Schottland-All in One mit Edinburgh 2024
Teilnehmer: Olga, Jürgen, Inge, Andreas, Axel, Bernhard, Uta, Christian & Thomas
Tag 1 / Samstag, der 31. August
„Scotland is Calling“
Um 5:00 Uhr morgens klingelt der Wecker. Müde, aber der erste Kaffee schmeckt trotzdem in der Frühe, macht aber nicht wirklich wach. Ein letzter Check: Reisepass, Kreditkarte, ein paar Pfund, Sonnencreme und ein Mückenschutzmittel, sowie Regenjacke und -hose. Alles im Rucksack verstaut und dann geht es zum Flughafen Frankfurt. Dort treffen sich ALLE. Ein großes Hallo, den viele kennt man von anderen Wanderungen des DAV Landau. Wir checken ein und der Flieger startet mit einer kleinen Verzögerung um 11:30 Uhr, was der Vorfreude auf Schottland nichts nimmt. Nach der Landung in Glasgow, geht’s weiter mit dem Taxi nach Fort William. 2:30 Stunden über eine enge Landstraße, Linksverkehr und einem Taxifahrer, der so schottisch spricht, dass man ihn kaum verstehen kann, und einem gewagten Fahrstil, so dass Uta und Olga, die vorne sitzen, schnell das Gespräch mit dem Taxifahrer einstellen. Es geht vorbei an Seen und teilweise schon herbstlich gefärbter Landschaft. Die Eindrücke machen Lust und gute Laune auf mehr. Unsere erste Unterkunft ist die „Bank Street Lodge“, in der wir 3 Nächte bleiben. Leider haben unsere Tourleiter, Christian und Thomas, teilweise dem Brexit geschuldet, nicht die Unterkünfte buchen können, die sie ursprünglich geplant hatten. Die Preise waren entweder extrem gestiegen oder die Unterkünfte hatten dauerhaft geschlossen. Die Beiden haben umgeplant, was dem Spaß, der Anstrengung, den Eindrücken und der guten Laune an der Tour nichts genommen hat. Ein Steinschlag von der Unterkunft kehren wir (auf Empfehlung von unserem Taxifahrer) im „The Grog & Gruel“ ein. Der erste Haggis wird probiert und es bleibt auf der Tour nicht das letzte. Und wie sollte es anders sein, das erste Pint schmeckt immer am besten. Als wir die Rechnung bekommen, lernen wir, dass es in Schottland nicht üblich ist getrennt zu zahlen. Wir bekommen eine Sammelrechnung. Uups 🤔. Kurzerhand wird die Gesamtsumme durch 9 geteilt. Wir können auch unkompliziert. Müde fallen wir gegen 22 Uhr ins Bett.
Tag 2 / Sonntag, der 1. September
„Hikers are welcome“
Der Tag sieht für den Anfang eine leichte Tour vor. Mit leichtem Gepäck (einem Tagesrucksack gepackt mit Regenjacke, Wasser, Sonnenschutz, Mückenschutz und Müsliriegel bzw. Schokolade) ziehen wir los. Aber vorher wird sich bei einem Frühstück gestärkt. Da unsere Unterkunft nur eine Beherbergung hergibt, kehren wir gegen 8:30 Uhr im „THE OLD DELI“ ein, einem kleinen Kaffee in dem es neben Scons auch ein kleines Frühstück mit Haggis, Bacon, Eier und Toast gibt. Das ganze natürlich auch vegetarisch im Angebot. Hier wird an der Theke bestellt und auch gleich bezahlt. Nach dem Frühstück geht‘s zum Busbahnhof und wir nehmen den Bus nach Spean Bridge, dem nächsten Ort. Ziemlich raffiniert von Christian und Thomas. Mit dem Bus zum Ausgangspunkt fahren und zurückwandern. Klar, somit wird sichergestellt, dass jeder die komplette Strecke läuft. Für uns heißt es die Schnürsenkel binden und wandern. Der Weg schlängelt sich dahin, mal etwas bergauf, mal etwas bergab. Vorbei an Wäldchen, Wiesen und immer ein Blick auf die Highlands. Der Weg ist anfangs breit und gut begehbar. Dann geht es um eine Kurve, wir queren eine Straße, auf der anderen Seite geht’s in den Wald und plötzlich ist der Weg sehr schmal, so dass wir hintereinander wandern. Rechts und links Gräser, Bäume und Sträucher, die über unsere Köpfe hinaus hochgewachsen sind. Dann geht der Wald auf und wir passieren eine Wiese. Zwischendurch immer mal ein Tor, das geöffnet wird, wir gehen durch und der Letzte schließt das Tor. Zur Mittagszeit machen wir eine Pause und es wird gevespert, was im Tesco (Supermarkt) am Vortag eingekauft wurde oder ein von zu Hause mitgebrachter Müsliriegel. Das Wetter ist uns heute wohl gesonnen. Herbstliche Temperaturen, aber nicht zu kühl und zwischendurch ein leichter Wind. Kurz vor Fort William müssen wir über eine Wiese, auf der Schafe weiden. Zwischen Erikas und den Schafen, die uns kaum beachten, laufen wir gemütlich in Fort William ein. Bevor es zur Unterkunft zurück geht, machen wir ein Schlenker zum „Old Fort“ von Fort William. Der Ort liegt an einem lang gezogenen Meeresarm, dem „Loch Linnhe“ und wir haben am „Old Fort“ einen schönen Blick auf den See. Nach 20 km und ca. 6 Stunden (inkl. einer Mittagspause und ein/zwei kleineren Pausen) sind wir zurück in unserer Unterkunft. Wenn der ein oder andere jetzt dachte, dass dies für heute alle km waren, hat sich getäuscht. Thomas überrascht uns damit, dass er ein Tisch im „Ben Nevis Inn“ (der Name ist angelehnt an den nicht unweit gelegenen Berg „Ben Nevis“ mit 1.345 m) reserviert hat. Strahlende Gesichter 🙂. Das Restaurant ist 4 km weit weg, also hin und zurück 8 km, zu den bereits am Tag gewanderten 20 km. Ui 🙁. Schnell unter die Dusche, umziehen und ohne Rucksack und mit leichtem Schuhwerk raus zum „Ben Nevis Inn“. Durch den Ort geht’s einige Treppen hoch, dann in ein kleines Wäldchen und weiter über Wiesen. Nach ca. 50 Minuten sind wir endlich da. Das „Ben Nevis Inn“ ist ein kleines Restaurant und überrascht uns mit der einerseits rustikalen Einrichtung und anderseits der familiären Atmosphäre. Getränke werden an der Theke bestellt und gleich bezahlt. Das Lager und der Sider schmecken hier doppelt so gut. Das Essen wird am Tisch bestellt. Auch hier gibt es eine Sammelrechnung. Wie am Vorabend wird durch 9 geteilt. Wir können immer noch unkompliziert. Das Essen kommt und wir sind sehr angenehm überrascht. Nicht nur für das Auge ein Genus, sondern auch für den Gaumen. Der Ausflug hat sich gelohnt und die zusätzlichen Kilometer für den Tag sind vergessen. An dem Abend muss auch der erste Whisky getrunken werden. Andreas und Thomas, die Kenner in der Runde, empfehlen für Olga, Uta, Bernhard, Jürgen und Christian unterschiedliche Whiskys. Da die 5 bei einem Whisky nicht bleiben wollten, wird reihum jeder der 5 Whiskys probiert. Der erste und der letzte Schluck, ist jeweils der Whisky, den jeder für sich bestellt hat. Die Whiskykenner haben jedem den Whisky empfohlen, der demjenigen am Ende wirklich geschmeckt hat. Besser hätte der Abend nicht enden können. Mittlerweile ist es auch schon dunkel, deshalb gehen wir an einer gut beleuchteten Straße nach Hause. Die letzten km des Tages laufen sich leicht, obwohl wir zurück auch in etwa die gleiche Zeit brauchen wie hinzus.
Tag 3 / Montag, der 2. September
„Trainspotting“
Für heute stand Spean Bridge zur Tulloch Station mit 19 km und 200 Höhenmeter, sowie erneut keiner Einkehrmöglichkeit (wie auch am Vortag) auf dem Programm. Das Wetter verspricht, was es vorhergesagt hat „Regen bei kühlen Temperaturen“. Da für den kommenden Tag die Wanderung nach Kingussie mit vollem Gepäck und die Strecke recht lang ist, entscheiden wir uns für ein Ausflug zum „schottische Bahnhof mitten im Nichts – Corrour Station“. Der Bahnhof bekannt aus dem Film Trainspotting aus dem Jahr 1996 ist zugleich der höchste Bahnhof Großbritanniens und heutzutage ein beliebtes Ziel für Filmfans des zuvor genannten Films. Gefrühstückt wird wieder im „THE OLD DELI“. Um 10:40 Uhr geht unser Zug. Der Bahnhof ist nicht weit weg und wir brauchen nicht länger als 5 Minuten. Am Bahnsteig sind wir nicht die einzigen, die den Zug nehmen. Viele Passagiere (auch Wanderer darunter) fahren von Fort William zurück nach Glasgow. Kein Wunder, denn der Zug fährt auf der West Highland Railway, der wohl schönsten Bahnroute durch Schottland.
Der Zug fährt ein, wir steigen ein und ein Schaffner weist uns, die Rucksäcke in eine vorgesehene Ablage zu deponieren. Die Rucksäcke werden in der Reihenfolge des angefahrenen Ziels abgelegt. Ordnung muss sein. Kaum, dass wir sitzen, werden die Tickets kontrolliert und dann rollt der Zug aus Fort William aus. Vier Stationen und 50 Minuten Fahrzeit bis zu unserem Ziel. Vorbei an der schottischen Natur, die wir schon am Vortag genießen konnten. Je näher wir unserem Ziel kommen, desto stärker regnet es. Wir kommen am „Corrour Station“ an, steigen aus und ziehen uns erstmal Regenjacke und -hose an, die dringend benötigt werden, den mittlerweile regnet es „cats & dogs“. Christian hat eine kleine Wanderung von ca. 8 km und 2 Stunden ausgearbeitet. Uns erwartet, eine gewaltige Natur, beeindruckende Berge, Seen und Moor. Und wir stehen wirklich im Nichts, außer dem Bahnsteig gibt es im Umkreis von 16 km weder eine Straße noch Häuser. Wir queren die Bahngleise, biegen in einen schmalen Weg ein. Durch den Regen sind die Wege überflutet, so dass wir den Pfützen versuchen auszuweichen und landen im Moor. Den Verlauf des Weges immer im Blick wandern wir weiter, mal hilft uns eine Einander Reihung von Steinen trocken die Pfützen zu queren, mal eine Holzplanke, die von irgendjemand, wohlweislich der Wegebeschaffenheit bei nassen Tagen bekannt ist, gelegt wurde. Irgendwann ist der Weg zu Ende, bzw. trotz aller Blicke in alle Richtungen keiner ersichtlich. Kniehoch gewachsene Büsche. Vor uns nur der Verlauf der Bahngleise. Kurzer Check auf der Tourkarte, unser Weg müsste für 300 m parallel der Bahngleise verlaufen und dann rechts abbiegen. Obwohl die Bahngleise nicht betreten werden dürfen, nehmen wir das Risiko in Kauf und steigen eine kleine Anhöhe hoch. Schnell laufen die Bahngleise bis zu unserem nach rechts abgehendem Weg, wohl wissend, dass der nächste Zug erst gegen 16 Uhr fährt. Das ist auch der letzte Zug, der an dem Tag am Corrour Station hält und wir bekommen sollten. Der Regen hat etwas nachgelassen, dafür ist der Wind stärker geworden. Der Weg ist auf der rechten Seite der Gleise breiter und gut zu wandern. Keine Pfützen oder Moor, die wir passieren müssen. Der Weg schlängelt sich in eine Rechtskurve, geht ein paar Meter gerade aus, dann leicht hoch in eine Linkskurve. Es öffnet sich ein Blick auf den See „Loch Ossian“. Direkt am Ufer sehen wir das Hostel Ossian, die entlegenste Jugendherberge dieser Gegend. Ein Blick darauf muss ausreichen, weil wir noch ein paar Meter zu gehen haben, um den letzten Zug zu bekommen. Nachdem der Regen etwas nachgelassen hatte, beginnt es wieder stärker anzuregen. Der Weg verläuft in einer ausladenden Rechtskurve und irgendwann stehen wir wieder an der Corrour Station. Nass und etwas ausgekühlt, gönnen wir uns im Bahnhofsrestaurant dem Station House ein Kaffee und selbstverständlich ein Stück von den selbst gemachten Kuchen. Neben Kaffee und Kuchen gibt es auch Souvenirs über den Film Trainspotting. Es outen sich in unserer Gruppe einige Fans, die hier natürlich zuschlagen. Kaffee und Kuchen schmecken, wie kann es auch anders sein, es wird liebevoll geführt und das Ambiente ist sehr familiär. Es gibt sogar ein Haushund. Schweren Herzens müssen wir unsere Regenkleidung wieder überziehen. Unser Zug fährt pünktlich um 16 Uhr ein und wir steigen ein. Gleiche Prozedur wir bei der Hinfahrt. Wir kennen es schon und fallen daher nicht auf. In Fort William angekommen, geht’s erst ins Hotel. Eine warme Dusche, trockene Kleidung und dann treffen wir uns, um zum indischen Restaurant Essen zu gehen. Thomas hat ein Tisch reserviert. Als wir ankommen, geht alles schnell. Wir bekommen den Eindruck, dass jeder von uns einen eigenen Kellner hat. Von einem bekommen wir die Menükarten, dann kommt der nächste und will die Getränke aufnehmen, dann kommt der nächste und fragt, ob jemand von uns eine Vorspeise möchte. Wir haben aber noch nicht ein Blick in die Karte werfen können. Wir signalisieren, dies dem Kellner, der dann geht und uns Zeit gibt. Als alles bestellt ist und wir unser Essen bekommen, kehrt bei uns am Tisch Ruhe ein. Wir können ohne Störung essen, reden über den Tag und löchern Christian und Thomas wie der kommende Tag aussieht. Nach dem wir gezahlt haben, geht‘s zurück ins Hotel und gegen 22:30 Uhr ins Bett. Morgen müssen wir früh los.
Tag 4 / Dienstag, der 3. September
„Wet Wet Wet“
Laggan – Kingussie
Nun ist es so weit, die erste Etappe bei der wir mit vollem Gepäck zu einer neuen Unterkunft „The Jacobite’s Lodge“ bei Kingussie wandern. Uns erwarteten ca. 25 km Strecke und ca. 160 Höhenmeter, wozu wir dann doch ca. 6,5 Stunden benötigten.
Aber zuerst gab es zum letzten Mal ein gutes Frühstück im „The Old Deli“ in Fort William. Da unser Großraum-Taxi auf 9 Uhr bestellt war, um uns zu unserer Wanderung nach Laggan zu bringen, standen wir schon 10 Minuten vor acht Uhr vor der Türe, Einlass wurde und aber erst pünktlich um 08:00 gewährt.
Als uns dann am vereinbarten Startpunkt der Taxifahrer herzlich mit den Worten „bloody rain“ begrüßte war klar, das Wetter ist nicht ganz ideal aber, wie wir später noch von einem Einheimischen bestätigt bekommen, landestypisch.
In Laggan angekommen, eine kleine Ortschaft ca. 12 km süd-westlich von Newtonmore mit einer unter Denkmalschutz stehenden Kirche, starteten wir hochmotiviert unsere Tageswanderung.
Aber schon nach ein paar 100 Metern wurden wir schnell wieder von einer Bäuerin gestoppt, die uns freundlicherweise darauf aufmerksam machte, dass ihre Kühe gerade Kälber haben und sie diese recht nachdrücklich beschützen. Wir hätten, um unser Ziel zu erreichen, durch die Weide gehen müssen, würden aber als große und bunte Gruppe bei den Kühen möglicherweise den Beschützerinstinkt auslösen. Die Bäuerin schlug uns vor, noch ein Stück an der Straße zu gehen. Wenn wir dennoch über die Weide wandern möchten, sollten wir am besten so nahe am Zaun laufen, dass wir im Notfall darüber springen könnten. Ob der Zaun aus Stacheldraht bestand oder elektrisch war und warum wir nicht auch auf der anderen Seite des Zaunes hätten laufen können, habe ich nicht nachgefragt, da wir uns nicht ganz einstimmig für die Straße entschieden haben. Nach ein paar wenigen Kilometern konnten wir bei der „West Lodge“ des „Cluny Castle“ die zum Glück wenig befahrene Straße wieder verlassen. Das aus dem 14. oder 15. Jahrhundert stammende gut gepflegte und unter Denkmalschutz stehende Schloss liegt in ein Wäldchen eingebettet an dem Fluss Spey. Ein paar Meter weiter, als wir das Schloss hinter uns liegen ließen und das Wäldchen verlassen hatten, begrüßten uns dann gleich ein paar der legendären Midges aber der Blick in das weite, nun baumlose Land, eingerahmt von Bergen mit vereinzelten Wasserfällen entschädigte für alles.
Die Landschaft beziehungsweise der vorherrschende Bewuchs war ziemlich facettenreich. Von riesengroßen Felder mit violettem und purpurnem Heidekraut über reine Gras- und Moos-Landschaften bis hin zum legendären Moor. Die Fauna beschränkte sich da auf ein paar Schafe und deren Hinterlassenschaften, ein paar Zecken, Midges und Schnecken. Das Wetter war weiterhin trübe und regnerisch, was uns später noch beschäftigen sollte.
Bis zur ersten Rast waren die Wege gut und angenehm zum Laufen. Einige verwitterte Zäune und Hausruinen standen vereinzelt herum, es war und ist einfach eine wunderschöne Landschaft.
Unsere Rast war dann an der „Dalnashallag“-Schutzhütte, welche sogar einige Reiseführer kennen. Ca. 20 Meter entfernt fließt der Fluss „Calder“ vorbei, er ist ein Nebenfluss des Flusses Spey und hat ein recht zerklüftetes relativ breites Flussbett, das aufgrund der Regenfälle der letzten Tage ca. knietief war. Die Information der Flusstiefe stammt aus erster Hand, denn nach diesen ca. 20 Metern erkannten wir, dass wir den Fluss überqueren mussten. Eine Brücke war weit und breit nicht in Sicht. Hier teilte sich die Gruppe kurzfristig auf. Ein Teil suchte flussaufwärts, der andere Teil flussabwärts nach einer trockenen Passage über den Fluss. Die Flussabwärts-Gruppe hat es tatsächlich geschafft, die Flussaufwärts-Gruppe, zu der auch ich gehörte, entschied sich zu einer Kneipp-Kur. Das Wasser war wie zu erwarten ziemlich kalt, aber die Steine waren erfreulicherweise fast nicht glitschig und die Strömung hielt sich auch in Grenzen. Lediglich der Uferbewuchs war unangenehm, da hier ziemlich viele der schottischen Symbolpflanzen wuchsen, die Distel.
Nach einigen Metern, die Gruppe war wieder vereint, erkannten wir, dass wir noch einmal den Fluss überqueren mussten. Dieses Mal war ich bei der „Flussabwärts-Gruppe“ und schaffte es tatsächlich, unter viel Anleitung und Zuspruch, trockenen Fußes über den Fluss. „Wenn Du daneben trittst, nicht stehen bleiben, einfach weiterlaufen“, war ein guter Rat, den ich zum Glück nicht beherzigen musste. Und als ob es nicht genug gewesen wäre, mussten wir ein drittes Mal über den Calder. Hier kam uns auf der Seite, zu der wir wollten, ein aufgeregter Holländer (glaube ich jedenfalls) entgegengelaufen. Ich dachte, er wolle uns sagen, wo wir den Fluss am besten überqueren können, aber nein, er wollte wissen, ob es hier eine Hütte gibt, in der er Kaffee machen kann. Vielleicht haben wir ihn auch falsch verstanden und er suchte mitten in den Highlands ein Café. Bis auf diese Begegnung war die Gegend tatsächlich menschenleer. Nun gut, der Holländer war nicht allein unterwegs, somit konnten wir ihn ohne schlechtes Gewissen ziehen lassen und wir hatten inzwischen eine schmale Stelle im Fluss gefunden, so dass wir ihn gut und trockenen Fußes ein letztes Mal überqueren konnten.
Kaum hatten wir den Fluss bezwungen, setzte leichter Regen ein und die Landschaft veränderte sich zum Moor. Der Weg, sofern er überhaupt zu erkennen war, war überschwemmt und mit jedem Schritt versanken wir teilweise knöcheltief im Torf. Das Wandern war hier ziemlich anstrengend und fast alle in der Gruppe hatten zum Schluss nasse Füße.
Aber nach ein paar weiteren Kilometern war es geschafft, die Landschaft änderte sich wieder, der Boden war wieder normal begehbar, wir liefen durch kleine Wälder und wir näherten und Newtonmore, welches wir aber links liegen ließen, wir hatten noch ein paar Kilometer vor uns und waren schon spät dran. Hier trafen wir dann auch den oben genannten Einheimischen. Von ihm haben wir erfahren, dass „trüb und regnerisch“ das normale Wetter in Schottland sei und Sonnenschein lediglich ein Bonus.
Nachdem wir wieder etwas gelernt hatten, wechselten wir auf den „The Wildcat Trail“. Der Trail war bis auf einen kleinen Teil gut zu gehen. Die Landschaft war sehr abwechslungsreich, zum Teil wanderten wir auch in Birkenwäldern. Wir mussten auch durch eine Vielzahl von sogenannten „kissing gates“, das sind Tore, die aufgrund ihrer Bauart Schafe und anderes Vieh vom Fliehen abhalten sollen. Diese Tore lassen aufgrund ihrer Bauart immer nur einen Wanderer mit Rucksack durch.
Irgendwann wurde der Wildcat Trail dann sehr schmal und zugewachsen. An einer Stelle gab es auch einen Erdrutsch, wodurch dieser Abschnitt inzwischen gesperrt wurde, und es gabt eine Umleitung.
Nun verließen wir den Trail und es ging von nun an der Straße entlang auf der National Cycle Network Route 7. Dieser Radweg führt von Sunderland nach Inverness, aber wir waren schon mit der Strecke nach Kingussie zufrieden.
Kingussie ist eine Kleinstadt mit ca. 1500 Einwohnern (Zensus 2011), die an dem Fluss Spey im Cairngorms-Nationalpark liegt. Als wir an einem Dienstag gegen 18 Uhr die Einwohnerzahl um ca. 0,6% erhöhten waren, nicht viele Restaurants geöffnet, so dass wir uns im „Joe’s The Chippy On The Corner“, ein Fish & Chips – Schnellrestaurant zum Abendessen einfanden. Das Essen war etwas fettig, aber dennoch gut, es war lediglich etwas kalt in dem Geschäft, so dass hier der Grundstock für einige Erkältungen in der Gruppe gelegt wurde. Nun wurde noch der örtliche Supermarkt geplündert und mit einer warmen Dusche in Aussicht nahmen wir die letzten 1,3 Meilen wieder hochmotiviert in Angriff.
Der Weg zu unserer Unterkunft führte an den „Ruthven Barracks“ und an Pferden vorbei. Die „Ruthven Barracks“ werden wir am nächsten Tag besichtigen.
Die Unterkunft selbst war angenehm komfortabel mit einer großen Küche, wo wir schnell beschlossen, am nächsten Abend selbst zu kochen.
Der Tag klang sehr schön mit einem langen Beisammensein im „Kaminzimmer“ aus.
Tag 5 / Mittwoch, der 4. September
„Ruine-See-Berg-Spagetti“
Kingussie – Greag Bheag (487m)
Nach einer ruhigen Nacht, einer grandiosen Aussicht auf die „Ruthven Barracks“ und einem sehr guten Frühstück wurde wegen des Regenwetters verschiedene Tages-Touren geplant und wieder verworfen. Da es gegen Mittag weniger regnen sollte brachen wir auch erst gegen Mittag auf. Die Tour kann am besten mit Ruine-See-Berg-Spagetti beschrieben werden. Wir besichtigten zuerst die „Ruthven Barracks“, aber nicht ohne zuvor nochmal an den Pferden vorbeizugehen.
Die Kaserne wurde 1719 nach dem Jakobitenaufstand von 1715 erbaut und 1746 von den Jakobiten nach der Schlacht von Culloden gleich wieder zerstört. Die Ruinen werden nun als Denkmal erhalten, der Eintritt ist kostenlos. (From Wikipedia, the free encyclopedia)
Nach dieser Geschichtsstunde wanderten wir durch Kingussie, an dem inzwischen dauerhaft geschlossenen St. Vincents Hospital, das ursprünglich ein Tuberkulose-Sanatorium war und am Kingussie-Golfplatz vorbei zum Loch Gynack. Zu Beginn noch auf asphaltierten Wegen, dann aber wieder in Kiefer- und Birken-Wäldern und auch auf Feldwegen. Der Rundweg wird von Freiwilligen der „The Kingussie Community Development Company (KCDC)“ permanent gepflegt, verbessert und ein kurzes Wegstück wurde sogar neu angelegt, um ein oft schlammiges Wegstück zu umgehen (www.kcdc.co.uk).
Der See selbst liegt malerisch inmitten von Heidekraut, Farn und Bergen. Nach einer kurzen Pause und nachdem ein Teil der Gruppe geprüft hatte, ob das Wasser wirklich nass ist, bestiegen wir dann auch den Creag Bheag, der 6369 höchste Berg auf der britischen Insel (487m). Mit einem Aufstiegshöhe von ca. 280m war dies ein gutes Training, wir hatten ja noch den Ben Macdui (1309m), den zweithöchste Berg der Insel vor uns.
Der Aufstieg von der Nord-Ost-Flanke war aber dennoch fordernd. Es ging ziemlich steil auf felsigem Untergrund, teilweise unmarkiert nach oben, aber immer wieder mit Absätzen. Wie vorhergesagt hatte es aufgehört zu regnen, so dass der Boden inzwischen wieder trocken war, was hilfreich war. Am Gipfel angekommen konnten wir die grandiose Aussicht in alle Himmelsrichtungen genießen. Nach einem Gruppenfoto ging es zum Abstieg, da es sich ja um einen Rundweg handelte, Richtung Süden. Dieser Abstieg war kein Vergleich zum Aufstieg. Moderat ging es auf einem angelegten und gepflegten, angenehm zu gehenden Weg Richtung Tal. Danach wanderten wir wieder durch malerische Wälder zurück nach Kingussie.
Dort angekommen stürmten wir zum zweiten Mal den Supermarkt, zum Abendessen sollte es ja Spagetti mit einer vegetarischen und einer Fleisch lastigen Soße und Salat geben.
Wieder an der Unterkunft angekommen, begann ein Teil der Gruppe das Abendessen vorzubereiten, ein anderer Teil der Gruppe probierte tatsächlich den Whirlpool des Hauses im Außenbereich aus. Aufgrund des Platzes in der sprudelnden Badewanne und wohl vor allem wegen der Farbe des Wassers beschränkte sich die Gruppe auf 3 Personen.
Die Köche mussten feststellen, dass schottische Kochfelder etwas schwachbrüstig sind. Zwar war es gerade noch möglich Zwiebeln zu karamellisieren, von Röst-Aromen im Hackfleisch waren wir aber kilometerweit weg. Dennoch war das Abendessen superlecker!
Auch dieser Abend klang gemütlich aus, am nächsten Tag ging es wieder mit Sack und Pack weiter nach Aviemore.
Tag 6 (Donnerstag, 05.09.2024)
Bei kühlem, klarem Wetter verlassen wir unser schönes Ferienhaus bei Kingussie und machen uns auf den Weg nach Aviemore. Auf einsamen Wegen erfreuen wir uns an weiten Birkenwäldern mit knorrigen Bäumen voller Bartflechten und Baumpilze. Wir folgen klaren Wasserläufen, passieren moorige Wiesen und ausgedehntes Heideland. Für Liebhaber von Wildfrüchten gab es eine Snackpause im Heidelbeerwald. Nach Loch Insh, beliebt bei Wassersportlern, überqueren wir den River Spey und lassen uns bei Kincraig im Old Post Office Cafe mit leckerem Kuchen und Kaffee verwöhnen. Weiter durch hügelige Heidelandschaft und Kiefernwäldchen, später Weideland mit neugierigen Hochlandrindern, erreichen wir Aviemore. Ein Ferienhaus in Ortsnähe dient uns für die nächsten beiden Tage als Unterkunft. Der beliebte Ferienort im Cairngorm Nationalpark, ist derzeit gut besucht, die Restaurants ausgebucht, sodass uns ein Chinamenü alternativlos erscheint. Das war allerdings kein Highlight!
Tag 7 (Freitag, 06.09.2024)
Nach reichlichen Wanderkilometern haben wir uns heute einen Ruhetag verdient und erkunden Aviemore bei Sonnenschein. Neben Touristinfo, Eiskaffee, Pubs und Hotels ist der farbenfrohe alte Bahnhof blitzsauber und eine wahre Postkartenidylle. Der Aviemore Ring Cairn und Stone Circle ist zwar viel kleiner als Stonehenge aber dennoch eine regionale Attraktion. Es bleibt Zeit genug für einen gemeinsamen Einkauf und die Zubereitung eines wohlschmeckenden Abendessens in unserem Ferienhaus, aufgewertet durch eine Whiskyprobe in netter Runde.
Tag 8 (Samstag, 07.09.2024)
Mit dem Bus geht’s zum Cairngorm Mountain, einem beliebten Skigebiet und Ausgangspunkt für Wanderungen im Nationalpark. Unser Ziel ist der Ben Macdhui: in gut 2 Stunden schaffen wir unseren ersten Viertausender (4.296 ft) und stehen auf dem zweithöchsten Berg von Schottland/Großbritannien. Der Aufstieg bei herrlichem Wetter ist eher einfach, fasziniert aber durch die beeindruckende Weite und herrliche Farbigkeit. Kein Baum, kein Strauch, dafür blühende Heidelandschaft, karges Grasland, Bäche, Hochmoor, Geröll und Steinwüste. Der Gipfel ist sehr, sehr weiträumig und bietet heute klare Fernsicht mit ungewohnter, ortstypischer Farbkomposition. Auf dem Rückweg erfreuen wir uns an beeindruckenden Felsformationen und gut zu querenden Wasserläufen.
Tag 9 (Sonntag, 08.09.2024)
Nach der schönen Bergtour am Vortag gönnen wir uns zunächst einmal ein opulentes Frühstück, u.a. mit Bratkartoffeln, wobei wir alle Reste verwerten. Denn auf der nächsten Etappe von Aviemore nach Nethy Bridge müssen wir alles mittragen, und das passiert im Bauch besser als im Rucksack. Etwas später wie gewohnt brechen wir auf, und wandern entlang einer Bahntrasse, wobei der Weg hier sehr eben verläuft. Und wie es der Zufall so will, treffen wir auf eine lustige Wandergruppe, den Pfälzer Whiskyclub aus Böhl Iggelheim. Nach Austausch von vielfältigen Informationen und Whisky geht es weiter. Die Mittagsrast erfolgt in Boat of Garden, wobei wir hier mit etwas Zeitverschiebung hausgemachte Scones bekommen … sehr lecker. Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich Nethy Bridge, und checken im gleichnamigen Hotel ein. Willkommen, geheißen werden wir von schottischem Nieselregen und einem merklichen Rückgang der Temperatur.
Tag 10 (Montag, 09.09.2024)
Nach einem typisch schottischen Frühstück mit Bohnen, Haggis und etwas dünnem Kaffee geht es am nächsten Morgen bei inzwischen doch kühlen 13 Grad wieder auf den Weg nach Grantown-on-Spey. Der Weg ist zum Teil schnurgerade, und folgt einer alten Bahntrasse. Er hat dadurch recht wenig Hm und ist sehr gut ausgebaut. In Grantown selbst laufen wir erstmal zum Hotel, und entledigen uns unseres Hauptgepäcks. Da wir nach dieser recht einfachen Etappe überhaupt nicht ausgelastet sind, machen wir im Anschluss noch eine schöne Nachmittagswanderung, die uns durch einen dichten Mischwald Richtung Cromdale führt. Zurück nach Grantown wandern wir entlang des River Spey, und erhaschen noch einige Sonnenstrahlen. Das Wetter ist insgesamt optimal.
Tag 11 (Dienstag, 10.09.24)
Wir sind in Grantown-on-Spey am Speyside Walk am Ende unserer Tour angelangt, die Thomas und Christian hervorragend organisiert haben – nochmals unser aller Dank an die Zwei!
Zu Schottland gehört aber nicht nur Wandern, sondern auch Whisky. Daher ist heute ein Besuch in einer Destillerie vorgesehen. Hier kann man nicht einfach, wie bei einem Winzer in der Pfalz, vorbeischauen, wir haben aber noch einen „Time-Slot“ in der Craggenmore Destillerie für heute Nachmittag buchen können. Daher fahren wir zunächst mit dem Bus zum Schloss Ballindalloch – das älteste noch bewohnte Castle in Schottland. Für unsere „elderly aged pensionairs“ erhalten wir noch einen Rabatt für den Eintritt. Vom Schloss wandern wir dann weiter zur Destillerie. Hier erfahren wir wie Whisky hergestellt wird, und letztlich nichts anderes ist als destilliertes Weizenbier, wobei dazu das Malz auch geräuchert wird. Danach lagert der Whisky über viele Jahre in unterschiedlichen Holzfässern wie zum Beispiel in Sherry oder Bourbon Fässern. Zurück nach Grantown fahren wir mit dem Taxi von Carol, die genauso schnell spricht, wie sie fährt.
Tag 12-15 (Mi 11.09. bis 14.09.24)
Gestärkt von einem schottischen Frühstück, auch mal mit Porridge, nehmen wir den Bus nach Edinburgh und passieren nochmals unsere Wanderziele der letzten Tage, Nethy Brigde, Boat of Garden bis nach Aviemore, von dort fahren wir vorbei an Kingussie mit den Ruthven Barracks nach Edinburgh. Wir haben sowohl Regen als auch Sonne als wir in Edinburgh ankommen und zu unseren Unterkünften in den Ballmore Apartments gehen. Am Abend essen wir gemeinsam – wie könnte es für den DAV nicht besser passen – im Restaurant Everest, um anschließend noch ein typisches Pub, die „Bennets Bar“ zu besuchen.
Nach einem ausgiebigen Frühstück gibt es eine kleine Stadtführung von Jürgen, u.a. zum Calton Hügel mit herrlichem Blick auf Edinburgh. Über die Mainroad, in der gerade Filmarbeiten stattfinden, gehen wir weiter zum White Hart Inn am Grassmarket, eines der ältesten Pubs in Edinburgh. Am Nachmittag verlassen uns dann Christian, Olga, Bernhart und Jürgen und fahren direkt nach Glasgow.
Am Freitag geht jeder auf eigene Faust auf Erkundungstour in Edinburgh, danach besuchen wir gemeinsam das Schloss, indem die königlichen Insignien des ehemaligen schottischen Königs zu besichtigt sind.
Am Samstag geht es dann mit dem Bus zum Flughafen nach Glasgow, wo wir die anderen für unseren Rückflug wieder treffen.
Noch ein Wort zum Schluss: Der Zweck des Deutschen Alpen Vereins und der Sektion ist es, das Bergsteigen und die alpinen Sportarten vor allem in den Alpen zu fördern und die Schönheit und Ursprünglichkeit der Bergwelt zu erhalten und die Kenntnis über die Gebirge zu erweitern. Nach dem Klimaschutzkonzept des DAV vom April 2022 besteht die Selbstverpflichtung auf Kurzstreckenflüge (Luftlinie unter 1.000 km) zu verzichten. Von Frankfurt nach Glasgow sind es ca. 1.250 km. Für die Tour wurde ein entsprechend hoher Klimaschutzbeitrag verlangt und von allen entrichtet.