzten Teil des Nordwestgrates. Jetzt wurde es luftig und ausgesetzt, aber maximal II. Um 12:30 Uhr standen wir am Gipfel. Nachdem es wie Hechtsuppe zog bereiteten wir uns recht bald auf den Abstieg vor. Direkt am Gipfel begann die Abseilpiste, wie komfortabel ist das denn. Ach ja, abseilen mit 5 Personen und einem Seil welches sich nur mit Widerwillen dazu bewegen lässt durch den Tube zu rutschen kostet Zeit, viel Zeit. Dazu kam dann unterwegs mal noch eine Suche nach dem nächsten Abseilstand und ein Seilverhänger. Wenns läuft, läufts. Für die 220m Abseilen benötigten wir daher doch einiges mehr Zeit als für den Aufstieg. Zurück zur Hütte ging es auf dem selben Weg wie beim Aufstieg. Alle waren der Meinung, trotz nicht optimalem Wetter eine super Tour.

Der Mittwoch stand nur noch im Zeichen des Abstiegs, es bot sich dort einfach keine passende Kurztour mehr an. Schade eigentlich, das Wetter war wieder prima. Dafür spazierten wir noch am Silvretta-Stausee entlang und ließen uns einen leckeren Kuchen schmecken.

Drei Tourentage wie sie abwechslungsreicher nicht sein konnten lagen hinter uns. Vielen Dank an alle Teilnehmer für die sicheren Unternehmungen, das sehr angenehme Gruppenklima und den Spaß den wir hatten. Danke auch an Lothar für die Übernahme der 2. Seilschaft.

Text: Harald Winter
Bilder: Matthias Messemer, Susanne Winter, Harald Winter