Teilnehmer:

Carsten Pfaffmann, Lothar Cron, Andreas Eichhorn, Steffen Einspänner, Stefan Moster, Inge Sauter-Graichgauer, Karl Hoffmann, Sonja Schüle-Storz, Volker Minge

Führer:

Thomas Storz

Anreise:

Die wohl bequemste und schnellste Art nach Schottland zu gelangen ist mit dem Flugzeug zu reisen. Von Frankfurt nach Glasgow beträgt die Flugzeit ca. 2 Stunden, für einen Linienflug mit Lufthansa muss man derzeit mit etwa 185 € rechnen, die Fahrt zum ersten Hotel schlägt nochmals mit ca. 50 € pro Taxi zu Buche.

Allgemeines:

Der WHW beginnt in Milngavie, einem Vorort von Glasgow und endet in Fort William. Die Gesamtstrecke beträgt ca. 160 km und ist auf größtenteils sehr guten Wegen zu absolvieren, lediglich ein Teilstück am Loch Lomond verlangt etwas Trittsicherheit. Die Beschilderung ist hervorragend, so dass ein Verlaufen, auch ohne Karte, kaum möglich ist. Der Weg ist auf 14 Etappen angelegt, die aber je nach Zeit und Kondition der Wanderer veränderbar sind. Wir haben uns für eine Variante mit 7 Etappen zwischen 12 und 36 km Länge entschlossen. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit einzelne Etappen auszulassen oder abzukürzen und mit Bus, Bahn oder Schiff weiter zu kommen. Der WHW erfreut sich zunehmender Beliebtheit, so dass eine Reservierung der Unterkünfte im Voraus durchaus empfehlenswert ist.

Etappe 1: Milngavie – Drymen 21 km, 400 hm, Gehzeit: 4:30 h

Milngavie ist ein Vorort im nördlichen Teil von Glasgow. Untergebracht waren wir in dem empfehlenswerten Bed&Breakfast „Best Food Forward“. Schon nach kurzer Zeit lassen wir den Trubel der Großstadt hinter uns und unser Weg führt uns auf breiten Wegen eben durch eine parkähnliche Landschaft der Lowlands. Bei herrlichem Wanderwetter kommen wir recht zügig vorwärts und erreichen nach etwa 4: 30h unser erstes Ziel Drymen. Die erste Etappe ist ideal zum Einlaufen und macht richtig Lust auf die kommenden Tage. Untergebracht sind wir im „Kip in the Kirk“, einer ehemaligen Kirche. Den Abend verbringen wir im nahegelegenen „Clachan Inn“, dem ältesten Pub Schottlands bei einigen Bierchen und Whiskys. Hier machen wir auch die ersten Annäherungsversuche an das schottische Nationalgericht „Haggis“ (das Rezept liest sich übel, der Geschmack erinnert jedoch stark an Leberknödel und schmeckt wirklich sehr gut).

Etappe 2: Drymen- Rowardennan 26 km, 700 h, Gehzeit: 6:30 h

Zunächst führt unser Weg durch einfaches Wiesen- und Waldgelände. Nach ca. 2 Stunden Gehzeit haben wir erstmals Kontakt zum Loch Lomond, dem größten See Schottlands. Er wird die nächsten Tage unser ständiger Begleiter sein, bis wir die Highlands erreichen. Kurz vor Balmaha, einem beliebten Ausflugsziel und Beginn der Highlands, erklimmen wir den Conic Hill. Eine sehr schweißtreibende Angelegenheit. Am Gipfel angekommen werden wir jedoch mit einem wunderschönen Ausblick auf den Loch Lomond belohnt, den wir längere Zeit im Gras liegend genießen. In Balmaha selbst ist uns zu viel Trubel, so dass wir nach einer nur kurzen Rast immer am See entlang zu unserem nächsten Ziel dem „Rowardennan Lodge Youth Hostel weiterwandern. Nach etwa einer Stunde kommen wir dort an, rundum ziehen Gewitterwolken auf, die uns jedoch nichts mehr anhaben können. An der Jugendherberge, einem sehr schön gelegenen ehemaligen Jagdschloss, machen wir erste Bekanntschaft mit den schottischen Stechmücken, den Midgets, die in Scharen über uns herfallen und uns ordentlich „vermöbeln“.

Etappe 3: Rowardennan – Inverarnan, 26 km, 700 hm, Gehzeit 6:00 h

Unsere Route führt uns den ganzen Tag am See entlang. Zunächst gehen wir auf einem gut ausgebauten Wanderweg, in der zweiten Tageshälfte verläuft die Strecke nahe am Ufer steil und auch manchmal ausgesetzt über dem See, was Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert. Der Weg ist zwar nicht ganz ungefährlich, für einen geübten Bergwanderer jedoch ohne größere Schwierigkeiten zu bewältigen. Im schlimmsten Fall sorgt ein Ausrutscher für ein unfreiwilliges Bad im See. Die folgende Nacht verbringen wir im „Drovers Inn“, einem wirklich urigen Pub in dem die Männer Kilt tragen. Übrigens haben Inge und Sonja im Drovers Inn das Geheimnis des Schottenrocks „gelüftet“.

Etappe 4: Inverarnan – Tyndrum, 26 km, 600 hm, Gehzeit 6:00 h

Heute verlassen wir den Loch Lomond und erreichen nun endgültig die Highlands. Der Weg verläuft ständig aber kommod ansteigend und führt uns entlang des River Falloch zu zahlreichen Wasserfällen, imposant und eindrucksvoll zeigen sich insbesondere die Falls of Falloch. Am Nachmittag überkommt uns die Lust auf Kaffee und so kehren wir kurzerhand in ein Café ein, das sich zu unserer Überraschung in einer ehemaligen Kirche befindet und zu einem Künstler-Café umgestaltet wurde. Wir wären dort gerne länger sitzen geblieben, jedoch zieht Regenwetter auf und wir werden auf der letzten halben Stunde doch noch geduscht, was uns aber letztlich nichts anhaben kann, sondern als willkommene Abkühlung empfunden wird. Untergebracht sind wir in einer sehr komfortablen Ferienwohnung.

Etappe 5: Tyndrum – Bridge of Orchy, 12 km, 160 hm, Gehzeit 3:00 h

Heute ist eine Erholungsetappe angesagt. Ein gemütlicher breiter Weg führt uns größtenteils parallel zur Straße bzw. zur Bahnlinie verlaufend zu unserem Ziel dem West Highland Way Sleeper, einem ehemaligen Bahnhof, der zu einer Herberge umfunktioniert wurde. Während ein Teil der Gruppe den Nachmittag zum „Wunden lecken“ in der Herberge verbringt, lassen sich die Anderen nicht davon abhalten den 1074 m hohen „Beinn Dorain“ zu besteigen. Eine einfache aber anstrengende Bergwanderung, sind doch immerhin 900 hm zu bewältigen. Bei wunderschönem Wetter werden die Wanderer für ihre Mühen mit einer herrlichen Aussicht belohnt. Zum Abendessen erleben wir eine Überraschung, wie sie wohl noch auf keiner DAV-Tour vorgekommen ist. Die Unterkunft und insbesondere die Küche und der „Speisesaal“ machen eine „schmuddeligen“ Eindruck, was uns veranlasst uns zum Abendessen nach einer anderen Lokalität um zu sehen. Mangels Masse sind wir dann doch gezwungen im unserer Herberge zu essen. Kurzerhand stellen wir die Tische und Stühle nach draußen auf und funktionieren den Bahnsteig zum Restaurant um. Die Chefin des Hauses bekocht uns mit einem wirklich exzellenten indischen Diner, das wir so nie und nimmer erwartet hätten. Wir verbringen einen lustigen Abend, bei dem sämtliche Weinvorräte der Pension dran glauben müssen. (Typisch Pälzer halt!)

Etappe 6: Bridge of Orchy – Kinlochleven, 36 km, 1000 hm, Gehzeit 10:00 h

Heute steht die Königsetappe auf dem Programm. Zunächst verläuft der Weg auf einer alten Militärstraße und führt uns auf den „Mam Carraigh“, obwohl nur 325 Meter hoch, bietet er einen der schönsten Ausblicke des WHW. Die nächsten gut 10 km verläuft die Etappe am Westrand von „Rannoch Moor“. Bei den guten Wetterbedingungen ist die Strecke kaum mehr als einfache Wanderung auf einem guten Weg. Bei Regen verwandelt er sich jedoch in den schwierigsten Abschnitt des WHW, was uns jedoch Gott sei Dank erspart blieb. Der Weg steigt nun stetig an, bis wir den Gedenkstein von Peter Flemming, dem Bruder des „James- Bond-Erfinders“ erreichen. Bergab durch das Tal „Glenn Coe“ erreichen wir das Clenn Coe Mountain Resort, eine Liftstation, die im Winter ein Ski-Gebiet erschließt. Einige Teilnehmer entschließen sich die letzten 12 km mit dem Taxi zurückzulegen, der Rest nimmt eine ca. 350 Meter hohe steile Rampe in Kauf um dann auf das fast auf Meereshöhe gelegene Kinlochleven abzusteigen. Eine sehr anstrengende Etappe, und so ist es kein Wunder, dass der erste Weg in die Gaststube des „Tailrace Inn“, unserer Unterkunft für die Nacht, führt.

Etappe 7: Kinlochleven – Fort William, 25 km, 700 hm, Gehzeit 5:30 h

Die Schlussetappe steht auf dem Programm, unser Ziel Fort William liegt in greifbarer Nähe. Der Weg verläuft zunächst 250 hm steil ansteigend und führt uns durch ein größtenteils abgeholztes Waldgebiet. Nach Erreichen der Passhöhe zeigt sich zum ersten Mal der „Ben Nevis“, der höchste Berg Großbritanniens. Er wird von nun an unser ständiger Begleiter bis Fort William sein. Bei km 18 ist es dann endlich soweit, Fort William liegt in Sichtweite! Nach ein paar Kilometern Abstieg kommen wir in Fort William an, es ist geschafft, rund 160 km liegen hinter uns!! Das obligatorische Erinnerungsfoto zeigt verständlicherweise nur strahlende Gesichter.

Zugabe: Ben Nevis

Ein Teil der Gruppe will es sich natürlich nicht nehmen lassen, am nächsten Tag, den höchsten Berg Großbritanniens, den Ben Nevis (1344 m), zu besteigen. Das Wetter verspricht gut zu werden und eine Besteigung möglich zu machen. Der Aufstieg bereitet bei dem guten Wetter keine größeren technischen Schwierigkeiten, ist konditionell jedoch fordernd, da doch über 1300 hm zu bewältigen sind. Schade, dass an diesem Tag wohl noch mehrere Wanderer die Idee hatten den Ben Nevis zu besteigen, so zog eine regelrechte Karawane auf dem größtenteils mit Steinplatten ausgelegten Weg, zum Gipfel. Beim Erreichen des Gipfels kommen leider Wolken auf, so dass die Aussicht nur kurze Zeit genossen werden kann. Am Nachmittag besichtigen wir noch die Whisky-Destillerie Ben Nevis und lassen uns in die Geheimnisse des Whisky-Brennens einweihen. Die Tour klingt mit einem Zug durch das Nachtleben von Fort William, einem lebendigen Städtchen, aus. Morgen geht’s leider wieder nach Hause.

Fazit:

Wir haben auf einer unvergesslichen Tour Schottland kennen und lieben gelernt. Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen, einfach eine wunderschöne Tour, oder wie es Steffen treffend zum Ausdruck bringen würde: „Ein Traum in Eiche hell“!

Liebe Sonja, lieber Thomas,

ihr habt uns eine herrliche Tour beschert, die bestens geplant und organisiert war. Darüber hinaus habt ihr für bestes Wetter gesorgt – einfach perfekt. Wir freuen uns heute schon auf die Fortsetzung in nächsten Jahr!

Bericht: Volker Minge

Bilder: Carsten Pfaffmann