Teilnehmer: Peter, Waldemar, Jürgen L., Jürgen F. und Ute.

Am Sonntag den 16.07. treffen wir uns zu sechst um 6:15 Uhr am Parkplatz Queichheim zum Ausbildungslehrgang „Fels und Eis“ unter der Leitung von Joachim Reither und starten die Anfahrt nach Hinterbichel in der Bergregion Hohen Tauern. . Bei strahlendem Sonnenschein laufen wir dann auf einem Fahrweg, entlang saftiger Wiesen und eines rauschenden Bachlaufs, zur Johannishütte auf (hier hätten wir noch das Großvenediger-Taxi nehmen können). Kaum angekommen, ließen wir uns auch schon das erste Bier auf der schönen Terrasse schmecken. Die J.-Hütte ist komplett renoviert und es gibt tolle Hüttenschuhe in fast allen Größen. Für diesen Tag standen, nach einer kurzen Stärkung, eine Theorieeinheit zum Thema Seil- und Knotenkunde auf dem Programm. Stundenlang übten wir die verschiedensten Knoten.

Die Johannishütte machte ihrem Namen alle Ehre – das Essen ist sogar mit Johannisbeerblättern dekoriert. Bei der Organisation und Abrechnung gab es allerdings leichte Differenzen, die wir allerdings dann doch noch klären konnten.

Am Montag, direkt nach dem Frühstück erfolgte die nächste Theorieeinheit: „Orientierung und Routenfindung“. Wir orientieren uns mit Bussole und Karte um einige Berge zu lokalisieren. Weiterhin planten wir eine Tour auf der Karte mit Höhenmetern, Entfernung, Leitzahlen und ermitteln letztendlich die benötigte Zeit inkl. Pausen. Nach einer kurzen Pause starten wir dann endlich zum Türmeljoch (2790 m), dem Einstieg zum Klettersteig „Türml“ (2845 hm) – ein kurzer aber dennoch sehr eindrucksvoller Klettersteig. Nach dem Rückweg zur Johannishütte standen bei uns Bergrettungs- und Erste-Hilfe-Kurs auf dem Programm. Bei den praktischen Übungen zum Thema Tragen- und Liegenbau mit Seilen und Biwak sack, sorgten wir für gute Unterhaltung aller Gäste, auf der Terrasse.

Dienstag starten wir nach einem ausgiebigen Frühstück und erneut strahlendem

Sonnenschein zum Defreggerhaus auf 2.962 hm. (Zufällig gleiche Höhe wie unsere Zugspitze) Die Landschaft ist jetzt felsig, besteht hauptsächlich aus losen Steinplatten. Um 11:30 Uhr sitzen wir bereits bei unserem ersten Mittagessen. Nach Bezug der Zimmer geht es wieder los, um das Laufen auf dem Gletscher mit Schuhen und Steigeisen zu üben. Wir müssen lange üben, bis Joachim endlich mit uns zufrieden ist. Nun rutschen wir mal vorwärts, rückwärts, auf dem Bauch und auf dem Rücken auf dem Gletscher ab, um das Stoppen darauf zu üben und anschließend T-Anker und Eisschraube setzen zu erlernen. Nach Rückkehr und kurzer Pause in der Hütte starten wir erneut auf einen weiteren spaltendurchzogenen Gletscher, um die Spaltenbergung in der Praxis durchzuspielen. Jürgen, unser Opfer in der Spalte muss leider recht lange in der kalten Spalte auf seine Rettung warten. Da in der Nähe ein Gewitter aufzog, der Nebel näher rückt und es leicht anfängt zu graupeln, beenden wir unsere Aktion nach der ersten „Rettung“. Wir beschließen die Spaltenbergung vor Begehung des Großvenedigers am nächsten Morgen noch einmal an der Hütte zu wiederholen. Durch das lange Rumstehen auf dem Gletscher ist uns kalt geworden, so dass wir uns auf dem Rückweg beeilen in die Hütte zu kommen. Obwohl die Hütte keinen großen Komfort bietet und es nur Instantkaffee gibt, wird hier sogar bei Vegetariern darauf geachtet, dass sie nicht jeden Tag das gleiche essen müssen und auch der Nachtisch steigert sich anscheinend Tag für Tag. Für die Großen unter uns ist die Erkenntnis, dass das Bett auf dieser Hütte nur 1,90 lang ist und an beiden Enden eine hohe Kante hat, ziemlich frustrierend.

Mittwoch: Nach einer Nacht, die durch das lautstarke Packen der Nachbarn schon früh beendet ist und einem wohltuenden Frühstück, holen wir unsere unvollendete Spaltenbergung vom Vortag am Fahnenmast der Hütte nach. Aus diesem Grund sind wir so ziemlich die Letzten, die an diesem Morgen auf den Großvenediger starteten. Zuerst geht es ca. ½ Stunde steil über Steinplatten zum Gletschereinstieg. Dort fällt uns ein älterer Herr auf, der ohne Gletscherausrüstung (nur mit Wanderschuhen und Stöcken) alleine vor uns unterwegs ist. Wir laufen nun zu sechst in einer Seilschaft. An diesem Morgen ist es leider etwas nebelig, klart allerdings zwischendurch auf. Jetzt kommen uns schon die ersten entgegen, die bereits auf dem Rückweg sind. Der Weg über den matschigen Schnee zieht sich und da wir wieder im Nebel sind, ist kein Ziel in Sicht. Kurz vor dem Gipfel sehen wir kaum noch etwas – so auch nicht, wie tief der Berg vom Grad aus rechts und links nach unten abfällt. Endlich taucht kurz vor uns das Gipfelkreuz des Großvenedigers bei 3.662 hm auf. Trotz schlechter Sicht werden unzählige Gipfelbilder gemacht – Wie ein Geist tauchte dann wieder der ältere Mann auf, der uns dann Fotografierte. Auf dem Rückweg bleibt er erst längere Zeit zurück, um uns dann bei der Querung des Gletschers im vollen Laufschritt zu überholen. So nannten wir ihn dann „running man“. Auf dem Rückweg sind wir schneller als gedacht, so dass wir auf der Hütte noch Zeit für ein Mittagsschläfchen haben und anschließend unsere Selbstrettung mittels Prusik und Selbstflaschenzug an einem Geländer der Hütte üben konnten.

  • Zu sagen ist noch: Der Mann war alleine, ohne Eisgerät und auch ohne Steigeisen im Spaltenreichen Gebiet unterwegs. Zusätzlich hatte er keinerlei Erfahrung zum Thema Gletscherspalten und hohe Gipfel.
  • Bitte nicht nachmachen !!

Donnerstag: Wir entschieden uns auf Grund der langen Rückfahrt an diesem Tag nur noch vom Defreggerhaus nach Hinterbichel von 2.962 hm auf 1.490 hm abzusteigen und auf den weiterhin geplanten Gipfel „Schwarze Wand“ zu verzichten. Bei schon wieder blauem Himmel können wir in der Ferne viele kleine schwarze Punkte als Karawane auf dem Weg zum Großvenediger ausmachen. Für uns geht es allerdings steil ins Tal hinab. Plötzlich sitzt direkt am Weg ein Murmeltier, was seelenruhig trinkt und sich selbst durch unser Fotoshooting nicht abschrecken lässt. Auf unserem weiteren Weg begleiten uns Schafe, in der Ferne Kühe und später eine ganze Gruppe von Murmeltieren, die erstaunlich nah und unerschrocken ist – und dann kurz vor der Johannishütte – ein Wiedersehen mit dem „running man“. Mit gutem Tempo erreichen wir schon um ca. 11:00 Uhr den Parkplatz in Hinterbichel. Wir beschließen vor der Rückfahrt gemeinsam im Ort zu essen. Gut gestärkt starten wir die Rückfahrt, die leider durch Baustellen, Staus, Unfälle und Gewitter geprägt waren, so dass wir trotz der frühen Abfahrt um kurz nach 12:00 Uhr mittags erst abends in Landau angekommen sind.

  • Insgesamt ein sehr abwechslungs- und lehrreiches, gut vorbereitetes Programm in schöner Landschaft bei fast ausschließlich tollem Wetter.

Bericht: Ute Pister