Tourenführer: Christian Kitsch, Co-Tourenführer: Frank Klein
Teilnehmer: Harry Haber, Kurt Doppler, Sven Windhövel, Daniel Glaser

Tag 1: Anreise & Aufstieg
Wie immer treffen wir uns gemeinsam am Mitfahrerparklatz in Landau um 06:00 Uhr und beginnen unsere Reise in das wunderschöne französischen Mont Blanc Gebiet. Genauer definiert, in das französische Bergdorf Le Tour, in der Nähe von Chamonix. Hier findet auch unweit entfernt das diesjährige Klettercamp der Sektion statt.

Nach anfänglichen Diskussionen während der Autofahrt, ob man die ersten Höhenmeter der Tour zu Fuß zu gehen soll oder nicht, entscheidet man sich dann doch für den ursprünglichen Plan, die Seilbahn zu nehmen., So verkürzt man sich den doch recht eintönigen ersten Teil des Hüttenauftstieges, welcher durch einen landschaftlich uninteressante Mountainbike Downhill Park und das Schigebiet führt.

An der Bergstation angekommen, trennt uns nur noch eine kurze, gemütliche, nicht allzu steile Bergwanderung von unserer Basishütte. Das Refuge Albert 1er liegt am Fuße des Glacier du Tour auf 2705m Meereshöhe.

Wir absolvieren den Weg bei besten Wetterverhältnissen und bestaunen den Glacier du Tour. Mit seinen wunderschönen Blautönen und dem beeindruckenden Gletscherabbruch.

Beim abendlichen Mahl referieren wir über die Pläne der vor uns liegenden Tage. Nachdem unser Tourenführer Christian ankündigt, dass es morgen früh bereits um 04:00 Uhr losgeht, macht sich unter einigen Teilnehmern ein unbehagliches Gefühl breit. Man denkt ja eigentlich, man sei im Urlaub. Schnell stellt sich heraus, dass wir nicht nur zum Spaß hier sind 😉 😉 😉

Tag 2: Aiguille du Tour (3.540m)
Der heutige Tag beginnt bereits um 04:00 Uhr!!!

Nach eher dürftigem Frühstück (ist auf französischen Hütten anscheinend etwas anders) treffen wir uns abmarschbereit vor der Hütte ein. Jeder unterzieht sich einem Materialcheck, denn wir wollen bestens gewappnet unser heutiges großes Hauptziel angehen, die Aiguille du Tour!

Mit den Stirnlampen auf dem Helm montiert, wandern wir zunächst in leichtem Blockgelände ohne groß Höhe zu machen, im Dunkeln gen Gletscher. Die Wegfindung gestaltet sich hier, trotz Dunkelheit, recht simpel.

Am Gletscher angekommen, legen wir unsere Gletscherausrüstung an. Wir bilden zwei 3er Seilschaften und marschieren gemächlich los. Flache Passagen wechseln sich mit kurzen steileren Gletscheranstiegen ab, die wir mit angepasstem Tempo ohne weitere Probleme meistern.

Allmählich geht die Sonne auf und wir genießen das morgendliche Lichtspiel der Alpen. Unter anderem wird die Aiguille du Chardonnet (3824m) und der Mont Blanc (4807m) von der Sonne angestrahlt und können in ihrer vollen Pracht bestaunt werden. Einfach wunderschön!!! Unweit unseres Standortes gehen hin und wieder Gerölllawinen in ehrfürchtiger Lautstärke los, dass man fast schon vermutet, es würde sich ein Gewitter zusammenbrauen. Doch ist uns das Wetter, zumindest am Morgen wohlgesonnen.

Nach kurzer Rast und körperlicher Stärkung, folgt nun ein Aufstieg über eine Rinne, die mit zunehmenden Höhenmetern exponentiell aufsteilt, teilweise bis zu 35°. Doch auch diese ist mit der richtigen Technik und etwas Ausdauer ohne große Probleme zu absolvieren. Bereits während des Anstieges braut sich ein Unwetter zusammen, weswegen schon die ersten Abbruchpläne geschmiedet werden. Doch wir steigen noch die letzten Höhenmeter durch Blockgelände auf und suchen Schutz hinter einer Felswand des Col Supérieur du Tour (3.289m).

Nachdem das Unwetter etwas nachlässt und der Himmel aufklart, bestaunen wir das immens große Plateau de Trient auf der schweizerischen Seite. Wer zuvor dachte, der Glacier du Tour wäre schon groß, wird hier eines Besseren belehrt.
Von hier aus trennt uns nur noch eine kurze, wenn auch teils steile Gletscherwanderung, entlang der östlichen Seite der Aiguille Purtscheller (3478m) bis zum Felseinstieg unseres Berges. Wir richten ein Rucksackdepot ein und bereiten uns nach kurzer Einweisung von Christian auf die nun folgende Kletterpassage vor.

Es folgt auf die letzten knapp 200 Höhenmeter eine spaßige, wenn auch einfache Kletterei im 1er Schwierigkeitsgrad über Blockgelände bis hin zum 3542m hochgelegenen Gipfel der Aiguille du Tour. Das befriedigende „Berg Heil!“ ertönt in der Gruppe und alle erfahren das überwältigende Gefühl eines bestiegenen 3000ers.

Auf selbigem Weg steigen wir wieder ab zu unserem Rucksackdepot. Dort angekommen bilden wir nun erneut unsere Seilschaften und gehen in umgedrehter Reihenfolge zurück, weswegen ich nun auch mal eine anführen (vorangehen) darf 😉

Nach etwa zehn wundervollen, erlebnisreichen und sehr spaßigen Stunden kommen wir zur Mittagszeit wieder auf dem Refuge Albert an. Einige holen erst einmal den fehlenden Schlaf nach.

Punkt 18:00 Uhr sitzen wir gemütlich beim Abendbrot und jeder gibt einen Erfahrungsbericht des heute Erlebten ab. Wir lassen den Tag in geselliger Runde höchstzufrieden ausklingen.

Tag 3: Petite Fourche (3.512m)
Nachdem wir alle schon an das frühe Aufstehen vom Vortag gewöhnt sind, beginnt auch der heutige Tag zur gleichen Uhrzeit. Wiederum unterziehen wir uns einem Materialcheck, um bestens auf unser heutiges Etappenziel, der Petite Fourche (auf Deutsch „die kleine Gabel“), vorbereitet zu sein.

Den ersten Teil des Weges legen wir zurück wie am Tag zuvor.

Auf knapp 3.000m, an dem Punkt, wo wir zuvor den Weg zur Aiguille du Tour einschlugen, legen wir eine kurze Verschnaufpause ein und werden von einer 4-Mann starken Truppe überholt, die anscheinend den bisherigen Weg vom Refuge Albert in der halben Zeit, wie wir absolviert haben. Respekt!!

Der nun folgende Aufstieg über den Glacier du Tour gestaltet sich zu Beginn recht einfach, da der Weg bereits gespurt ist. Steilere Passagen wechseln sich mit angenehm zu gehenden flacheren ab.

Doch irgendwann schlägt Christian einen ungespurten Weg ein und traversiert über die Steilstufe. Wie sich herausstellt fordert diese Aktion viel Kraft und Ausdauer. Denn je weiter man sich in der Seilschaft vorne befindet je anstrengender die Spurarbeit. Meine Wenigkeit, als Seilschaftsabschluss, hat hier leichtes Spiel, da die Spuren bereits breit ausgetreten sind.

Nach ca. einer Stunde kommen wir an einer steilen Gletscherflanke unterhalb des Gipfels der Petite Fourche an. Hier übernimmt Frank das Spuren und wir bahnen uns über Serpentinen einen Weg bis zur ersten Felsberührung.

Hier angekommen, richten wir ein Materialdepot ein und teilen uns in zwei Gruppen auf. Die Gruppe um Christian geht voran und Frank folgt. In absolut rauhem und festem Granit absolvieren wir die letzten Höhenmeter in spaßiger Kletterei.

Am Gipfel angekommen, erkennen wir zunächst nur einen kleinen Steinmann, der wohl das bekannte Gipfelkreuz, wie man es in anderen alpinen Ländern kennt, ersetzen soll. Denn hier in Frankreich wirken viele Berge einfach noch natürlich und nicht maßlos entehrt, wie manch andere.

Der belohnende Rundumblick wird uns leider verwehrt, da das Wetter heute nicht so richtig mitspielen will. Wir schießen ein paar Gipfelfotos, genießen die himmlische Ruhe und klettern im Anschluss auf gleichem Weg zurück zum Materialdepot.

Wie sich im Abstieg herausstellt, sind wir in Punkto Spuren am heutigen Tag Pioniere gewesen, denn unsere Spur wurde bereits mehrfach von anderen Bergsteigergruppen genutzt.

Wir gehen auf selbigem Weg in umgedrehter Seilschaft zurück über den Glacier du Tour. Hin und wieder bestaunen wir ehrfürchtig die Aiguille du Chardonnet und das Dach Europas, den Mont Blanc, welcher ab und an im Hintergrund zu sehen ist.

Nachdem wir den Gletscher verlassen, machen wir eine Käse & Speck Rast in der Nähe eines Biwakplatzes. In den Gesichtern ist deutliche Befriedigung zu spüren, da die heutige Tour in Punkto Technik und Spaß, die des Vortages leicht übertrumpft.

Nach etwa 11h kommen wir zur Hütte zurück und genießen das hervorragende Abendessen (Es gab Fisch) und tauschen uns mit anderen Bergsteigern über das Erlebte aus.

So geht auch der dritte Tag in höchstem Maße zufriedenstellend zu Ende.

Tag 4: Abstieg & Heimreise
Wir gehen gemütlich in knapp 2h zurück zur Bergstation und fahren nach Le Tour zum Parkplatz. Wir verabschieden Harry, Frank und Christian, die noch vor Ort bleiben und zum Klettercamp nach Vallorcine weiterreisen. Wir anderen fahren zurück in die wunderschöne Pfalz.

Ich, Daniel, bedanke mich bei allen anwesenden und auch bei unseren beiden Tourenführern Christian und Frank, dass ich Teil dieser wundervollen, actionreichen, erlebnisreichen Unternehmung in den wunderschönen französischen Seealpen sein durfte.