Nachdem uns der Bahnstreik einen Strich durch die Rechnung machte, fuhren wir mit PKW´s von Landau nach Stühlingen zum „Parkplatz Schluchtensteig“. Ziel war die Begehung des Schluchtensteigs, einer der bekanntesten deutschen Fernwanderwege, der erst 2008 eröffnet wurde (Info: www.top-trails-of-germany.de). Dieser ist durchgehend gekennzeichnet mit der Schluchtensteig-Raute, dank der guten Markierung ist ein Verlaufen praktisch nicht möglich.

Alle Infos, auch über den aktuellen Streckenzustand, erhält man auf der Homepage www. schluchtensteig.de. Ganz besonders interessant ist ein Gepäcktransport und die kostenlose Nutzung von Bussen und Nahverkehrszügen im gesamten Schwarzwald mit der Konus-Gästekarte, die unterwegs täglich von jeder Unterkunft ausgestellt wird.

Auf dem Weg durchwandert man sieben Schluchten und Klammen, auf den 119 km des „Normalweges“ sind über 6000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg zu bewältigen.

Das Geheimnis, warum aus den geplanten 120m km des Schluchtensteigs bei manchen ganz eifrigen Wanderern 150 km wurden, wird nachfolgend aufgeklärt… .

Ehrgeizig und voll Freude starteten die 13 Wanderer am Startpunkt mitten in Stühlingen, um entlang der Wutach, am Weizener Steg vorbei (dort passierten wir ohne Zollkontrolle die Grenze zur Schweiz) und über bequeme Waldwege bis zur Museumsbahnhaltestelle Lausheim-Blumegg zu wandern.

Dann führte uns ein kleiner (!) Abstecher noch zur Burgruine Blumegg, deren wenigen Reste für uns trotz intensivster Suche sehr schwer zu finden waren und zum gleichnamigen Ortsteil von Stühlingen.

Der Weg führte die Gruppe anschließend weiter durch die Wutachtflühen (Flühen = Felsen), den unteren Teil der Wutachschlucht, wobei wir aufgrund der Regenfälle der Wochen zuvor die Schlechtwettervariante wählen mussten. Danach wurde der höchste Punkt des Tages, der Buchberg (880 m) passiert. Von dort aus war es nur ein Katzensprung zum Etappenziel, dem Hotel „Hirschen“ in Blumberg, in dem wir außergewöhnlich gut betreut und bewirtet wurden.

Der zweite Tag begann mit einem Leiternabstieg in die kleine Schlucht des Schleifenbachs, der in drei Kaskaden 20 m in die Tiefe stürzt. Beim Sägewerk Wutachmühle begann der Einstieg in die Wutachschlucht. Diese Schlucht mit ihrer teils urwaldartigen Vegetation und einem Pfad, der teilweise nur knapp über dem Wasserspiegel entlang der Felsen führt, haben uns genauso beeindruckt wie der Tanneggerwasserfall und der zusätzliche Abstecher in die ursprüngliche Gauchachschlucht, an deren Ende wir mit einer Einkehr in dem Wanderheim Burgmühle mit leckerster Linzer Torte belohnt wurden.

Ohne WhatsApp und SMS-Verbindung verbrachten wir den Abend und die Nacht einsam und verlassen in der Schattenmühle.

Der dritte Tag war nur 13 km lang und führte uns zum nördlichen Talrand der Wutach vorbei an den wenigen Resten des „Räuberschlössel“. Am Zusammenfluss der Haslach, der Wutach und der Gutach legten wir eine kleine Pause ein. Früh nachmittags waren wir in Lenzkirch in unserer Unterkunft, dem Hotel Schwörer. Ein Teil der Gruppe gelang dann noch die Besteigung des Hochfirst (1190 m hoch). Von diesem hatte man herrliche Tiefblicke auf den darunter liegenden Titisee und den Feldberg, der noch teilweise mit Schneeresten bedeckt war.

Am nächsten Tag stand uns die längste Etappe mit ca. 27 km bevor, die uns über den Geopark, der sich oberhalb von Lenzkirch befindet und das Schwendetal nach Oberfischbach führte. Bald ging´s dann zum Bildstein (1134 m), dem höchsten Aussichtspunkt des Schluchtensteigs. Es war ein wahrer Genuß von dort auf den Schluchsee zu schauen und zudem den Blick zum Feldberg bei bestem Wanderwetter zu genießen.

Nach einer Rast am Schluchsee führte uns die Tour wieder durch dichten Wald bergauf zum höchsten Punkt der Gesamtroute, dem Rastplatz am Krummenkreuz (1148 m). Nach dem Bergdorf Albhütte folgte der Abstieg ins Albtal, kurz vor dem Zielort St. Blasien wanderten wir durch die Bannwaldschlucht am Windbergbächle abwärts. Mitten im Zentrum im Domhotel St. Blasien war unser Tagesziel. Die Besichtigung des beeindruckenden Blasiusdoms, des ehemaligen Benediktinerklosters St. Blasien, der sich gegenüber dem Hotel befindet, ist ein Muß für jeden Besucher von St. Blasien.

Am fünften Tag der Wanderung trübte das Wetter etwas ein, von starken Regenfällen blieben wir jedoch verschont, nur ein kurzer Nieselregen zeigte uns, dass es auch im Schwarzwald regnen kann.

Gleich nach dem Frühstück begann bereits zum Beginn der Etappe der Aufstieg zum 1039 m hohen Lehenkopf. Am dortigen hölzernen Aussichtsturm vorbei (Aufstieg auf den Turm war natürlich ein Muß!) führte uns unser Weg auf den Dachsberg. Anschließend beginnt die offene Landschaft des Hotzenwaldes. Nach einer Pause auf dem Kreuzfelsen führte uns unser Weg am Ibacher Kreuz vorbei in die Hochwehraschlucht hinab, direkt zum Endpunkt des Tages im Hotel Wehrahof in Todtmoos. Am Nachmittag stand für einige Teilnehmer noch ein kleiner Stadtbummel mit der lohnenswerten Besichtigung der Wallfahrtskirche auf dem Programm. Den letzten Abend verbrachten wir bei bester Stimmung in einem Restaurant in der Nähe unseres Hotels.

Früh morgens starteten wir am letzten Tag, um durch die Wehraschlucht nach Wehr zu gelangen. Kurz vor dem Abschluss der Wandertour überquerten wir die Staumauer des Wehra-Stausees, der erstaunlich wenig Wasser führte und gelangten zum Ziel einer sehr interessanten und abwechslungsreichen Mehrtageswanderung, dem Schlosspark in Wehr.

Pünktlich wurde die sehr harmonische Wandergruppe mit dem kostenlosen Wanderbus in zweistündiger Fahrt zum Ausgangspunkt, dem Wanderparkplatz in Stühlingen gefahren.

Bericht: Stefan Eckert