Alb-Trauf-Wanderung

150 km in einer Woche und noch dazu mit Gepäck! Schaffen wir das in unserem Alter (65/75)? Mutig und neugierig wie wir mal sind, melden wir uns an.

Und das hat sich wahrhaftig gelohnt. Wir hatten eine wunderbare Woche. 5 Frauen und 4 Männer, ein lustiges Wanderteam, wir hatten fast nur Sonnenschein und haben herrliche Herbsteindrücke mitgenommen. Am Samstag, den 6. Oktober steigen um 12 Uhr in Bopfingen aus dem Zug, genau dort wo die Schwäbische Ost-Alb beginnt. Bopfingen ist beherrscht vom Ipf, einem kegelförmigen Rundberg aus frühkeltischer Zeit, den wir rechts liegen lassen. Unser Weg führt uns entlang der Abbruchkante der Schwäbischen Alb, also dem Albtrauf, vorbei am Schönen Stein nach Hülen bei Lauterheim zu unserem 1. Etappenziel. Schloss Kapfenburg grüßt von weitem. Wir ziehen aber weiter, weil der Pensions-Wirt für uns das schwäbische Nationalgericht Gericht vorbereitet hat: Spätzle mit Linsen und Saiten.(15 km, 300 Hm). Früh am nächsten Morgen gehen wir über den Römerhöhenweg, der ehemals Straßburg mit Regensburg verbunden hat, nach Oberkochen. Unterwegs passieren wir die idyllisch gelegene Kocherquelle. Jetzt ist wird’s spirituell: unser schwäbischer Wanderführer Thomas wird mit dem glasklaren Wasser der Kocher getauft. Aus einem Schwaben ist jetzt ein waschechter Schwabe geworden! Nach einer Kaffeepause in Unterkochen, erreichen wir unser Ziel nach 30 km und 550 Hm; das war die längste Strecke. Heute ist Montag und wir erkunden den Ursprung der Schwarzen Kocher. Sobald wir den Bodennebel durchbrochen haben, erreichen wir den 743 m hoch gelegenen Volkmarsberg. Ein herrlicher Platz zur Rast. Über die Ruine Rosenstein, wo wir wieder einen großartigen Fernblick genießen, machen wir uns auf nach Heubach, einem Ort am Rande des Remstals. Außer gutem Bier gibt es in Heubach noch die Fa. Triumph, die mit unserem Erscheinen den Umsatz im Sonderverkauf kräftig ankurbeln kann. Wir übernachten im Goldenen Hirsch, einer Brauerei mit Gasthof und lassen uns nach 22 km und 400 Hm ordentlich verwöhnen. Ein goldener Oktobertag wie aus dem Bilderbuch, führt uns am nächsten Tag über das Naturfreundehaus Himmelreich zum Bargauer Horn, einem schönen Aussichtspunkt umgeben von leuchtenden Laubwälder. Wir folgen immer dem mit rotem Dreieck gekennzeichnetem Fernwandweg Ostalb und oft werden wir von der blauen Pilgermuschel auf weißem Grund begleitet. Unser Höhenweg verläuft auf 750 m. Natürlich sind täglich Auf- und Abstiege im Wanderprogramm, weil die Abbruchkante von Ortschaften unterbrochen wird, die romantisch in der Talebene liegen. Unser heutiges Ziel ist Weißenstein bei Lauterstein nach 21 km und 550 Hm. Der Silberdistel-Wirt erwartet uns bereits mit selbst gebackenem Kuchen und verschenkt so viel Gastfreundlichkeit, dass wir uns sofort wohl fühlen. Im Ställe, einem urigen Biker-Treff, lassen wir den Tag ausklingen. Der nächste Tag beginnt mit leichtem Gepäck, steilem Anstieg am Fuße des privaten Märchenschlosses Weißenstein und überrascht uns mit etwas Wind und Regen. Jetzt haben wir Gelegenheit beim Anstieg auf den Hochberg und beim Abstieg nach Gingen an der Fils die raue Alb kennen zu lernen. Nach der Mittagspause laufen wir wieder bei Sonnenschein auf 700 m Höhe über die Wacholderheide und erreichen nach stolzen 27 km und 750 Hm das NFH Wasserberg. Unser freundlicher Silberdistel-Wirt und seine Frau holen uns dort in der Nähe ab. Drei von uns zufällig bei ihm im Auto Sitzenden zeigt dieser liebenswerte Wahlschwabe aus dem Kosovo seine Strickfabrik in Lauterheim. Ein wirklich interessantes technisches Intermezzo. Das gestrige Streckenende ist der Beginn von heute dank des organisierten Transfers. Der schwäbische Höhenweg wird bei fast 800 m auf der Boßlinger und dann auf der Härtlinger Steige fortgesetzt. Bei strahlendem Sonnenschein machen wir Mittagsrast auf dem NFH Boßler (leider geschlossen). Wir kommen an den Jahrhundertsteinen vorbei, die mit 100 Worten in Stein gehauene positive und negative Meilensteine des letzten Jahrhunderts erzählen. Einige lädierte Knie und Wehwehchen brauchen heute eine Erholungspause und nehmen deshalb den direkten Weg nach Neidlingen. Die Anderen gehen weiter direkt am Albtrauf entlang, erleben immer wieder fantastische Ausblicke und steigen bei der Ruine Reußenstein nach 25 km und 650 Hm nach Neidlingen ab. Am nächsten Tag geht es wieder steil bergauf zur sehr schön restaurierten Ruine Reußenstein, direkt gelegen an der Abbruchkante der schwäbischen Kalkfelsen, die im Tertiär im Jurameer lagen. Ein Panoramablick von 300 Grad lässt die Blicke über die sich in sanften Bögen schlängelnden Höhenzüge der vergangenen Tage gleiten. Unser heutiger Wanderweg führt durch den Bannwald, dem Urwald von morgen und öffnet den Blick auf viele Streuobstwiesen und die bewaldeten Höhenzüge. Die Mittagsrast findet zwischen Silberdisteln und Großen Mehlbeer-Bäumen statt mit direktem Blick auf den Breitenstein. Nach teilweise schwierigen Passagen erreichen wir nach 19 km und 700 Hm gegen 15.30 Uhr das Wanderheim auf Burg Teck. Ein genialer Rundblick vom dortigen Aussichtsturm macht uns die Schwäbische Alb unvergesslich. Wir genießen bei Sonnenuntergang den letzten Abend in der Burgschänke, bevor es am nächsten Morgen zur Heimreise nach Owen an den Bahnhof geht. Wir haben es alle geschafft und sind glücklich und stolz manche Strapazen gemeistert zu haben.

Ach ja, aus 150 km sind nun 164 km geworden mit 3900 Höhenmetern. Wir hätten uns wirklich nicht vorstellen können, in einer Woche die Strecke von fast 4 Marathonläufen zu bewältigen und das mit durchschnittlich 10 kg Gepäck. Da darf man wirklich stolz sein!