Aus der eigentlich geplanten Tour in die Schweiz (Barhorn, Bishorn und der Klettersteig „Almenalp“) wurde leider nichts. Das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. In der ganzen Schweiz war schlechtes Wetter gemeldet.

Kurzfristig plante Wolfgang um und es ging an einem schönen Sonntagmorgen, 6 Uhr nach Österreich. Geplant war u. a. die Besteigung der Wildspitze (mit 3.772 Meter der zweithöchste Berg Österreichs) und des Fluchtkogels (3.499 Meter).

Nachdem sich Chrissi mit ihrem seltsamen Leopardenvlies geschickt ein Kissen bastelte und sich gleich auf dem Rücksitz in´s Schlummerland begab, machten wir uns auf zu einer ca. 5-stündigen aufreibenden Fahrt (Platzregen, unendliche Müdigkeit, Stau aufgrund eines Unfalls im Tunnel nähe Imst und damit verbundene Umleitungen…) und kamen dann endlich in dem Bergsteigerort Vent/Ötztal an. Von dort aus ging es bei durchwachsenem Wetter zur Breslauer Hütte (2.844 Meter).

Nach einer kurzen Nacht machten wir uns dann Richtung Wildspitze auf.  Anfangs gings über Geröll. Danach stiegen wir durch Schnee und Eis zum Mitterkarferner hoch. Auf dem Gletscher in ca. 3.200 Meter Höhe war dann das Anziehen des Klettergurts und der Steigeisen notwendig. Wir bildeten unter der Leitung von Wolfgang (Elli, Chrissi und Andreas) und Lothar (Corina, Carsten und Georg) zwei Seilschaften.

In einer steilen Eis-/Schneerinne stiegen wir dann Richtung Mitterkarjoch (3.475 Meter) hoch. Nach ca. der Hälfte der Rinne ging der Weg über einen zum Teil mit Schnee und Eis überzogenen hochalpinen Klettersteig (B/C) weiter.

Während Wolfgangs Gruppe den Klettersteig bevorzugte, versuchte Lothars Gruppe den Aufstieg über die steile 45°-Rinne,  was nach einer ziemlich anstrengenden Wühlerei durch den Schnee schließlich auch gelang. Auf dem Grat trafen beide Gruppen wieder zusammen.

Das Wetter war mittlerweile leider umgeschlagen. Es kam plötzlich sehr viel Nebel und man hatte nur noch eine Sicht von ca. 10 Meter. Bis zum Gipfel der Wildspitze waren noch gut 250 Höhenmeter zu überwinden. Aufgrund des schlechten Wetters, des Zeitdrucks und dem Hintergedanken noch 2-3 Stunden über spaltenreiches Gletschergelände steigen zu müssen entschieden wir uns über den Vernagt-Gletscher bis zur Vernagt-Hütte (2.755 Meter) abzusteigen und dort zu übernachten. Gesagt, getan. Nach einem leckeren Abendessen hofften wir den nächsten Tag auf besseres Wetter. Abends entschieden wir am nächsten Tag den Gipfel des Fluchtkogels (3.495 Meter) zu erklimmen.

Der Wettergott war uns gnädig, denn er bescherte uns am Folgetag bestes Wetter mit viel Sonne und klarer Luft. Zunächst ging es von der Vernagt-Hütte über einen Berggrat südwestwärts zur Moräne des Guslarferners. Von dort aus stiegen wir mit kompletter Gletscherausrüstung in ca. 2 Stunden hoch zum Winterjöchl (3.361 Meter).

Die Steigung war dabei eher mäßig und nahm erst zum Joch hin zu. Von dort aus hatten wir einen herrlichen Blick auf das Brandenburger Haus. Unser Ziel, nämlich der Gipfel des Fluchtkogels, war direkt vor uns. Nach einer weiteren dreiviertel Stunde Aufstieg über den aufsteilenden Südosthang („oberes Guslarjoch“) erreichten wir dann stolz das Gipfelkreuz. Von dort hatten wir eine sehr beeindruckende Aussicht auf die umliegenden Berge. Nach einer lustigen „Foto-Session“ (Stichwort „Selbstauslöser“) stiegen wir dann wieder mit dem Ziel, ein Mittagessen in der höchstgelegenen Berghütte des Deutschen Alpenvereins, nämlich dem Brandenburger Haus (3.277 Meter), einzunehmen, ab.

Nach einem sehr leckeren Kaiserschmarrn bzw. Suppe mit Würstl entschieden wir uns dann über den Ferner bis zur  „Hochjoch-Hospizhütte“ (2.413 Meter) weiter zu gehen und dort noch einmal zu übernachten. Das Wetter für die nächsten Tage war wieder mehr als schlecht gemeldet.

Nach 3,5 Stunden hatten wir dann unser heutiges Ziel erreicht. Das „Hochjoch-Hospiz“ entpuppte sich als Schlemmertempel.: Griessuppe an Speckstreifen mit frischen Kräutern, Wiener Schnitzel mit Kartoffelschnitzen und gemischtem Salat und abgerundet wurde das ganze mit Marillenstrudel im Vanillespiegel.

Nach einer sehr erholsamen Nacht und einem perfekten Frühstücksbuffet packten wir unsere sieben Sachen und wanderten dann am Rande einer sehr schönen Schlucht Richtung Vent zurück. Nach einem Zwischenstopp bei Kaffee und Kuchen in den Rofer Höfen kamen wir gegen 12 Uhr wieder an unsere Autos zurück und machten uns auf die Heimreise.

Trotz des oft schlechten Wetters und der frühen Abreise war es eine sehr schöne Tour bei der sich alle Teilnehmer wohlgefühlt haben.

Carsten Pfaffmann