Die Anfahrt ins Gadertal verlief ohne Probleme und so trafen wir uns fast alle um die Mittagszeit am Parkplatz Pederü. Richard hatte die glorreiche Idee, einen Gepäcktransport zur Faneshütte zu organisieren und so konnten wir uns erleichtert an den Aufstieg machen.

Auf schönen Steigen, durch Latschenfelder, manchmal in steilen Kehren gelangten wir nach ungefähr 2 Stunden auf der sehr gut besuchten und recht komfortablen Faneshütte (2060m) an. Nachdem der erste Durst gestillt und schließlich auch unser Gepäck eingetroffen war, ging es an die nicht ganz einfache Verteilung der Zimmer bzw. Lagerplätze. Die Unentwegten machten noch einen kurzen Anstieg zum Limosee, an dem wir in den nächsten Tagen noch mehrmals vorbeikommen sollten.

Gute Wetterprognosen für die nächsten Tage stimmten uns hoffnungsfroh, doch als nachts heftiger Regen niederging, schien uns diese Voraussage etwas zweifelhaft. Am Morgen war starker Nebel aufgezogen, aber schon während des Frühstücks zeigten sich erste blaue Flecken am Himmel und schließlich siegte die Sonne, die uns dann auch während der kommenden Tage meist wohl gesonnen war.

In zwei Gruppen – die etwas schnellere mit Andrea voran, die Ü60-Gruppe mit Ria etwas langsamer dahinter – machten wir uns auf zu unserer ersten Bergtour auf die Pareispitze (2794m). Wieder am Limosee vorbei, stiegen wir vorwiegend über Grashänge empor und gelangten schließlich auf eine Grasterrasse mit steilen felsigen Abbrüchen nach Süden. Erstmals bei diesem Aufenthalt genossen wir den Ausblick auf die Dolomitengipfel, allen voran die Marmolada. Noch mehr als den verfallenen Unterstand interessierten die meisten die hier wachsenden Edelweiße. Das letzte felsige Stück bis zum Gipfelkreuz war ein bisschen anspruchsvoller, aber fast alle ließen es sich nicht nehmen, den ersten Gipfel unserer Tour zu besteigen. Den Rückweg ließen wir in der Lavarellahütte, in der Nähe der Faneshütte gelegen, bei sehr freundlicher Bedienung ausklingen

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen des Heiligkreuzkofels. Vorbei an dem kleinen See in der Nähe unseres Domizils und der Lavarellahütte ging der Anstieg zunächst durch Alpenrosen und Latschen über kleine Steinstufen und Baumwurzeln, schließlich über felsiges Gelände. Wieder eröffnete sich uns ein grandioser Ausblick auf die Dolomitengipfel bei der Ankunft auf der Kreuzkofelscharte (2612m): vor uns Marmolada, Sella, Langkofel, Schlern um nur einige zu nennen. Wir konnten uns kaum von dem Anblick lösen. Noch übertroffen wurde das Ganze dann auf dem Gipfel des Kreuzkofels (2907m). Der Blick über die steil abfallenden Wände ins Gadertal, auf die Felsenbänder und –falten der Dolomitenhänge und der Rundblick nun auch bis Ortler, Großvenediger, 3-Zinnen waren die Belohnung für den letzten Aufstieg in rutschigem Schotter. Nach dem sich lang hinziehenden weniger abwechslungsreichen Rückweg setzte die Ü60-Gruppe wieder in der Lavarellahütte den Schlusspunkt, wo auch bald Andreas Gruppe eintraf, die nach dem Heiligkreuzkofel noch zur Zehnerspitze gestiegen war, deren schwieriger Endanstieg von fünf Unentwegten gemeistert worden war.

Am vierten Tag trennten sich die Gruppen frühzeitig. Die Seniorengruppe wollte den Tag etwas ruhiger angehen lassen, Auf dem bequemen, relativ ebenen Dolomitenweg, der das Schauen und Erzählen ermöglichte, gelangten wir wieder zu einer kleinen Plattform mit Aussicht auf den wuchtigen Sellastock. Zur Mittagsrast siegen wir einen steilen, steinigen Weg hinab zur Capanna Alpina. Die 350 Höhenmeter mussten danach natürlich auch wieder schweißtreibend erklommen werden. .Auf dem Rückweg machten wir noch einmal Rast in der Großen-Fanes-Alm, wo wir auch einige aus der anderen Gruppe trafen. Diese hatte sich aufgeteilt. Einige hatten den Klettersteig Furca Rossa, andere die Tour zur Nördlichen Furca Rossa Spitze gemacht. Sechs waren anschließend vom Bivacco della Pace noch auf den Monte Casale und Monte Cavallo gestiegen.

Unser letzter Tag führte auch die Wandergruppe, mit Ausnahme von dreien, die sich zu einer gemütlichen Spaziertour aufgemacht hatten, über den Friedensweg zum Bivacco della Pace (2760m), einer kleinen sehr einfachen Selbstversorgerhütte mit Freilufttoilette. Hier in diesem Gebiet stießen wir überall auf Relikte, vor allem von Unterständen, aus dem ersten Weltkrieg, als sich hier Kaiserjäger und Alpini einen erbitterten Kampf im Banne der Tofana lieferten und viele junge Soldaten ihr Leben ließen. Ein Teil der Gruppe machte sich von dort auf den Rückweg, zwei reizte noch der Aufstieg zum Monte Casale und Monte Cavallo. Der Rückweg führte alle über eine beeindruckende karstige Landschaft, die Karren grün bewachsen, teils schon in bunter Herbstfärbung. In der Großen-Fanes-Alm trafen sich alle wieder zum Abschiedstrunk.

Auch die andere Gruppe hatte sich aufgeteilt. Nach dem Aufstieg zur Lavarella machte eine Dreiergruppe die Lavarellaüberschreitung, eine andere stieg noch auf den der Lavarella vor gelagerten Gipfel und absolvierte dann noch den Cunturines-Klettersteig. Auch für sie fand nach dieser langen Unternehmung der Abschluss auf der Großen-Fanes-Alm statt.

Am letzten Tag erwartete uns noch einmal ein schöner Weg durch die Dolomitenvegetation zum Parkplatz Pederü. Auch mehrere Staus auf der A8 konnten den guten Gesamteindruck unserer Unternehmung nicht beeinträchtigen: schönes Wetter, grandiose Ausblicke, nette Leute, eine gute Unterkunft – was will man eigentlich mehr? Dank an Ria und Andrea für wieder einmal eine wunderschöne, eindrucksvolle und harmonische Zeit.

Inge Wilhelms