Aufbaulehrgang auf der Hanauer Hütte vom 12. – 15.09.2020

Tag 1: Anreise und Schnupperklettern

Bereits am Samstag zeigten sich die Lechtaler Alpen von ihrer besten Seite. Blauer Himmel marmoriert mit schneeweißen Wolken, ein grünes Tal und dahinter schroffe Felswände. Gutgelaunt machten sich daher Ben, Heinz, Marvin, Matthias, Nadia, Susanne, Werner und ich auf den Weg zur Hanauer Hütte. Nach gerade mal etwas mehr als zwei Stunden erreichten wir diese bereits. Check-in war erst ab 14 Uhr möglich. So entschieden wir uns für eine Felseingewöhnungsphase am nahe gelegenen Murmelfelsen. Es standen leichte Einseillängen, Sichern, Umlenken und Abbau von Routen auf dem Programm.

Tag 2: Knoten, Stände, Kommandos, Abseilen

Direkt nach dem Frühstück begaben wir uns in die gleiche Richtung wie tags zuvor. Nur fünf Minuten hinter dem Murmelfelsen wartete das Klettergebiet „Schlenkerwand“ auf uns. Diese hatte mehrere Mehrseillängen zwischen 3- und 4, perfekt abgesichert, zu bieten. Und die hatten wir auch ganz für uns alleine. Zuerst aber ging es um den Bau von Sicherungsständen, um die Organisation des Standplatzes, um Seilhandling, um einhändig gelegte Halbmast- und Mastwürfe, Seilschaften in Aktion und Abseilen. Das nahm zwar einiges an Zeit in Anspruch, war aber sehr wertvoll und wurde intensiv geübt. Und dann ging es endlich in die Wand. Die verschiedenen Seilschaften verteilten sich am Fels auf die verschiedenen Routen unterstützt von Werner und mir. Und so schallten bald munter die Kommandos durch die Wand.

Tag 3: Immer noch allerbestes Wetter, traumhafte Klettertour, langweilig geht anders

Die gestrige Entscheidung für heute hieß: Parzinnspitze. Es warteten sieben Seillängen (naja, eigentlich 5 1/2 mit Gehpassagen) auf uns, genüßlich im 3. Grad mit einer einzigen 4- Stelle drin. Bereits der Zustieg passte zeitlich prima, nach 2 1/2 Stunden ging der erste in den Einstieg. Davor waren noch zwei 25m Abseilstellen und etwas Kraxelei zu bewältigen. Schon etwas anderes als so ein Sportklettergarten auf ausgetretenen Wegen.
Wir wechselten uns im Vorstieg ab. Nach den ersten drei Seillängen gab es ein kurzes Gehgelände mit jeder Menge Gebrösel. Danach folgten die beiden schönsten Abschnitte, ein Kamin und eine etwas ausgesetzte Kante. Dann wartete nochmals etwas Gehgelände, kurzes Abklettern sowie ein 1er Gelände mit ein paar 2er Stellen auf uns. Dann war auch schon der Gipfel erreicht. Gratulationen, Pausenbrote, Gipfelbucheintrag, Flüssigkeitshaushalt auffüllen. Bis zum Gipfel hatten wir 3,5 Stunden gebraucht. Auch hier lagen wir perfekt in der Zeit. Zu erwähnen sei noch, dass ein 50 Meter Seil mit einer Dreierseilschaft keine 50 Meter mehr hat. Aber mit etwas Ziehen klappt es dann auch in einer 50m Seillänge.
Nachdem das alles erledigt war ging es an den Abstieg. Aber der führte über den Südgrat anspruchsvoller als gedacht, Abseilen durch eine schuttige Rinne, generell jede Menge Gebrösel, abklettern, wieder hochklettern, nochmals abseilen, usw. Das dauerte alles etwas länger als erwartet. Aber nach knapp 1 1/2 Stunden standen alle an der Nördlichen Parzinnscharte und eine halbe Stunde später auch wieder am Gufelseejöchl. Die Mehrheit entschied sich hier noch für ein erfrischendes Bad im etwas tiefer gelegenen Gufelsee. Die lauten Schreie der Badenden schallten bis zu Nadia und Werner, die später gestartet waren und sich noch mitten in der Kletterroute befanden.
Susanne und ich waren zu dieser Zeit aber schon fast wieder an der Hanauer Hütte und ließen uns nach einer guten Dusche das Bier auf der Terrasse schmecken.
Abends wurde dann der Gipfelerfolg begossen. Man könnte meinen es waren vier Gipfel. Immerhin gab es vier Runden Zirbenschnaps.

Tag 4: Tourende, und jeder macht was er will

Da keine offenen Fragen mehr zu klären waren, wurde die Tour nach einem gemütlichen Frühstück offiziell beendet. Ben, Heinz, Marvin und Matthias wollten noch die Dremelspitze besteigen, Nadia und Werner nochmals an die Schlenkerwand. Susanne und ich stiegen ab und fuhren noch für ein paar Tage an den Gardasee.

Herzlichen Dank an alle Teilnehmer für die engagierte Teilnahme und an Werner für die mehr als umfangreiche Unterstützung.

Bilder: alle
Text: Harald Winter