Dienstag, 25.06.2019:

10 Highländer machen sich auf den Weg. Einer (Leo) startet in Stuttgart, 7 (Sabine, Karin, Horst, Uta, Martina, Helga und Ursula) in der Pfalz und 2 (Thomas und Sonja) sind schon in Glasgow und holen uns nach einer perfekten Anreise am Flughafen ab und bringen uns nach Milngavie, im Norden von Glasgow. Nach einem ersten Haggis und englischem Bier (Pint) im Pub schauen wir uns den Ausgangspunkt des 95 Meilen (= ca. 154 km) langen West Highland Way an.

Mittwoch, 26.06.2019: 1. Wandertag: Milngavie – Drymen (12 Meilen = 19 km)

Unser Landlord bereitet ein hervorragendes Frühstück mit Eiern, Porridge, Früchten und Deutschland-Fähnchen auf unseren Tischen. Und er ist anschließend entsetzt, weil er denkt, er muss jedem einzelnen von uns eine Quittung ausstellen. Dabei wollten wir ihm doch nur unsere Namen nennen. Aber es kommt schon manchmal zu Kommunikationsproblemen bei der schottischen Sprache.
Unser erster Wandertag führt uns durch die Lowlands. Und schon nach 2 Stunden in die erste Whisky-Destillerie (Glengoyne). Den meisten ist das noch zu früh aber Thomas, Horst, Karin und Uta können nicht widerstehen. Wir erleben eine Führung mit Isla im Schottenrock, die uns auf sehr herzliche Weise in die Kunst des Whisky-Brennens einführt. Mit einem Glas Glengoyne 12 Jahre zum Abschluss. Die Brennerei ist übrigens nicht dumm. Alles was jenseits der Straße liegt, zählt schon zu den Highlands. Und wen interessiert es schon, dass die ganzen Lagerhallen noch in den Lowlands stehen. Highland-Whisky verkauft sich besser!
Bei der Mittagspause im Beech Tree Inn treffen wir die anderen wieder. Und staunen über Leo, der seine Wanderung wirklich optimal vorbereitet hat: Mit detaillierten Karten, Notizen zu Sehenswertem bei jeder einzelnen Etappe, genauen Kilometerangaben … Er bleibt die ganze Tour über Ansprechpartner, wenn es um Detailfragen geht 
Bei der Ankunft in Drymen erleben wir eine Überraschung. Die heutige Übernachtung ist im Kip in the Kirk, einer ehemaligen Kirche, wo unsere Landlady uns mit frisch gebackenen Scones und selbstgemachter Erdbeermarmelade in unserem Schlafsaal erwartet – lecker. Und abends kehren wir ein im ältesten Pub Schottlands, „The Clachan Inn“.

Donnerstag, 27.06.2019: 2. Wandertag: Drymen – Rowardennan (17 Meilen = 27 km)

Wir beginnen den Tag mit einem krähenden Hahn und einer Runde Yoga mit Martina. (Das unterscheidet unser Programm von der Männergruppe im letzten Jahr. Es wird noch weitere Abweichungen geben ). Bemerkung von Thomas: „wir haben Yoga gemacht!“ Dass alle voll motiviert in den Tag starten zeigt sich auch daran, dass wir pünktlich um 8 Uhr schon alle hungrig am Tisch sitzen, als unsere Landlady das Frühstück bringt.
Diese Stärkung brauchen wir auch. Denn heute wird ein harter Tag. Morgens überqueren wir den Conic Hill mit einem grandiosen Blick auf den Loch Lomond, der uns 2 Tage lang begleiten wird. Richtig anstrengend wird es dann aber erst nach der Mittagspause im Oak Tree Pub. Es geht endlos am See entlang. Nur noch diese Halbinsel… Und dann wieder eine. Und noch eine… Hier entsteht auch der Spruch des Tages: „Das Ende naht!“ Es ist sehr heiß und es gibt auch einige Mücken – „Mitches“. Aber wohl deutlich weniger als letztes Jahr. Als wir endlich an unserer Jugendherberge – wunderschön in einem alten Schlösschen am See gelegen – ankommen, genießen wir sogar ein paar Pints im Freien. Und ein erfrischendes Bad im See. Sabine führt abends noch hoch konzentriert ein Vorstellungsgespräch am Telefon – und 7 Leute hören mit und wie wir heute wissen war das Gespräch ein Erfolg! Tagesausklang in der Lounge mit grandiosem Blick auf den See und einem Telefon-Geburtstagsständchen für Stefan Eckert.

Freitag, 28.06.2019: 3. Wandertag: Rowardennan – Inverarnan (12 Meilen = 19 km)

Eigentlich war geplant, dass Ursula und Sonja nach dem anstrengenden Vortag heute die Abkürzung mit Fähre und Bus nehmen. Aber weil genügend Zeit ist, macht Ursula bei strahlendem Sonnenschein noch eine Paddeltour auf dem Loch Lomond. Und geht prompt verloren. So sehr wir später drüber lachen können – in dem Moment ist das nicht lustig. Sonja schickt einen Suchtrupp los, der Ursula nicht findet. Am Ende schafft sie es alleine – aber am Ende ihrer Kräfte – zurück zum Ausgangspunkt.
Wir anderen erleben in der Zwischenzeit eine schöne Wanderung mit vielen Aufs und Abs immer am See entlang. Mittagspause im vornehmen Hotel in Inversnaid, wo man die Schuhe ausziehen muss, um dann im dicken Teppich zu versinken. Am Nachmittag findet Horst die Höhle des schottischen Helden Rob Roy und Thomas und Uta gehen am Ende des Sees noch einmal baden.
Vor dem Abendessen im Drovers Inn – ein uraltes Pub mit ausgestopften Tieren und einem mottenzerfressenen Bär am Eingang – spendiert Thomas eine Runde Grauburgunder und wir erfahren, dass heute Sonjas Geburtstag ist. Aus diesem Anlass bekommt sie auch noch ein kleines Karamellküchlein aus der Küche und natürlich ein Geburtstagsständchen von uns allen. Im Anschluss gibt es Livemusik mit Jeff, einem Alt-68er, der aussieht wie Catweazle und ein paar Whiskys an der Bar.
Leo entwickelt in dieser Nacht eine neue Methode, um die Mitches auszusperren: den kompletten Fensterrahmen mit Avon Lotion einsprühen. Es funktioniert einigermaßen.

Samstag, 29.06.2019, 4. Wandertag: Inverarnan – Tyndrum (14 Meilen = 23 km)

Heute erleben wir zum ersten Mal schottisches Wetter. Direkt bei der Pause an einer Honesty-Box fängt es an zu regnen. Es bleibt nicht der einzige Schauer an diesem Tag. Am Abzweig nach Crianlarich entscheiden wir uns daher für den direkten Weg nach Tyndrum – ohne Abstecher zum Mittagsbier mit Umweg ins Tal. Mal wieder ein Unterschied zur Männergruppe im letzten Jahr. Stattdessen geht es weiter durch ein einsames Wäldchen, wo wir einer Hirschkuh begegnen. Die anschließende Kaffeepause im Artisanal Café in einer alten Kirche, mit der wir einen Wolkenbruch überbrücken, ist dann ein echter Genuss und dafür lohnt sich der Umweg.
Am Abend gibt es wieder Livemusik im Pub. Diesmal mit einer in die Jahre gekommenen, aber trotzdem richtig guten Band, die extra für uns „Muss i denn…“ spielt. Und einen schottischen Tanz. Alle Frauen tanzen, ein schottisches Paar ist sturzbesoffen und am Ausgang sitzt ein echter rotbärtiger „Highlander“, der uns alle mit „High Five“ verabschiedet.

Sonntag, 30.06.2019, 5. Wandertag: Tyndrum – Inveroran (9 Meilen = 15 km)

Den ganzen Morgen regnet es und wir sind klitschnass, als wir zum Mittagessen im Hotel in Bridge of Orchy ankommen. Im Kamin brennt ein Feuerchen und wir können uns kaum vorstellen, dass man zeitgleich beim Rheinland-Pfalz-Tag in Annweiler bei 40 Grad in der Hitze schmort. Für uns geht es durch eine einsame hügelige Landschaft weiter. Jetzt sind wir wirklich in den Highlands. Unser Ziel an diesem Tag: das Inveroran Hotel – das schönste in dieser Woche mit Hirschen vorm Fenster und auf der Bettwäsche. Wir genießen ein tolles Abendessen im „Wohnzimmer“ und machen anschließend noch einen Square Dance Kurs mit Thomas und Sonja – erstaunlich, welche Talente in uns allen schlummern.
Ach übrigens: das Mädelszimmer hat noch ein Problem, weil das Waschbecken volläuft und sie es nicht schaffen, den Verschluss zu öffnen. Und der Spruch des Tages kommt zweisprachig von Karin: „No, dann net!“ auf die Erklärung, dass der Käse salzig ist, während sie einen Käsekuchen erwartet.

Montag, 01.07.2019: 6. Wandertag: Inveroran – Kinlochleven (19 Meilen = 32 km)

Martina ist ziemlich erkältet. Daher fährt sie heute mit Sonja Taxi und wir genießen alle den Luxus, dass die beiden einen Großteil unseres Gepäcks mitnehmen. Wir laufen unsere Königsetappe also mit leichtem Gepäck. Vorbei an einem Rotwildgehege geht es auf einer alten Straße den ganzen Morgen über eine freie Fläche durchs Hochmoor. Unterwegs steht ein einsames Zelt mit einem Flötenspieler. Auf unseren Applaus hin, bedankt sich eine unsichtbare Stimme. Die Mittagspause verbringen wir in einer Skihütte, um danach über die Devils Staircase zum höchsten Punkt unserer Wanderung zu kommen: 584 m. Der Anstieg ist weniger anstrengend als erwartet – wir sind ja mittlerweile schon gut eingelaufen – aber danach zieht der Weg sich noch ziemlich bis Kinlochleven. Zum Abendessen und Übernachten sind wir mal wieder in einem netten Pub-Hotel.

Dienstag, 02.07.2019: 7. Wandertag: Kinlochleven – Fort William (14 Meilen = 22 km)

Gut gelaunt starten wir in die letzte Etappe des WHW. Doch gleich nach dem Ortsausgang von Kinlochleven geht heute Sonja verloren. Während sie auf dem richtigen Weg ist, vermuten wir sie auf dem falschen. Und Thomas, ganz besorgt, rennt diesen falschen Weg hinauf. Am Ende war das dann einfach nur eine Sondereinheit für unseren „Schleifer“. Ab dem nächsten Aussichtspunkt, wo wir uns alle wieder treffen, geht es stundenlang weiter über eine alte steinige Straße, vorbei an verfallenen Farmen und zum Schluss mitten durch ein Gebiet mit abgesägten Bäumen. Nachhaltige Forstwirtschaft in Deutschland sieht anders aus. Trotzdem hat auch diese Landschaft ihren Reiz. Kurz vor dem Ziel taucht dann endlich der Ben Nevis auf. Am Fuße dieses höchsten Bergs von Großbritannien liegt das Ben Nevis Inn, wo wir im Bunkhouse (wir sagen Bunker) im Keller übernachten. Davor gibt es noch ein sehr üppiges Abendessen mit traditioneller schottischer Livemusik. Von 9-11 trifft sich hier jeden Dienstag eine Gruppe von Musikern – heute sind es 13 – und wir haben den Eindruck, sie machen Musik, weil es ihnen Spaß macht – und nicht weil sie für die Touristen aufspielen. Zum Schluss sind wir die letzten Gäste.
Spruch des Tages: Wer will noch Hustensaft?

Mittwoch, 03.07.2019: Tag zur freien Verfügung

Heute ist Sonja krank und bleibt erst mal im Bunker. Eigentlich wollen unsere Fittesten den Ben Nevis besteigen. Aber der Berg ist Wolken verhangen. Deshalb wird daraus am Ende stattdessen ein Shopping-Tag in Fort William. Noch vor dem Frühstück erreichen wir aber erst mal das offizielle Ziel des WHW. Nur zu viert machen Karin, Horst, Leo und Uta per Zug dann einen Ausflug nach Glenfinnan zum berühmten Viadukt. Es ist bekannt aus Harry Potters Reise mit dem fliegenden Auto über den fahrenden Dampfzug. Und zwei solche Dampfzüge betrachten wir dann auch aus allen Perspektiven – zusammen mit zahlreichen anderen Dampfzug-Touristen, die sich an mehreren Aussichtpunkten versammeln. Aber schön ist es trotzdem, vor allem als wir danach mit einer begeisterten Zugbegleiterin selbst über diese Brücke „fliegen“. Abends treffen sich dann alle 10 Highländer – zum Teil mit mehreren Tüten bepackt – zum Abschiedsessen im Crofters Inn. Hier bekommen wir alle ein WHW-Zertifikat. Und einen Whisky of the month, was zu Thomas Spruch des Tages führte: „Der Whiskykonsum war anfangs etwas spärlich, dann wurde es immer besser!“. Und zu seinem Resümee: „Die Tour war mindestens genauso schön wie letztes Jahr!“

Donnerstag, 04.07.2019: Rückreise:

Zu erwähnen ist heute noch das Frühstück im Wildcat-Café: vegan. Ohne Rührei, stattdessen mit Sauerteigbrot und Hummus. Ob das etwas für die Männergruppe gewesen wäre?
Auf der Taxifahrt zum Flughafen können wir alle Stationen unserer Wanderung noch einmal Revue passieren lassen. Ein herzliches Dankeschön an Thomas und Sonja für die perfekte Organisation und Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Schön wars!

Bericht: Uta Holz