Insgesamt 39 Wanderer und Hochtourengeher hatten sich für die diesjährige Sektionstour ins Ötztal angemeldet, nachdem wir unweit von Vent bereits 2012 von der Hochjochhospizhütte aus sehr schöne Touren unternehmen konnten.

Nach einer kleinen, bergrutschbedingten „Umleitung“ konnten die Teilnehmer nach ca. 2,5 bis 3 Stunden die südwestlich von Vent liegende, nur wenige Kilometer vom Alpenhauptkamm entfernte und auf 2.501 m gelegene Hütte (Tel. (0043) 5254/8130, E-Mail: info@hotel-vent.de, www.dav-berlin.de, ca. 125 Übernachtungsplätze) er-reichen.

Die Teilnehmer konnten sich bereits vor der Tour dank vieler Tourenmöglichkeiten auf eine interessante Sektionstour freuen. Oftmals wurde sich die Frage gestellt, welche Gipfel denn bestiegen werden, Hintere Schwärze (3.628 m), Similaun (3.606 m), Fineilspitze (3.516 m), die Marzellspitzen (3.530 – 3.555 m), Hauslabkogel (3.403 m), Kreuzspitze (3.457 m), oder Saykogel, die Auswahl war riesengroß und bot im Vorfeld jede Menge Gesprächsstoff.

Dadurch, dass die Martin-Busch-Hütte am Fernwanderweg E 5 Oberstdorf-Meran liegt, war diese jeden Abend (auch montags!) vollständig ausgebucht.

Trotzdem sorgte Hüttenwirtin Melanie mit ihrer Familie und einem gut organisierten Team für die reibungslose Versorgung der stets über 100 Gäste. Das Gros unserer Truppe war in einer eigenen Stube untergebracht. Die Verpflegung war sehr gut, niemand musste nach dem Genuss der Halbpension hungrig ins Bett bzw. Lager gehen.

Am ersten Wandertag war das Wetter stabil, am zweiten Tourentag, dem Montag, hatte der Wettergott anfangs kein Einsehen mit uns, bis ca. 11.00 Uhr regnete es…

Die folgenden Berichte erinnern an eine harmonische Sektionstour, die allen Beteiligten, darunter auch als Gast unser 3000stes Mitglied, in schöner Erinnerung bleiben wird. Dabei konnten diese alle Wetterlagen erleben, im Wechsel konnten wir Schneefall, Regen, starker Wind aber auch sonniges Wetter genießen…

Stefan Eckert

 

Sonntag 04.09.2016

Wanderung zur Kreuzspitze 3.457 m

Auf der Grundlage eines kräftigen Frühstücks machen sich um 8 Uhr unter der Leitung von Thomas Förster und Meinrad Rapp 8 hochmotivierte Wanderer auf den Weg zum Hausberg der Martin-Busch-Hütte, der Kreuzspitze. Bei schönstem Bergwetter steigen wir zügig, ausgehend von der 2.501 m hoch gelegenen Hütte, über Weidegebiet immer himmelwärts. Auf halber Strecke passieren wir Blockgelände, bei Trockenheit stellt dies jedoch keine höheren Anforderungen. Nach knapp 3 Stunden ist dann der immerhin 3.457 m hohe Gipfel erreicht.

Bei idealen Bedingungen bietet sich uns ein überwältigendes 360° Grad-Panorama, die Wildspitze und der Similaun sind die bekanntesten Vertreter der umgebenden Berge. Gleichzeitig können wir doch noch mächtige Gletscherwelten bestaunen.

Nach einer gemütlichen Pause geht es auf gleichem Weg wieder zurück in unser Basislager, Sauerstoffgaben sind nicht nötig, ein kühles Bier genügt vollauf zum Wohlbefinden. Und für weitere ist noch genügend Zeit…..

Meinrad Rapp

 

Wanderung zur Ötzi-Fundstelle und Similaunhütte

Bei schönstem, wolkenlosem Bergwetter hat sich eine 8-köpfige Wandergruppe unter der Führung von Carsten und Stefan die Ötzifundstelle am Tisenjoch (3.210 m) zum Ziel gesetzt.

Fast genau auf den Tag vor 25 Jahren wurde dort der aus der Kupfersteinzeit stammende Eismann „Ötzi“ gefunden. Das Alter der dort gefundenen Mumie beträgt ca. 5.250 Jahre.

Die Gruppe folgt der Beschilderung „Similaunhütte“ ins Niedertal dann über Serpentinen und einem Moränenrücken immer leicht ansteigend bis zur Abzweigung Ötzifundstelle und durch ein weites Hochtal nach Westen aufwärts. Dabei müssen auch kleine Schneefelder überwunden werden um danach das Denkmal an der Ötzifundstelle (Gehzeit ca. 2 Stunden) bewundern zu können.

Dort nutzen die Bergwanderer auch die Gelegenheit für eine Rast auf der Grenze zwischen Ötztal und Schnalstal, bevor der Weg zur Similaunhütte (3.019 m, ca. 1 Stunde), mit dem kurz vor der Hütte teilweise seilversicherten Grat, von der Gruppe in Angriff genommen werden konnte. Dieser Weg ist nur schwindelfreien und trittsicheren Bergwanderern und nur bei guten Wetterverhältnissen zu empfehlen!

Nach dem Queren der Grenze zu Italien und wieder zurück ist der direkte Abstieg zur Martin-Busch-Hütte mit einer Gehzeit von ca. 1,5 Stunden locker zu bewältigen.

Die schöne Wanderung hatte mit der Besichtigung der Ötzi-Fundstelle und dem Übergang zur Similaunhütte ganz besondere Reize.

Stefan Eckert

 

Hochtour Fineilspitze 3.514 m und Frozen Fritz

Es ist Sonntag, der 4. September 2016, etwa 9:30 Uhr. 18 Teilnehmer der Sektionstour des DAV Landau stehen in 3.200 Metern Höhe „ehrfürchtig“ vor dem Steindenkmal nicht weit von der Fundstelle der Gletschermumie „Ötzi“ oder „Frozen Fritz“ wie die Engländer ihn nennen. Kurz vor 7:00 Uhr sind wir von der Martin Busch Hütte aufgebrochen und meist im Schatten des gegenüberliegenden Marzellkamms aufgestiegen. Das Tempo unter Führung von Wolfgang war angemessen. Nun sind wir endlich in der Sonne, die hier angenehm wärmt.

Meine neuen Bergschuhe haben sich bislang bewährt, sie drücken kaum. Mit solch einer Ausrüstung geht doch alles viel leichter, als es Ötzi vor etwa 5.300 Jahren hatte. Sollte man meinen. In den nahezu 25 Jahren Ötzi-Forschung seit 1991 hat man aber Bemerkenswertes entdeckt. Unter anderem waren seine Schuhe aufwendig gefertigt. Der Schaft aus Rindsleder, die Sohle aus Bärenfell und alles mit Tiersehnen sorgfältig vernäht. Das Innenfutter bestand aus Heu, das von einem Netz gehalten wurde. Hört sich auch nicht nach Druckstellen an.

Zumindest müssen wir aber heute nicht mit herumfliegenden Pfeilen rechnen: „Mach`s gut alter Bergkumpel“.

Wir folgen dem Weg zum Hauslabjoch. Hier ziehen wir die Steigeisen an und nehmen den Eispickel in die Hand, um über einen kurzen flachen Eisrücken hinüber zum Nordostgrad zu gelangen. Am Fuße richten wir ein Depot ein. Mit leichtem Gepäck klettern wir auf festem Fels teilweise etwas ausgesetzt über den wunderschönen Grad zum Gipfelkreuz auf 3.514 m. Wir werden bei blauem Himmel mit einer grandiosen Rundumsicht belohnt. Aber es ist etwas eng hier oben. Nicht ausreichend Platz für 18 Leute.

Beim Abstieg verirren wir uns kurz auf den Ostgrad, der im Vergleich brüchig erscheint und Passagen mit rutschigem Schutt aufweist. Wir wechseln noch hoch oben quer rüber zurück zum Nordostgrad, und klettern ab zum Depot. Für viele von uns war dies eine begeisternde schöne Kletterei, das Highlight des Tages. Nur gut, dass wir die Gletscherausrüstung dabei hatten. Ohne wäre der Aufstieg nur über den schuttigen Ostgrad möglich gewesen. Dank an die Tourenführer Gerhard und Wolfgang: Alles richtig gemacht!

Zurück folgen wir zunächst der Aufstiegsspur bis zum Ötzi-Denkmal, dann dem Grenzpfad Richtung Niederjoch und Similaunhütte. Was so nah und einfach erschien, entpuppt sich jedoch als kleine Herausforderung mit Kletterpassagen und ständigem Auf- und Ab. Am Ende drücken meine Schuhe jetzt doch und ich bin froh als wir die Similaunhütte erreichen. Die privat geführte Hütte auf südtiroler Seite wenige Meter entfernt vom verfallenen Grenzposten hat eine exzellente Küche. Bei Bier und Kaiserschmarren genießen wir die Nachmittagssonne mit Blick auf den Similaun. Nicht zu erahnen, dass wir hier am nächsten Morgen in einen heftigen Schneesturm kommen würden. Aber das erzählt ein anderer Tourenbericht von dieser Sektionstour.

Beim Abstieg zurück zur Martin-Busch-Hütte durch das Niedertal begegnen uns Heerscharen von E5-Wanderern, die von Oberstdorf nach Meran den beliebten Abzweig über den Similaun machen. Übertroffen wird die Anzahl nur von den vielen bunt markierten südtiroler Schafen, die hier in Österreich ihr Weiderecht nutzen. Etwa 3.500 Schafe werden im Juni über den Alpenhauptkamm getrieben und im September zurück nach Südtirol. Es gilt als belegt, dass diese Tradition bereits 6.000 Jahre zurückreicht und auch der Fund des Ötzi damit im Zusammenhang stehen dürfte. Das Weiderecht für die Schnalstaler auf den Almen des Rofenbergs ist in Dokumenten aus dem 14. und 15. Jahrhundert bestätigt und wird inzwischen als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt.

Den Tourenführern Dank für diesen wunderschönen Tag.

Gerd Löhr

 

Montag 05.09.2016

Wanderung zur Kreuzspitze 3.457 m

Am zweiten Wandertag der Sektionstour plant eine Gruppe mit insgesamt 14 Personen die Besteigung der Kreuzspitze, mit 3.455 m, einer der höchsten Ostalpengipfel ohne Gletscherbegehung.

Doch starker Regen, der in höheren Lagen in Schnee übergeht, scheint eine Besteigung des Berges unmöglich zu machen. Entsprechend niedergeschlagen ist die Stimmung in der Gruppe. Als jedoch kurz nach 11.00 Uhr das Regenwetter aufhört und der Himmel aufreißt sind die Bergwanderer nicht mehr zu halten.

Schon um 11.30 Uhr stehen alle fertig angezogen und voll motiviert vor der Martin-Busch-Hütte um die 954 Höhenmeter in Angriff zu nehmen

Direkt vor der Hütte führt der Wegweiser die Gruppe nordwestlich über Bergwiesen und nach kurzer Zeit bereits steiler und steiniger nach oben. Anschließend flacht das Gelände ab, die Sicht wird frei auf zwei kleine Bergseen. Nach dem Erreichen einer Hochfläche „Auf den Sömen“ (2.900 m) wird die Ruine der einstigen Brizzi-Hütte, oberhalb des gleichnamigen Sees, passiert.

Anschließend nimmt die Steilheit wieder zu, der Weg folgt, leicht schneebedeckt, auf einen Sattel (3.340 m) und von dort auf steilem aber einfachen Weg nach drei Stunden Aufstieg zum Gipfelkreuz. Auf dem letzten Wegstück ist frisch gefallenen Schnee höchste Vorsicht geboten!

Nach dem Genuss der wunderschönen Gipfelaussicht erfolgt der Rückweg auf gleichem Weg innerhalb von zwei Stunden!

Die Freude in der Gruppe nach dem Wetterumschwung und dem Erreichen des Gipfels ist groß, entsprechend gut gelaunt erreichen wir nach insgesamt 5 Stunden Gehzeit wieder die Martin-Busch-Hütte .

Stefan Eckert

 

Wanderung zur Similaunhütte und Ötzi-Fundstelle

Der Morgen des darauffolgenden Tages hat deutliche Anlaufschwierigkeiten. In der Nacht hat es durchgehend geregnet, die Schneefallgrenze liegt bei 2.700 m. Kein wirklich schönes Wetter, um auf den Berg zu gehen. So verschiebt sich die avisierte Abmarschzeit im Stundenrhythmus nach hinten. Dafür gibt es Gelegenheit, in der jetzt nicht mehr gerammelt vollen Hütte Skat zu spielen.

Aber durch Aufgeben hat noch niemand gewonnen! Gegen 11 Uhr findet ein kleines Wunder statt, der Himmel wird heller, der Regen scheint eine Pause einlegen zu wollen.

So entschließt sich die gleiche Gruppierung wie am Vortag Richtung Similaunhütte aufzubrechen, notfalls könnte man dort einkehren und das weitere Tagesgeschehen bei einem berüchtigt guten Kaiserschmarrn abwarten.

Aber oh Wunder, das Wetter wird immer besser, der kräftige Wind treibt keinen Regen mehr heran, sondern verjagt die Wolken!

Auf 3.000m Höhe haben wir nicht nur die Similaunhütte erreicht, sondern auch die Grenze nach Südtirol überschritten. Jetzt zeigen sich sogar die Dolomiten und der Ortler!

Die Wirtsleute der Similaunhütte bescheren uns eine angenehme Mittagspause.

Jetzt kann sogar die Überschreitung des Grates in Angriff genommen werden, ausgesetzte Stellen sind gut seilversichert, kurze Abschnitte sind noch vereist – halt aufpassen!

Immer wieder bieten sich herrliche Ausblicke Richtung Süden. Nach 1,5 Stunden ist die Ötzi- Fundstelle erreicht – allerdings ohne neue Mumie. Über Schneefelder und gute Pfade geht’s zurück zur Martin-Busch-Hütte, trotz spätem Aufbruch sind wir rechtzeitig zum Abendessen vor Ort.

Meinrad Rapp

 

Hochtour Similaun

Teilnehmer: Werner, Gerhard, Gerd, Christian, Ralf, Daniel

Nach dem sehr erfolgreichen Vortag, der uns unter anderem bei bestem Wetter auf die Fineilspitze geleitete, lautet das heutige Etappenziel: Gipfel des Similaun.

Aufgestanden um 05:30 Uhr und gefrühstückt um 06:00 Uhr, ist unsere kleine Gruppe, für den Abmarsch bereit. Nach erster Konfrontation mit dem heutigen Wetter und durchdachtem Überlegen, nun doch die Regenhosen anzuziehen, geht es um 06:50 Uhr endlich los.

Als erster Wegpunkt wird die Similaunhütte auf ca. 3.000 m angepeilt. Auf den ersten 90 min wird das Wetter mit zunehmenden Höhenmetern schlechter denn je, und der anfängliche Nieselregen verwandelt sich zunehmends in Schnee. Doch ist uns wenigstens der Rückenwind gesonnen. Angekommen auf der Similaunhütte, heißt es nun erst einmal Hüftgurt, Helm und Pickel anlegen. Nachdem dies erledigt ist, und wir von Besuchern der Hütte als verrückt erklärt wurden, uns aber zugleich Respekt und Bewunderung zugeworfen wurde, nachdem wir Similaun (in Anbetracht der Wetterlage) verlauten ließen, ging es nun los.

Aus der Hütte heraus, werden wir direkt von der wetterlichen Willkür der Alpen erfasst. Unseren beiden Bergführern folgend, heißt es nun Aufstieg über den Grat zum Gletscher des Similaunes. Die Wetterlage spitzt sich zunehmends zu. Der Wind weht teilweise so heftig, dass Konversation nur noch lautstark betrieben werden kann, da man sein eigenes Wort kaum noch versteht. Die Felsblöcke werden immer mehr mit Schnee bedeckt, sodass ein Unterscheiden derer kaum mehr möglich ist, was das Vorankommen sehr erschwert. Auf einer Höhe von ca. 3.250 m entscheidet unser Bergführer umzudrehen, und den Rückweg einzuschlagen.

Bedauerlicherweise leisten wir Folge und nehmen den Abstieg zur Similaunhütte in Angriff. Dieser gestaltet sich als noch viel komplexer, da eine Wetterbesserung nicht in Sicht ist. Teilweise kommen so starke Windböen auf, dass Christian die Kontaktlinse aus dem Auge gefegt wird. Während dieses abenteuerlichen Abstieges werde ich zudem belehrt, dass nicht nur Vögel fliegen können, sondern auch Bergführer, wie unser Gerhard Werling.

Angekommen auf der Similaunhütte, verweilen wir im Gastraum und warten ab, ob ein späterer Aufstieg, nach besserer Wetterlage, noch möglich wäre. Doch dieser Zug war leider abgefahren. So fassen wir den endgültigen Entschluss, wieder zur Martin-Busch-Hütte abzusteigen und den heutigen Tag zu beenden.

Daniel Glaser