Hochjochhospiz, Ötztal/ Österreich vom Samstag, 08. bis Dienstag, 11. September 2012

Da im Vorjahr die Hochtourengeher etwas vernachlässigt wurden, wurde für die diesjährige Tour beschlossen, wie in den Vorjahren, eine gemischte Tour anzubieten. Auch wurde die Organisation geändert. Bisher hatte dies der erste bzw. der zweite Vorstand inne. In diesem Jahr wurde die Organisation dem Schatzmeister der Sektion, Hans Gemar, übertragen, der ja in dieser Hinsicht bereits reichlich Erfahrung mit seinem Skiclub gesammelt hatte.

Bei der Sektionstour waren in diesem Jahr insgesamt 35 Teilnehmer dabei, einige waren sogar aufgrund der guten Wetters bereits einige Tage vorher in das Gebiet gereist, um da schon Touren zu unternehmen. Die anderen kamen dann versetzt auf der Hütte an, ja nachdem wie sie von zuhause weggefahren sind. Die frühen Fahrer hatten keinen Stau auf der Autobahn und waren sogar schon zum Mittag auf der Hütte, der Rest kam dann erst gegen Abend an. Aber alle bekamen noch ein Bett für die Nacht. Gerhard, der bei den Frühen war, ging sogar mit seiner Fahrgemeinschaft noch zur Ausbildung an den Fels.

Die Hütte war an diesem Wochenende, aufgrund des Schaftriebs ins Schnalstal, bis auf den letzten Platz ausgebucht, die Schäfer hatten sogar noch das Winterquartier belegt. Nach dem Abendessen stellten dann die Führer ihre Touren für den nächsten Tag vor. Erstmals hatten die Hochtourengeher ein gemeinsames Ziel, allerdings in mehreren Seilschaften. Die Wanderleiter boten am ersten Tag zwei Touren an. Wegen der Schafe musste die eine Gruppe der Wanderer etwas warten bis es weiterging, die Schafe hatten an diesem Tag das Vorrecht. Die andere Wandergruppe beobachtete dieses von oben herab, weil sie ja eine andere Tour gewählt hatten. Die Hochtourengeher, die etwas früher daran waren, hatten Glück, sie waren vor den Schafen unterwegs. Aber alle drei Gruppen kamen wohlbehalten wieder zur Hütte zurück und genossen noch teilweise den Sonnenschein auf der Terrasse.

Am nächsten Tag wurde dann die Mannschaft der Hochtourengeher etwas größer, es wurde eine vierte Seilschaft, nur Frauen, ins Leben gerufen. Gerhard versprach, alle Hochtourengeher auf den Gipfel zu bringen, und dies ist ihm unter Mithilfe der anderen Tourenführer, auch gelungen. Auch an diesem Tag war eine herrliche Sicht, Sonnenschein, allerdings trübte es dann am Nachmittag etwas ein, aber das Wetter hielt. An diesem Abend gab es natürlich nur glückliche Gesichter unter den Teilnehmern, denn auch die Wanderer hatten eine wunderschöne Tour. Man hatte sich nach dem Essen genügend zu erzählen. Alle, auch die alten Hasen, sprachen von einer der besten Sektionstouren, die jemals stattgefunden hatten, denn alles passte diesmal. Tolles Wetter, ein super, super Hüttenteam, das uns wirklich alle Wünsche erfüllte, uns mit gutem Essen verwöhnte, sogar ein Seil für die zusätzliche Seilschaft auslieh, große Zimmer und Lager, sogar eine Dusche, was will man mehr…. Der Organisator bedankte sich dann auch an diesem Abend speziell nochmals beim Hüttenwirt und auch bei den Tourenführern, ohne die ja eine solche Tour nicht möglich wäre. Ein Dank galt auch den Teilnehmern, die an den Abenden jeweils bunt gemischt, zusammensaßen. Schade nur, dass bei so vielen Mitgliedern nur 35 dieses genießen wollten. Auch die Geschichte mit den Schafen wird wohl für alle in bleibender Erinnerung bleiben. Am nächsten Tag ging es dann nach dem Frühstück wieder ins Tal und die einzelnen Gruppen fuhren wieder, mit vielen frischen Eindrücken, in die Heimat zurück.

Hans Gemar

Nachfolgend einige Tourenberichte:

Besteigung des Saykogel (3.360 m) am So. 09.09.2012

Um 7.30 Uhr machte sich eine Gruppe von 9 Wanderern unter Führung von Carsten und Stefan auf den Weg in Richtung Saykogel. Zunächst ging es 120 Hm hinab zum Bach, den wir über eine Brücke überqueren wollten. Doch was war hier los? Mehrere Schäfer schrieen uns an, dass wir den Weg verlassen und stehen bleiben sollen. Unzählige Schafe passierten nacheinander die Brücke.

Nun erinnerten wir uns, dass heute der jährliche Schafübertrieb vom Hochjoch-Hospiz über Schöne Aussicht nach Kurzras im Schnalstal stattfindet. Die Südtiroler Bauern hatten im Jahre 1415 einen Weiderechtsvertrag mit den Bauern von Vent abgeschlossen, da sie zu wenige eigene Weideflächen hatten. Dieser Vertrag enthält das Weiderecht im Ötztal von Mitte Juni bis Mitte September.

Also warteten wir geduldig 45 Minuten, bis alle 1.500 Schafe die Brücke passiert hatten. Danach folgten wir ein Stück der riesigen Schafherde – ein besonderes Erlebnis für uns alle – bevor wir links hinauf in Richtung Saykogel stiegen.

Weiter oben trafen wir auf Christina, die am Grat saß, die Aussicht genoss und auf uns wartete. War sie nicht heute Morgen in Richtung Fineilspitze gestartet?

Nun deponierten wir unsere Stöcke, da uns der weitere Weg stellenweise sehr ausgesetzt über Blöcke – in leichter „Kraxelei“ – zum Gipfel führte. Den Gipfel erreichten wir um 11.40 Uhr. Hier wurden wir durch einen grandiosen Rundblick bei einem völlig wolkenlosen Himmel belohnt. Insbesondere hatten wir einen schönen Blick auf die benachbarte Fineilspitze und konnten dort unsere Kameraden mit dem Fernglas beobachten.

Der Abstieg erfolgte über den gleichen Weg zum Hochjoch-Hospitz, das wir diesmal ohne „Stau durch Schafübertrieb“ erreichten.

Barbara Merdian

Hochtour auf die Fineilspitze (3.514 m) am So., 09.09.2012

Mit dem kurzen Appell „in drei Minuten im Trockenraum“ zitierte Gerhard Werling seine Schäfchen am Vorabend in eine muffig-riechende Kammer. Militärisch wirkende Aufforderungen zum Equipment, Frühstücks-und Abmarschzeit wurden von den 15 Alpinisten dann aber am nächsten Morgen korrekt umgesetzt: „es musch halt Alles seine Rischtigkeit haben“ …

Route: Hochjochhospiz (2.413) – Hochjochferner – Fineilspitze (3.514 m) – Abstieg über die gleiche Route mit Abstecher zum Ötzi-Denkmal; Höhenmeter ca.1400 m; Gehzeit ca. 8 h.

Nach ca. 2 Stunden Aufstieg auf markiertem Wanderweg Richtung Saykogel teilten wir uns in drei Seilschaften. Wir liefen auf der Westseite des Hochjochferner-Gletschers und waren permanent auf Sichtweite zueinander. Die kompetenten FÜ-Leiter Gerhard Werling und Wolfgang Brunke sowie Lothar Cron führten uns professionell. Der Hochjochferner zeigte sich recht aper. Wenige auffällige Spalten zwangen uns nur zu kleineren Sprüngen. Trotz des wolkenlosen Himmels blieben bei den meisten Gehern die Jacken bis zum Hauslabjoch an. Wir passierten das Joch Richtung Norden und erreichten die eisfreie Fineil-Zone über dem kleinen See. Dort deponierten wir Steigeisen und weiteres Überflüssiges zum Gipfel-Sturm. Der Aufstieg über den Ostgrat war selten ausgesetzt; Niemand hatte dabei Schwierigkeiten, aber Jeder war bei dieser Blockkletterei hoch konzentriert (Schwierigkeit bis UIAA-Grad 2).

Am Gipfelkreuz gab es auf wenigen Quadratmetern ausschließlich strahlende Gesichter. Die Rundum-Sicht auf die majestätischen Ötztaler-Gipfel war sagenhaft. Unsere jungen Bergfreunde, die das erste Mal dabei waren, staunten über die neu-erlebte Bergwelt und über sich selbst, denn sie hatten verblüffend gute Kondition und Coolness bewiesen. Auch die etwas älteren Semester standen „ihren Mann“ und spielten ihre Erfahrung aus.

Kondition und Wetter ließen beim Abstieg einen Abstecher zur Ötzi-Fundstelle am Tisenjoch zu. Die Gletscheroberfläche war dann zum Nachmittag recht sulzig und unspektakulär. Nach 16 Uhr trudelten die Gipfelstürmer am Hochjochhospiz ein. Am Abend hieß es dann wieder: „in drei Minuten im Trockenraum“, weil ein weiteres Highlight für Montag auf dem Plan stand.

FRED (Manfred Gosert)

Wanderung über „Mittlere Guslarspitze“ (3.128 m) zur Vernagthütte am So., 09.09.2012

Am ersten Tag der Sektionstour 2012 hatten Andi, Hans, Elli, Jonas und Steffen, geführt von Andrea, die „Mittlere Guslarspitze“ (3128 m) als Ziel. Auf halben Weg konnten wir einer Murmeltierfamilie zuschauen, die in der Nähe des Weges ihren Bau hatte.

Nach ca. 2 Stunden Aufstieg erreichten wir den Gipfel. Uns erwartete ein beeindruckendes Panorama auf die umliegenden Berge, wie die Weißkugel (3729m), die Kesselwandspitze (3414 m), die Wildspitze (3774 m) und viele andere.

Nach einer ausgiebigen Rast brachen wir in Richtung Norden zur Vernagthütte auf. Nach ca. 1 Stunde Abstieg über steiniges Gelände erreichten wir gegen Mittag die Hütte. Bei einem leckeren Mittagessen genossen wir windgeschützt im Sonnenschein die wunderbare Bergkulisse.

Den Rückweg traten wir in zwei Gruppen an. Die eine Gruppe wählte den direkten Weg zurück zum Hochjochhospiz, die andere Gruppe ging eine größere Schleife zurück und stieg über das Rofental zum Hochjochhospiz auf.

Zurück auf dem Hochjochhospiz genossen wir den letzten Sonnenschein dieses Tages und tauschten das Erlebte und die Eindrücke mit den anderen Gruppen unserer Sektion aus.

Steffen Einspänner

Hochtour auf den Fluchtkogel (3.500 m), Mo., 10.09.2012

Bei absolut klarer Luft, Windstille und angenehmer Temperatur starten wir 18 Bergsteiger pünktlich um 7 Uhr morgens vom Hochjochhospiz, 2.412 m. Unser Ziel ist der Fluchtkogel, von dessen schneebedecktem Gipfel auf 3.500 m Höhe wir einen Panoramablick bis zum 60 km entfernten Ortler und sogar darüber hinaus bis zur Bernina-Gruppe haben werden.

Der Check nach dem für die Eistour nötigen Equipment draußen vorm Hospiz zeigt: Jeder hat seinen Rucksack gewissenhaft gepackt. Wenn ein Tourenstart inmitten der Ötztaler Alpen so problemlos beginnt, kann der Tag nur rundum gelingen.

Um unser Ziel zu erreichen, geht es zunächst eindreiviertel Stunde über Geröll bergauf. Es ist schattig und riecht würzig. Eigentlich unterhalten wir uns während dieses Aufstiegs kaum. Kurz vor 9 Uhr ist der Kesselwandferner erreicht. Gerhard teilt uns den vier Seilschaften zu, wobei – und das ist eine Besonderheit, die sich bisher im DAV Landau noch nicht ergab – eine reine „Frauenseilschaft“ zustande kommt. Andrea leitet sie. Die anderen führen Gerhard, Lothar und Wolfgang.

Zunächst steigt die Route übers Eis sanft an. Wir springen über einige kleine Spalten oder umrunden sie. Gelegentlich gilt es auch, vorsichtig Schneebrücken zu überwinden. Weit vor uns sehen wir das Brandenburgerhaus. In weiter Ferne liegt es auf 3.272 m Höhe malerisch über dem Kesselwand Joch, das den Kesselwand- vom Gepatschferner trennt. Als wir es aus dem Blick verlieren, taucht vor uns – weiß in der Sonne strahlend – der Fluchtkogel auf.

Am Oberen Guslar Joch auf etwa 3.261 m legen einige von uns die Rucksäcke ab, damit wir möglichst wenig zu tragen haben, wenn es am kurzen Seil rechts an der Wand des Fluchtkogels über sulziges Eis hinaufgeht. Die Neigung beträgt hier etwa 30-35 Grad. Um halb 12 Uhr ist der Gipfel erreicht, und 18 Bergsteiger genießen den ungewöhnlich klaren Rundumblick: Unzählige Gipfel schmücken den Horizont um uns herum.

Nach 30 Min. steigen wir ab. Zurück am Oberen Guslar Joch gönnen wir uns eine Pause, bevor es über eine relativ, rutschige Passage in den Guslar Ferner hinabgeht. Zur Sicherheit lässt jeder Führer die Teilnehmer seiner Seilschaft einzeln am straffen Seil hinuntergehen. Den Anfängern gibt das Sicherheit, die „alten Hasen“ nehmen diese Vorsichtsmaßnahme gelassen hin, haben ihrerseits sogar die Neulinge im Blick.

Nun marschieren unsere vier Seilschaften über den Guslar Ferner in östlicher Richtung, vorbei an einem Felsriegel mit starkem Steinschlag. Von hier aus verläuft eine breite Spur aus Geröll und Felsbrocken bis zum Gletscherrand…alles Herabgefallene wurde somit etwa 500 m bis zum Rand geschoben. Die Fließrichtung des Gletschers wird dadurch deutlich erkennbar. Auch eine wunderschöne Gletschermühle entdecken einige von uns im Eis.

Als wir den Gletscherrand gegen 14 Uhr erreichen, ist es richtig heiß. Wir entledigen uns der Jacken und der Eisausrüstung und wandern zur Vernagthütte, die auf 2.755m liegt. Sie sieht mit ihren Holzschindeln altmodisch und idyllisch zugleich aus. Obwohl sie stark besucht ist, erfreuen wir uns an Knödelsuppe, Cappucino, Zwetschgenkuchen und Weizenbier im Minutentakt.

Gestärkt und sehr zufrieden über die erfolgreiche Hochtour wandern wir in einzelnen Gruppen und individuellem Tempo zurück zum Hochjoch Hospiz. Den Organisatoren Andrea, Gerhard, Lothar und Wolfgang ist gelungen, Anfängern und „alten Hasen“ eine sportliche und zugleich eindrucksvolle Hochtour zu bieten.

Ulrike Hoffrichter

(Ein herzliches Dankeschön vom Redaktionsteam an die Autoren)