Die Sektionstour im Jahr 2018 führte die rund 45 Teilnehmer auf die Dresdner Hütte (2.308 m) in den Stubaier Alpen. Schon beim Aufstieg, ausgehend von der Mutterbergalm (1.740 m), zeigte sich das regnerische Alpenwetter von einer wenig freundlichen Seite.

Dieser Regen war nur ein Vorbote für die heranziehende Kaltfront, die uns in der ersten Nacht zwischen 20 und 40 cm Neuschnee brachte. Damit waren auch alle vorbereitenden Planungen der TourenführerInnen (in Ausbildung) zunächst Makulatur; es musste für den ersten Tourentag umgeplant werden!

So machten sich 9 Mitwanderer unter Führung von Meinrad, unterstützt durch die Azubis Judith und Petra, auf den Weg zum Mutterbergersee. Die Strecke ist Teil des Stubaier Höhenwegs. In den Köpfen steckte die Wegbeschreibung mit der Aussicht auf Panoramafotos und türkisgrünen Seen, die Wirklichkeit war eine verhangene Winterlandschaft mit leichten Orientierungsproblemen, etliche rote Markierungen waren gut unter der Schneedecke versteckt! Nach einem Anstieg von 200 m zum Warmlaufen ging es durch die Wilde Grube zur Mutterbergalm (1.900 m) abwärts, hiernach folgte ein bei Neuschnee und gefühlt weglosem Gelände ein knackiger Anstieg von 600 Höhenmeter zum Mutterberger See. So richtig einladend zum Baden waren die Bedingungen leider nicht, die Teilnehmer hatten eher kalte Füße. Über den Höhenweg ging es mit einer Gesamtgehzeit von ca. 6 Stunden zurück zur Dresdner Hütte.

Die siebenköpfige Gruppe von Carsten und Oliver versuchte auf den Hinteren Daunkopf (3.225 m) zu wandern. Schon kurz nach der Hütte merkten die Tourenführer, dass es nicht einfach werden würde. Probleme bereiteten zum einen dichter Nebel, sowie relativ hoher Schnee. Die Wanderwege waren teilweise nur zu erahnen und man musste aufpassen den richtigen Weg zu finden bzw. nicht von diesem abzukommen. Nach mühsamer Wegsuche kam die Gruppe an der Bergstation Eisgrat vorbei und arbeitete sich weiter in Richtung des Ziels vor. Leider wurde der Weg wesentlich steiler und anspruchsvoller. Gefrorene Schneereste und Eis auf sehr steilen Pfaden machten an diesem Tag ein Weiterkommen unmöglich, so dass die Tour an dieser Stelle abgebrochen werden musste. Diese Entscheidung erwies sich als richtig, da es auf dem Rückweg noch zu schneien und graupeln begann. Kurz vor der Hütte entschlossen sich die Tourenführer, noch den Hausberg der Dresdner Hütte, den Egesengipfel (2.635 m) zu erklimmen. Auch hier waren die Wanderer wohl die Ersten an diesem Tag, die zum Gipfel stiegen. Der Weg war komplett zugeschneit und die Wegfindung daher schwer. Nach etwa einer Stunde war der Gipfel erklommen. Der Rückweg war derselbe wie der Aufstieg und etwas leichter, allerdings durch den mittlerweile auch tauenden Schnee sehr rutschig. Über einen Alternativweg erreichten die Wanderer dann wohlbehalten die Hütte, wo warme Getränke warteten.

Bei den Hochtourengeher war glücklicherweise ein „Voraustrupp“ schon ein bis zwei Tage vor Beginn der Sektionstour angereist, um die Begehbarkeit der beabsichtigten Hochtouren zu erkunden. Es stellte sich dabei heraus, dass das Zuckerhütl und der Wilde Pfaff auf dem bisher üblichen Weg vom Fuß des Sulzenauferners nicht mehr begehbar waren. Der untere Teil des Ferners hatte sich in einen großen Eissee verwandelt, dessen Ablauf auch den von dort aus üblichem Weg zum Wilden Freiger verhinderte. Weiterhin war der gesamte Ferner bis zwei Tage vorher weitgehend ausgeapert und inzwischen mit einer nicht tragfähigen Neuschneeschicht bedeckt, die die Spalten teilweise verbarg.

Durch den Neuschnee war auch die Stubaier Wildspitze mit ihrem Felsaufbau (bis 3. Grad UIAA) nicht begehbar. Deshalb entschieden sich die Tourenführer (Christian, Frank, Fred, Harald, Joachim, Steffen und Wolfgang), am ersten Tourentag über die Station Eisgrat, den Schaufelferner und den Bildstöckelferner zum Bildstöckeljoch (3.116 m) zu gehen. Bei diesem Aufstieg begleitete uns ein kleiner Schneesturm, der ein wenig „Abenteuer-Feeling“ aufkommen ließ. Nach einer Pause stiegen wir zur gut bewirtschafteten Hildesheimer Hütte (2.899 m) ab. Nach dortiger ausgiebiger Mittagspause ging es denselben Weg zurück zur Dresdner Hütte.

Für viele Teilnehmer war es an diesem Tag die erste Winterwanderung in einem alpinen Umfeld; und das im August! Trotz Sichtbehinderung hatte diese Wintertouren ihren eigenen Reiz! Der Kontrast zum Morgen des zweiten Tourentages hätte kaum größer sein können. Dieser Tag versprach sehr sonnig und schön zu werden, so dass sich die Tourenführer am Vorabend entschieden, längere und anspruchsvollere Touren in Angriff zu nehmen.

Ein strahlender Morgen trieb Meinrad, Judith und Petra mit ihrer Gruppe ins Freie auf die Berge. Der Beginn mit dem Anstieg zum Peiljoch (2.676 m) war schweißtreibend, aber seine Mühe wert. Mit Erreichen des Jochs – begrüßt von hunderten Steinmanderln – öffnete sich ein gigantisches Panorama zum Sulzenauferner, gekrönt von den Gipfeln des Zuckerhütls und des Wilden Pfaff. Weiter zog es die Gruppe nun bergab zur Sulzenauhütte (2.196 m), dort wurden wir auf den Sonnenterrasse mit allen Köstlichkeiten Tirols verwöhnt – und die Pause kosteten wir entsprechend aus! Den Rückweg nahmen wir über den Wilde Wasser – Weg, seinen Namen hat der Gletscherabfluss zu Recht, er hatte nämlich einfach eine Stahlbrücke weggerissen, die Reste waren noch zu bestaunen. An Wasserfällen vorbei gelangten wir zum Gletschersee, der durch große Eisberge faszinierte. Auch hier ließen wir uns zu einer ausgiebigen Rast verleiten. Doch dann stand für die Rückkehr der erneute Anstieg zum Peiljoch an, von dort konnten wir die ganze „Schönheit“ des Skigebietes genießen – glücklicherweise durch den Neuschnee gemildert. Nach einer Gesamtgehzeit von ca. 6,5 Stunden erreichte die Gruppe den Stützpunkt Dresdner Hütte.

Geplant war von Carsten und Oliver mit ihren sieben Mitstreitern eine alpine Wanderung über den Egesengrat und den Stubaier Höhenweg zur Schafspitze. Sie starteten recht früh am Morgen. Auch hier auf dem Stubaier Höheweg traf die Gruppe trotz der immensen Sonneneinstrahlung auf alte Schneefelder, die zum Teil auch noch vereist waren. Es musste teilweise in steilem Gelände gespurt werden um den Weg weiter begehen zu können. Nach über fünf Stunden erreichten sie dann endlich ihr Ziel, die Schafspitze (2.661 m). Nach einer ausgiebigen Pause und Mittagessen machten sie sich wieder auf den Rückweg. Die Temperatur wurde immer wärmer und bald waren die Trinkvorräte aufgebraucht. Wir hofften, gegen 17 Uhr wieder auf der Hütte zu sein, was uns auch gelang. Es war an diesem Tag eine 10-stündige Wandertour mit vielen Höhenmetern, die den Teilnehmern einiges abverlangte.

Am zweiten Tourentag der Bergsteiger ging es mit den Tourenführern Christian, Frank, Steffen und Wolfgang in Richtung Hinterer Daunkopf (3.225 m). Nach zunächst moderatem Anstieg zum dortigen blockigen Felsaufbau, forderte dieser von uns allen, wegen der Neuschneeauflage, ein hohes Maß an Trittsicherheit bei Auf- und Abstieg. Doch die war gegeben, sodass wir alle gesund und munter zurückkehrten. Einige machten noch einen Abstecher auf den Egesengrat (2.635 m), dem „Hausberg“ der Dresdner Hütte.

An diesem Tag gab es auch eine Klettergruppe unter der Leitung von Fred, Harald und Joachim. Diese widmeten sich den Routen im nahe gelegenen Sportkletterpark Fernau und der Begehung des Fernau – Klettersteigs.

Die Kontraste der Wetterlage machten die Touren zu eindrucksvollen Erlebnissen, auch wenn einige Touren nicht wie ursprünglich geplant durchgeführt werden konnten. Das gute Wetter am Tag der Abreise nutzten noch einige Unentwegte für private Klettereien im Sportkletterpark Fernau, bevor auch sie – ebenso wie alle anderen TeilnehmerInnen – wieder gesund zur Mutterbergalm zurückkamen.

Für die Sektionstour 2019 hat die Tourenführerschaft gemeinsam die Marteller Hütte (2.610 m) ausgesucht. Umgeben von 15 Dreitausendern thront diese Hütte hoch in der südlichen Ortlergruppe über dem Talschluss von Martell. Berg- und Naturfreunde schätzen das Martelltal als eines der urwüchsigsten Hochgebirgstäler Südtirols. Angeboten werden Bergwanderungen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, Hochtouren und Klettern. Wir freuen uns auf Eure Teilnahme vom 24. bis zum 27. August 2019.

Bericht: Wolfgang Brunke, Frank Klein, Carsten Pfaffmann & Meinrad Rapp