Fachübungsleiter: Wolfgang Brunke
Teilnehmer: Elli, Inge, Elke, Peter, Franz, Bernd, Jan, Daniel

Tag 1: Anreise & Hüttenbezug:
Nach einer etwas holprigen Anfahrt, u.a. stecken wir in mehreren Staus fest, kommen wir etwa 8h nach Start „fast“ an der Friedrich August Hütte an. Warum aber nur fast? Nun ja…wie man unschwer erkennen kann, fällt die Schneegrenze an diesem Sonntag auf unter 1.500m, was uns gleich mal zu unserer ersten Herausforderung geleitet.
Zum Einen versperrt uns ein Fallbaum die letzten Meter zur Hütte (die Insassen eines entgegenkommenden Fahrzeuges waren so nett, die Schranke mittels PIN zu öffnen). Zum Anderen stehen wir wenige Minuten später vor der nächsten schier unüberwindbaren Hürde, einer ziemlich steilen verschneiten Rampe, die es uns nicht gestattet hochzufahren, zumindest nicht mit dem Bus.
Nach vier gescheiterten Versuchen, endet es letztlich damit, dass sich der Bus beim Anfahren quer stellt und wir weder vorwärts noch rückwärts kommen. Wir zögern nicht lange und beordern den hüttenzugehörigen Abschleppdienst, der uns dann auch ohne weitere Probleme bis zum Sattelpunkt im Schlepptau nach oben zieht.
Erste Hürde gemeistert!!! Wie wir schnell feststellen, herrscht hier oben an der Friedrich August Hütte auf 2300 Meter tiefster Winter, weswegen sich insgeheim bei einigen Teilnehmern der Gedanke einschleicht, dass es am nächsten Tag etwas problematisch werden kann, bezgl. dem Begehen der Klettersteige.
Bei köstlichem Abendessen, das uns durch vier Gänge begleitet, werden erste etwaige Wanderpläne für den morgigen Tag geschmiedet.

Tag 2: Wanderung zur Seiser Alm -> Plattkofel -> Friedrich August Hütte:
Die ersten Blicke aus dem Fenster lassen die Befürchtungen des Vortages wahr werden. Heute kann aufgrund von liegengebliebenem Schnee und eisigen Temperaturen leider kein Klettersteig begangen werden. Also fasst man den Entschluss, eine gemütliche Wanderung rund um die Langkofelgruppe zu unternehmen. Gegen Mittag wird das Wetter allmählich freundlicher und die volle Schönheit der Dolomiten offenbart sich uns. Nach ca. 13km erreichen wir die Plattkofelhütte und speisen vorzüglich zu Mittag. Der letzte Teil führt uns über einen klassischen Steig zurück zu unserer Hütte und wir komplettieren unseren heutigen Rundweg.

Tag 3: Pisciadù Klettersteig
Endlich Klettern!!! Da sich das Wetter zu unseren Gunsten verbessert hat und der Neuschnee in tieferen Lagen weitestgehend abgetaut ist, kann endlich der erste Klettersteig begangen werden. Eine knappe halbe Stunde Autofahrt von unserer Hütte entfernt, treffen wir am Parkplatz des berühmt berüchtigten Klettersteiges Pisciadù ein, der angeblich ein absolutes Highlight in den Dolomiten darstellen soll. Zum Einen bekommt man landschaftlich sehr viel geboten und zum Anderen erfährt man ein unvergessliches Klettererlebnis. Dementsprechend ist die Vorfreude immens groß, sodass man die Begeisterung in unseren Augen ablesen kann. Nach angelegter Rüstung (Brustgurt, Verbindungsschlinge, Helm, Hüftgurt & Klettersteigset) unterziehen wir uns gegenseitigem Partnercheck, denn Sicherheit wird seitens DAV großgeschrieben. Die Einstiegswand liegt etwa 10min Gehzeit vom Parkplatz entfernt. Wir stellen schnell fest, dass es sich hierbei um ein sehr feuchtes Unterfangen handelt. Doch mittels mitgebrachter Trittsicherheit ist auch diese Passage in kurzer Zeit kinderleicht zu absolvieren.
Nach dem Einstiegswandl folgt eine kurze Gehpassage, bis hin zum eigentlichen Einstieg des Via Ferratas. Zum Eingewöhnen an die folgende Kletterei, gehen wir das erste Drittel in einem Gelände, das keinen großen Aufwand darstellt, aber dennoch immens viel Spaß bereitet.
Steilere Teilstücke, die prächtig durch Stahlbügel gesichert sind, wechseln sich mit einfachen Passagen ab, was diesen Klettersteig sehr abwechslungsreich gestaltet. Ab etwa der Hälfte des zurückgelegten Weges, schaue ich mit gespanntem Blick nach oben, um zu sehen was uns noch so erwartet. Ich muss jedoch schnell mit Bedauern feststellen, dass sich im oberen Segment ein großer Stau gebildet hat, weswegen es immer wieder zu öden Wartezeiten kommt. Diese nutzen wir, um uns mit anderen ortsansässigen Kletterern auszutauschen.
Auf dem Schlussstück erwarten uns sehr amüsante Senkrechtpassagen, die das Kletterherz hoch schlagen lassen. Zudem überrascht uns kurz vorm Ausgang nochmal ein Highlight, in Form einer Hängebrücke, mit der wir eine sehr tiefe Schlucht überwinden. Was für ein Panorama!!!
Nach kurzer Wanderung erreichen wir die Pisciadù Hütte. Hier gehört es natürlich zum Tagesgeschäft, nach erledigter Arbeit erstmal 1 bis 2 Radler zu frequentieren.
Im Anschluss steigen wir durch das landschaftlich wunderschöne Mittagstal ab, zurück zum Parkplatz.
Bei dem etablierten Vier Gänge Menü auf unserer Hütte, lassen wir den ersten richtigen Klettertag mit großer Zufriedenheit gemütlich zu Ende gehen und reflektieren das Erlebte.

Tag 4: Piz da Lech Klettersteig & Rodella Klettersteig
Wie am Vorabend beschlossen, führt uns unsere heutige Kletterei in der ersten Tageshälfte an den Via Ferrata Piz da Lech. Nach kurzer Anreise mit dem Auto und Überwinden von zwei Seilbahnen, erreichen wir etwa gegen 10:00 Uhr die Bergstation. Hier legen wir, wie gehabt, die Kletterausrüstung an und laufen etwa knapp 15 min zum Einstieg des Via Ferratas.
Hier kann jeder gleich mal unter Beweis stellen, wie weit seine Kletterkenntnisse reichen, denn die Einstiegswand stellt somit gleich die erste kleinere Tagesherausforderung dar. Doch mit geübter Trittsicherheit und Technik, absolvieren dies wir alle mit Bravour.
Im Großen und Ganzen liegt dieser Steig nochmal eine Schwierigkeitsstufe über der des Pisciadù. An manchen Abschnitten ist höchste Konzentration, Trittsicherheit, sowie Schwindelfreiheit gefragt. Aber wenn man besagte Eigenschaften mit sich bringt, macht das ganze Unternehmen einfach nur unheimlich viel Spaß, was sich auch in unserer Gruppe spürbar zeigt.
Bei einer Seehöhe von etwa 2.800m endet der Klettersteig. Es folgt auf die letzten paar Höhenmeter eine Schneewanderung bis hin zum Gipfelkreuz des Piz da Lech (2.913m), auch Boeseekofel genannt. Das anschließende „Berg Heil“ macht den Gipfelsturm perfekt. Dieser Moment muss natürlich für das persönliche, sowie das DAV Fotoalbum festgehalten werden, weswegen die obligatorischen Gipfelfotos geschossen werden.
Nach kurzer Rast und Bewunderung der umliegenden Dolomiten, steigen wir ab, zurück zur Bergstation. Natürlich darf die Belohnung für einen erfolgreich absolvierten Klettersteig nicht ausbleiben. Deshalb genießen einige erstmal ein wohlverdientes Hopfengetränk an der Mittelstation.
Ein Blick auf die Uhr suggeriert uns, dass der Via Ferrata Piz da Lech, aufgrund seiner Kürze nicht allzu viel Zeit eingenommen hat, weswegen der Tag noch jung ist und mit einem weiteren Klettersteig ausgefüllt werden muss, dem sogenannten Rodella Klettersteig. Es handelt sich um einen kurzen (100hm) aber knackigen Klettersteig, der uns kurz vor dem Abendessen nochmal einiges an Technik abverlangt. Wir sehen es als Übung an für das morgige, groß angepriesene Monstrum, namens Cesare Piazzetta.

Tag 5: Cesare Piazzetta Klettersteig
Wie am Vortag bereits durch Wolfgang groß angepriesen, steht heute der Cesare Piazzetta Klettersteig auf dem Plan.
Während des anderthalbstündigen Zustiegs, der sich vorwiegend auf grüner Almwiese abspielt, passieren wir u.a. das Kriegerdenkmal, das den Gefallenen des 1. Weltkrieges gedenkt.
An der schwierigen Einstiegswand bemerken wir sofort, dass dieses Unterfangen heute kein Zuckerschlecken wird. Im Gegenteil; An manchen Passagen erfordert der Steig viel Mut und Kraft und generell ist höchste Konzentration und Ausdauer gefragt.
Etwa nach dem ersten Drittel lauert gleich das nächste, nicht einfach überwindbare Hindernis; Ein ziemlich enger Kamin, der manch einem mit dem Rucksack auf dem Rücken, aufgrund von Platzgründen zum Verhängnis wird. Doch auch hier spüren wir den kompletten Ideenreichtum des DAV und lassen den Rucksack kurzerhand mit einem Seil durch den Kamin hochziehen.
Nach knapp 3h und etwa 320 hinterlegten Höhenmetern haben wir das Monstrum endlich besiegt und alle heil überstanden. Auf den letzten paar Höhenmetern wandern wir über Blockgelände zum Gipfel des Piz Boè (3152m). Auch hier wartet bereits das wohlverdiente Gipfel(Getränk)Bier 😉
Und erneut lassen wir uns von der Schönheit der Alpen berieseln und laden unsere Gute Laune Akkus bis zum Anschlag auf!
Der folgende Abstieg unterteilt sich zum einen in ein interessantes Abklettern und zum anderen in eine nicht ungefährliche Rutschpartie. Aufgrund dessen ist hier nochmal höchste Konzentration gefragt.
Etwa eine Stunde später erreichen wir das Rifugio Forcella Pordoi (2.837m) und wärmen uns mit einem heißen Kaffee, bis dann die letzten 150 Hm bis zur Bergstation der Seilbahn erklommen werden. Hier klart das Wetter ein wenig auf und die letzten Panoramen dieses actionreichen Urlaubs werden geschossen.

Vielen Dank an Wolfgang Brunke für das Geleiten durch fünf wunderbare Klettertage in einem der schönsten Teile der Alpen. Es war ein actionreiches, spannendes, teils anstrengendes aber vor allem voll und ganz zufriedenstellendes Erlebnis und das mit einer sehr coolen homogenen Truppe!!!

Gefertigt: Daniel Glaser