früh am Samstagmorgen starteten 13 hochmotivierte Bergwanderer aus der Südpfalz Richtung Allgäu zu einer 4 tägigen Hüttentour. Treffpunkt: Oberstdorf Parkplatz P2, wo bereits die erste Hürde zu nehmen war: nämlich genügend Münzgeld für 4-Tage Parktickets für unsere Pkws aufzutreiben. Es gelang immerhin so rechtzeitig, dass wir bequem in Oberstdorf unseren Bus nach Birgsau im Stillachtal erreichten. Von dort aus starteten wir mit unseren gut bepackten Rucksäcken. Eine aussichtsreiche, wenn auch steile Route über den Krumbacher Höhenweg zur Mindelheimer Hütte war angesagt. Meinrad stimmte uns auf 4 Stunden strammen Aufstieg ein. 1050 Höhenmeter waren als Einstieg schon mal kein schlechtes Training.

Die Hinweisschilder ließen jedoch bald jegliche Illusion schwinden zur Kaffeezeit auf der Hütte anzukommen. Der Aufstieg war vor allem zu Beginn schweißtreibend. Versöhnt wurden wir durch das herrliche Bergpanorama, das sich uns immer wieder eröffnete. Schattige bewaldete Abschnitte waren als kleine Abkühlung bei der Hitze willkommen. Ebenso ein kleiner See, der zur Rast einlud.
Der Weg führte an blühenden Almwiesen vorbei, die eine wahre Farbenpracht boten: rote Alpen- rosen, lila Storchenschnabel, weiße Anemonen, gelbe Trollblumen um nur einige zu nennen.
Dank Anne und Jürgen, die zur Hütte vorausspurteten, waren unsere Lagerlätze gesichert und auch ein sättigendes warmes Abendessen nicht in Gefahr.
Der Rest der Truppe erreichte schließlich erschöpft das ersehnte Ziel und vor allem einen kühlen Trunk. Von Bergeinsamkeit auf der Hütte keine Spur. Sehr viele Kletterfreudige waren unterwegs und nach etlichen Mass und einigen „Kurzen“ glich der „Geräuschpegel“ dem im Hofbräuhaus.
Müde wie wir waren, steuerten wir schon zeitig unser Lager an, wo wir uns auf 12 qm gemütlich einrichteten.

Nach kräftezehrendem Aufstieg zur Mindelheimer Hütte (2058m) am Vortag sollte es dann ein ruhiger Sonntag werden – O-Ton Meinrad: „ heute alles auf einer Höhe“ bis zur Rappenseehütte (2091m). Nach dem Start um 8:00 bei Sonnenschein an der Mindelheimer Hütte ging es zunächst etwas bergan über Geröll- und einzelne Schneefelder Richtung Talschluss zur deutsch- österreichischen Grenze. Auf dem Weg Sichtungen von Steinböcken – majestätische beeindruckende Tiere in ihrem Revier. Später auf wunderschön blühenden Alpenwiesen, zeigten sich auch einige Murmeltiere. Über schöne Wege mit herrlichem Bergpanorama ging es über den Schrofenpass. Von hier aus konnten wir nochmals einen Blick zur Mindelheimer Hütte auf der Gegenseite des Tales werfen. Auf teils seilversicherten Wegen ging es schließlich zum Schlussanstieg zur Rappenseehütte, für den nochmals letzte Kraftreserven mobilisiert werden mussten – woher auch immer. Bei rasch vom Tal aufziehenden Regenwolken erreichten alle noch trocken die Hütte. Mit großer Erleichterung und glücklich nahmen wir eine kleine Stärkung (Apfelstrudel mit Vanillesoße) und eine warme Dusche – Wellness in den Bergen! Der Tag klang dann in gemütlicher Abendrunde bei hervorragendem Essen, einigen Getränken und mit guter Stimmung aus. Die „Neuen“ wurden in die Geheimnisse des legendären Würfelspiels Lügenmäxle eingeweiht und bestanden Ihren Feuerprobe mit mehr oder weniger Erfolg.

Am Folgetag sollte die Königsetappe über den Heilbronner Höhenweg zur Kemptner Hütte starten. Nach Beratung mit dem Hüttenwirt entschloss man sich, diesen nicht zu begehen. Aufgrund noch vorhandener z.T. nicht gespurter Schneefelder war das für die Gruppe nicht gefahrlos möglich; eine Alternative musste gefunden werden und wurde gefunden – letztlich konnten alle damit leben und so ging es am Morgen frisch gestärkt um 7:45 ans Werk. Der Himmel hatte über Nacht seine Regenmengen entlassen und so erwartete uns ein zwar bedeckter, recht frischer (5°C) aber trockner Morgen. Aus der Ferne ein kurzer Blick auf den Kamm zum Heilbronner Weg hinauf. Über ein Joch stiegen wir auf teils schwierigem Gelände (Schnee, Geröll, Wurzelwerk) in das Lechtal ab. Unterwegs wieder herrliche Blütenwiesen, zahlreiche Alpensalamander, die sich zur Paarungszeit vergnügten und Gemsen mit Jungtieren. Im Tal pünktlich vor Abfahrtszeit des Busses nach Holzgau angelangt und froh über die Möglichkeit der Rast waren alle zufrieden – indes der Bus kam nicht…. Auf telefonische Nachfrage beim Busunternehmen wurde klar, dass wir an der falschen Haltestelle waren; so ging es dann zur richtigen Haltestelle – um dort leider eine Stunde auf den nächsten Bus zu warten. Schließlich doch gut in Holzgau gelandet. Von dort sollte der Aufstieg zur Kemptner Hütte in Angriff genommen werden. Dabei ging es über die längste und höchste Hängebrücke Österreichs, die das Höhenbachtal überspannt – ein wirkliches Highlight des Tages. Einige der Gruppe zog es alternativ zum beeindruckenden Simms-Wasserfall (30m hoch). Am Cafe Uta trafen wir wieder zusammen und machten uns nach kurzer Einkehr in der unteren Roßgumpenalpe an den Aufstieg zur Kemptner Hütte der wiederum alle Kräfte forderte. Auf steilen steinigen Pfaden ging es stetig bergauf bis zum Mädelejoch (1930m) und dort über die österreichisch-deutsche Grenze. Nach kurzem Abstieg wurde dann endlich die Hütte im Nebel sichtbar… wunderschön gelegen in einer Hochebene mit sanften Bergwiesen. Hier nochmals schöne Sichtung einer Murmeltiergruppe, die eine kleine Showeinlage lieferten. Glücksgefühle bei Hüttenankunft — was für ein Tag!

Der Abend klang in der Hütte bei fröhlichem Beisammensein aus. Der spätere Abend verwöhnte uns noch mit einem Alpenglühen- romantische Stimmung kam auf und auch etwas Wehmut weil sich die Tour dem Ende entgegen neigte.

Am Dienstag dann Start um 7:45 und Abstieg durch den Sperrbachtobel über nochmals interessante Wege nach Spielmannsau. Einige Schmelzwasserfälle führten noch gut Wasser, was für eine kleine erfrischende Morgendusche beim Durchqueren sorgte. Außerdem war ein Schneefeld zu unterqueren (höhlenartig). Das war für alle ein besonderes Erlebnis. Punktlandung in Spielmannsau zur Busabfahrt… die Zivilisation hatte uns wieder.

Meinrad, Stefan und Jürgen verabschiedeten sich von uns und nahmen noch den Hindelanger Höhenweg in Angriff. Für die anderen der Gruppe hieß es nach kurzer gemeinsamer Kaffeepause in Oberstdorf Abschied nehmen und Rückfahrt nach Hause.

Leitspruch der Tour:
Der Rücken schmerzt die Füsse stinken, höchste Zeit ein Bier zu trinken (Danke Steffi)

Eine schöne abwechslungsreiche und spannende Hüttentour geht zu Ende, alle sind wohlbehalten und glücklich wieder zurück. Herzlichen Dank an Meinrad Rapp für die Planung der Tour und Führung der Gruppe.